Detmold-Heiligenkirchen (la). Bei der Vernissage drängten sich wieder die Kunstfreunde in der kleinen Galerie »Kunstraum«. Schon seit einer Woche hatte ein großes Gemälde im Schaufenster des Kunstvereins auf die Ausstellung neugierig gemacht. Es zeigt einen Jungen in roter Badehose, der an einem Ufer im Wasser steht. »Gezeitenwechsel« heißt das Bild, das Sehnsucht nach dem Sommer und Erinnerungen an die Kindheit weckt.
Innen finden sich vor allem großformatige Portraits bis hin zum Format 200 x 160 cm. Sie wirken überraschend gut in den kleinen Räumen. Neben Bildern mit den Titeln Roland, Matthias, Gisela, Manfred und Anna stellt Rainer Lather hier auch einige Selbstportraits aus – vom kleinformatigen »Wut« bis hin zum wandfüllenden »Reset«. Der Maler stammt aus Marburg und war nach einer Tischlerlehre zunächst viele Jahre als Entwicklungshelfer in Papua-Neuguinea und Lesotho unterwegs. Gemalt hat er aber schon seit seiner Kindheit und tut dies seit seiner Ausbildung an der Werkkunstschule in Flensburg seit über 20 Jahren professionell. Kunstraum-Vorsitzender Joachim Kleinmanns wies in seiner Einführung auf den virtuosen Umgang Lathers mit Farbe und Pinsel hin. Die aus groben Pinselstrichen komponierten Gemälde zeigen keine feinen Übergänge, weder in Form noch in Farbe. Dennoch setzen sich für den Betrachter ganz unmittelbar differenzierte Bildnisse zusammen, in denen sich unverkennbare Stimmungen widerspiegeln, die mal mehr, mal weniger eindeutig sind. Zu einem Bildpaar gleich im Eingangsbereich hatte Lather eine Erklärung, die mit seiner Arbeit als Entwicklungshelfer zu tun hat. »Vorhersehung« heißen die beiden Portraits aus der Serie »Haus Tambaran«. Sie zeigen die malerische Umsetzung eines Schwarzweißfotos der Nachkriegszeit und – gegenüber – eine malerische farbige Interpretation. Das Foto fand Lather neben vielen anderen Bildern seiner Vorfahren in einer Schachtel im Elternhaus. Wie die Einwohner Papua Neuguineas, die ihre Toten im »Haus Tambaran« als Holzfiguren um sich versammeln, so hält Lather sie in Gemälden in seiner Erinnerung fest. Die Serie »Birds« hingegen erinnert an movie stills, Momentaufnahmen aus Filmen. Kein einziger Vogel ist auf den vier Bildern zu sehen, nur ein Paar mit Kind. Aber die Dramaturgie der Handlung, die eingefrorenen Bewegungen und Gesten, die angsterfüllten Blicke zum Himmel machen diese Vögel für den Betrachter sehr präsent. Noch bis zum 24. April ist die Ausstellung jeden Sonntag von 14 bis 18 Uhr in der Kunstraum-Galerie, Denkmalstraße 14, zu sehen. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen sind im Internet unter "www.kunstraum-detmold.de" erhältlich.
