1. Für Forscher und Neugierige

    Beim Recherchieren im Archiv wird Vergangenes lebendig

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    Lemgo (pro). Ein kleines Schild mit Pfeil weist die Richtung zum Eingang, der hinter einer Ecke versteckt liegt. Soll hier ein Geheimnis bewahrt werden? Keineswegs – von Montag bis Freitag steht das Stadtarchiv Lemgo allen Interessierten offen, wie der Leiter des Archivs Marcel Goeben bei einer offenen Archivführung klarstellt. "Donnerstag und Freitag kann jeder ohne Anmeldung reinschauen, bis Mittwoch ist eine Vorabvereinbarung notwendig." An der dezenten Erscheinung der ehemaligen Klosterkapelle an der kleinen Passage neben der Sparkasse in der Mittelstraße bleibt der Blick des Lemgoers nicht unbedingt hängen. Dabei verbirgt sich hier, mitten im Stadtzentrum, die Jahrhunderte alte Geschichte der Hansestadt.

    Im oberirdischen Teil des Süsterhauses erwarten den Besucher vor allem die Mitarbeiter des Archivs und die Archivbibliothek. Richtig spannend wird es dann doch erst im Verborgenen: Im Magazin, im nachträglich angelegten Keller unter dem Gebäude, lagert vor allem in Urkunden, Akten und Fotos die dokumentierte Stadtgeschichte. In der laut Goeben "kleinsten und wahrscheinlich ältesten Kultureinrichtung Lemgos" befinden sich derzeit rund 67.500 sogenannte Einträge zur Historie der Stadt: "Dahinter kann sich ein einzelnes Foto, oder auch eine hundert Seiten dicke Akte verbergen." Vielfältig und reich an Informationen sind die Beispielstücke, um die sich manchmal auch eine eigene kleine Geschichte rankt. Die originalen Stadtrechte Lemgos aus dem 13. Jahrhundert haben eine bewegte Vergangenheit: Ihr Siegel hat sich gelöst und ist nicht mehr im Stadtbesitz. Nach einer zwischenzeitlichen Odyssee gelangte die Urkunde erst Ende des 19. Jahrhunderts zurück zur Stadt. Von 250 "Hexenakten" der bekannten Prozesse sind 210 einzusehen – unter anderem der letzte und berühmte Fall Maria Rampendahls. Alle Urkunden bis zum Jahr 1500 sind inzwischen abgeschrieben einsehbar. Besonders eindrucksvoll sind die dicken Bände der ehemaligen Gymnasialbibliothek des Engelbert-Kaempfer-Gymnasiums, die in mehreren Reihen mit ihren breiten Buchrücken auf Geschichtsinteressierte warten. Selbstverständlich werden auch Familienforscher im Stadtarchiv fündig, wenn es um Einträge im Geburts-, Sterbe- und Heiratsregister geht. Nach Abschluss der offenen Führung machen sich einige Zuhörer noch einmal selbst mit einer Lemgo-Karte aus dem 19. Jahrhundert vertraut. "Hier sind wir gerade", stellen Barbara Drewes und Dorothea Rohn von den "Neuen Frauen für Lemgo" zielsicher fest und erkunden die alten Umrisse auf der Karte per Hand. "Unser Archiv ist Geschichte zum Anfassen", freut sich Marcel Groeben über das Fehlen von Berührungsängsten mit den Beständen. BUZ Stöbern in den umfangreichen Aufzeichnungen: Archivleiter Marcel Goeben an einem der Regale mit Buchexemplaren aus der alten Gymnasialbibliothek.

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