Lügde (afk). "Lügde singt" ist eine der traditionellen Kulturveranstaltungen, die seit der Bildung der Großgemeinde nicht nur die Chöre der Stadt zusammenführt sondern auch einen Überblick über die Leistungsfähigkeit der Gesangvereine gibt. Erfreulich 2016: trotz sichtbar gestiegenen Durchschnittsalters der Mitwirkenden haben offenbar alle den Spaß am Gesang nicht verloren und gingen auch diesmal beim 36. Konzert im gut besetzten Klostersaal voll konzentriert zur Sache. Markus Tappe, Vorsitzender des ausrichtenden NRW-Meisterchores "Canto allegro” schwant allerdings Schlimmeres, als er bei seiner Begrüßung feststellte: "Das ist eine schöne Tradition. Doch wie lange noch?”
Vor dem Hintergrund, dass immer mehr Chöre aus Nachwuchsmangel oder Altersgründen aufgeben (so will die Sängergruppe Köterberg im Herbst ihre Auflösung zum Jahresende beschließen, weil auch im kommenden Jahr zwei weitere Chöre aus dem Verbund aufhören) fand dieses Konzert dann schon auch besondere Beachtung. Tappe lobte die Teilnehmer: "Wer das Engagement dieser Chöre heute Abend hier sieht, kann hoffen, dass es diese Veranstaltung auch in Zukunft noch geben wird.” Darin schwang schon viel Hoffnung mit, aber die Zeit arbeitet derzeit gegen die meisten Gesangvereine in der Stadt. Eine Ausnahme bildet dabei der "Canto allegro”, dem es unter der Leitung seiner musikalischen Leiterin Sandra Lücke auch diesmal wieder gelang in seiner im Vergleich zu den anderen Ensembles deutlich jüngeren Besetzung mit dem Ausschnitt aus seinem Repertoire seine Qualität unter Beweis zu stellen. Das getragene "Abend wird es wieder” kontrastierte dabei mit dem Queen-Hit "Don’t stop me now” interpretiert der Chor mit unverhohlenem Spaß und gleichzeitig großer Präzision und Stärke in allen Stimmlagen. Das Publikum wusste die Leistung mit begeistertem Applaus zu würdigen. Aus einer ganz anderen Ära stammten die Lieder, die der MGV "Froher Liederkranz” Lügde unter der Leitung des nimmermüden Werner Möller, der MGV "Eintracht" Elbrinxen mit Schlagern wie "Rote Rosen, rote Lippen, roter Wein” oder "Deinen Namen, den hab’ ich vergessen” sowie der Frauenchor Elbrinxen und dann noch Männer und Frauen gemeinsam alle unter der Leitung von Markus Güldenring präsentierten. Fester Bestandteil des Lügde-Konzerts sind auch die Kirchenchöre. Helena Reichert hatte mit dem Evangelischen Kirchenchor St. Johannis ebenso geistliche Lieder einstudiert wie auch Günter Ostermann mit dem katholischen Kirchenchor St. Cäcilia. Schwung in den Saal brachte der MGV "Eintracht” Rischenau, der gemeinsam mit den Musikfreunden Heiligenkirchen und dem Freundeskreis Steirische Harmonika wie immer auf heitere musikalische Wanderungen in die Volksliederwelt aufbrach. Der Frauenchor Rischenau von Karin Brüggemann, schaffte es auch diesmal das Publikum auf seine ganz eigene Art mit Temperament und Fröhlichkeit aber durchaus auch mit berührenden Liedern zu fangen. Dirigent Jan-Eric Schäfer zeigte bei der Liedauswahl für dieses Konzert ein gutes Gespür für die Leistungsfähigkeit seines MGV "Frohsinn” Wörderfeld, der durchaus moderne Ansprüche mit gesanglicher Tradition verbinden kann. Dieses Traditionskonzert jeweils zu Frühlingsbeginn lebt auch von der Atmosphäre. Hier hatte Markus Tappe als Conferencier mit heiteren Frühlingsgedichten zwischendurch für entspannte Unterhaltung gesorgt.
