Lemgo (nr). Es war einer dieser schillernden Momente, die sich lohnen, aufbewahrt zu werden. 2000 Gäste in der Lipperlandhalle haben vergangenen Samstag ein A-cappella-Chorkonzert erlebt, das Maßstäbe setzt. Groophonik, Pop-Up und Voice Line haben drei Stunden lang mit ihren Stimmen die Massen begeistert und bezaubert.
Gleich drei herausragende Chöre hatte Tobias Richter unter dem Motto "Voice Dance" in die Lipperlandhalle geholt. Drei Chöre der Extraklasse, die a cappella ihre Stimmen das Tanzen lehrten. Zugegeben, Klang- und Lichttechnik haben das ihre zur begeisterten Stimmung beigetragen, aber was die drei Chöre an musikalischer Dichte durch den Raum schickten, war schon außergewöhnlich. Und die Mischung stimmte. Bekannte Songs, neben Unbekannteren, Stücke voller Energie und Lebensfreude neben solchen voller Zartheit und Melancholie und nicht zuletzt die Begegnung dreier Chöre mit durchaus unterschiedlichen Songkulturen, die sich grandios ergänzten. Einen energiegeladenen Auftakt machte Groophonik unter der Leitung von Gastgeber Tobias Richter mit "Let Me Entertain You". Vocal Pop vom Feinsten – oder doch lieber eine gefühlvoll angehauchte Interpretation von "Der Mond ist aufgegangen"? Groophonik hat nicht umsonst unlängst beim WDR-Chorwettbewerb "Singen macht Freude" den zweiten Platz belegt. "Man in the Mirror", "Jump and Feel the Groove", eine Eigenkomposition von Stephan Otters und Jan Gerth oder "Music was My First Love" waren perfekt für den Chor arrangiert, wogten mit changierenden Rhythmen durch die Sitzreihen und waren der perfekte Einstieg eines außergewöhnlichen Konzertes. Was bei Groophonik Vocal Pop vm Feinsten war, nahm Pop-Up unter der Leitung von Prof. Anne Kohler als jazzigen Part mit in den Abend. "Shiny Stockings", ein melancholisches "Run to You" oder "It Dont Mean a Thing" rissen das Publikum ebenso mit, wie das wunderschön getragene "Take Me to Church". Das Vokalensemble der Hochschule für Musik Detmold stellt Solostimmen oft vorsichtig heraus, und wenn, dann erklären sie den runden, reifen Klang der noch so jungen Stimmen, die ganz besonders stark in den ganz leisen Tönen sind. Im Juni 2014 begeisterte das 23-köpfige Ensemble sogar als Background-Chor der Rolling Stones 50.000 Zuhörer. Eine musikalische Reise in den hohen Norden versprachen Vocal Line"aus Dänemark. Die 30 Sängerinnen und Sänger unter der Leitung von Jens Johanson intonierten fernab vom Mainstream. "Precious Things", "Why Shouldnt I Cry for You" oder "93 Million Miles" waren so kostbar wie "Blood of Eden". Mit Leichtigkeit wechselnde Harmonien, kraftvolle, aber auch filigran anmutende Sequenzen boten fantastische Eindrücke. Vocal Line spielt voller Hingabe mit Harmonien und verschiedenen Musikgenres. Vor 25 Jahren von Jens Johanson gegründet, ist das Ensemble Vorbild und Vorreiter des rhythmischen A-cappella-Gesangs für viele Vokalensembles geworden. Einen ganz besonderen Moment hatte Tobias Richter kurz vor Konzertende aus dem Ärmel geschüttelt, als die Mitglieder von Groophonik sich im Zuschauerraum verteilten und gemeinsam mit dem Publikum eine gefühlvolle Version von "Viva la Vida" sangen. Gänsehautfeeling pur. Da war das von allen drei Chören gemeinsam gesungene "Shakles" zum Konzertende nur das Tüpfelchen auf dem i. "Vocal Pop vom Feinsten" hatte Tobias Richter für den Abend versprochen. Er hat dieses Versprechen gehalten – hoffentlich auch jenes, das Event 2017 zu wiederholen.v
