1. Nur Null Promille bedeuten kein Risiko!

    Fachtagung zum fetalen Alkoholsyndrom (FASD) in Detmold

    Dieser Eintrag wird bereitgestellt durch Schaumburger Wochenblatt | Impressum

    Detmold (tl). Das fetale Alkoholsyndrom (FASD) ist die häufigste Ursache für geistige Behinderung, die nicht genetisch bedingt ist. Zwischen 4.000 und 10.000 Kinder werden jedes Jahr in Deutschland geboren, die aufgrund des Alkoholkonsums der Mutter während der Schwangerschaft geistig oder körperlich geschädigt sind. Neueste Studien zeigen, dass sehr viel mehr Frauen während der Schwangerschaft Alkohol trinken, als sie gemeinhin zugeben. "Der Alkoholkonsum während der Schwangerschaft nimmt weltweit besorgniserregend zu", sagt Heike Grünzel vom Evangelischen Beratungszentrum der Lippischen Landeskirche.

    Diese Fakten sind Anlass und Hintergrund für eine Fachtagung zum Thema, die jüngst in der Detmolder Stadthalle stattfand. Rund 170 Teilnehmer – Pädagogen, Erzieher, Berater, medizinisches Personal – ließen sich auf den aktuellen Stand der Forschung zum fetalen Alkoholsyndrom bringen. Ziel der Veranstaltung war es zu informieren, für das Problem zu sensibilisieren und Hilfsmöglichkeiten für Betroffene und ihr soziales Umfeld vorzustellen. Die wichtigste Botschaft der Tagung: "Nur null Promille bedeuten kein Risiko für das ungeborene Leben!"Übrigens: Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass ein Gläschen Sekt die Milchproduktion in der Stillzeit anregt. Untersuchungen zeigen, dass Alkoholkonsum den Milchfluss sogar vermindern kann. Also gilt auch für die Stillzeit Abstinenz. Alkohol in der Schwangerschaft hat einen negativen Einfluss auf alle Organe des heranwachsenden Kindes. Das Ungeborene kann Hochprozentiges nur sehr langsam abbauen, weil ihm das dazu notwendige Enzym fehlt. Professor Dr. Andreas Luttkus, Chefarzt der Frauenklinik, und Dr. Günther Golla, Kinder- und Jugendarzt weisen ausdrücklich darauf hin, dass es keine "Schwellendosis" gibt. Soll heißen: Nicht erst ab einer bestimmten Menge X von Alkohol ist der Fötus gefährdet, sondern bereits ab dem ersten Tropfen. Neugeborene mit FASD werden ein Leben lang unter dem Alkoholkonsum der Mutter während der Schwangerschaft leiden. Dr. Reinhold Feldmann vom Uniklinikum Münster, ebenso involviert in der FAS-Ambulanz der Tagesklinik Walstedde, kennt die Auswirkungen genau: "Es gibt die körperlichen Merkmale – Wachstumsverzögerung und Fehlbildungen des Gesichts etwa schmale Oberlippen, verkürzter Nasenrücken – und die Intellektuellen Leistungseinbußen." Eine frühe Diagnose des fetalen Alkoholsyndroms sei deshalb für das Kind, seine Eltern oder Bezugspersonen äußerst wichtig, damit das Kind zügig und angemessen gefördert werden könne. Thomas Lorenzen, Vorsitzender des Vereins FASD Kreis Herford, betont: "Menschen mit FASD bringen ihre Familien, Pflegefamilien, professionellen Betreuer und sich selbst über die Grenzen der Belastbarkeit. So werden sie von ihrem Umfeld irgendwann fallen gelassen und scheitern." Es muss aber nicht soweit kommen! Mit korrekter Diagnose und speziell angepasster Pädagogik ist so ein Scheitern vermeidbar, meint Lorenzen. Weitere Informationen zu FASD gibt es auf "www.verantwortung-von-anfang-an.de" und "www.fasd-deutschland.de".

  2. Kommentare

    Bitte melden Sie sich an