Rischenau (afk). Ein Zettel an der Tür zum Haus Dunger Tor 2 in Rischenau informiert: "Der Sprechstundenbetrieb endet am 3. März 2016". Bis vor wenigen Tagen herrschte in der Praxis von Dr. Bernhard Pott noch Betrieb. Seit dem 3. März aber kommen keine Patienten mehr, um sich beim Allgemeinmediziner untersuchen zu lassen und Rat zu holen. Der 71-Jährige hat nach 35-jähriger Praxistätigkeit, davon zuletzt fast 23 Jahre in Rischenau, aufgegeben. Eine Nachfolge gibt es nicht. "Wir bedauern das sehr", sagt Ortsbürgermeister Dieter Diekmeier, der zum Abschied mit einem Blumenstrauß und einer Flasche Wein gekommen ist. Eigentlich habe er bereits mit 63 aufhören wollen, verrät Dr. Pott seine frühere Lebensplanung. Seine Frau Ellen hat bis vor wenigen Jahren die Apotheke im Dorf geführt, sie dann inzwischen aufgegeben. Sie ist jetzt noch in Teilzeit tätig und gibt ihm, wie Bernhard Pott schmunzelnd erzählt, seit vier Jahren Arbeitsaufträge für freitags. Denn diesen Wochentag hat der Allgemeinmediziner damals zur Entlastung aus seinen Sprechstunden herausgenommen. "Mit 65 habe ich mich vom Notfalldienst befreien lassen", berichtet der gebürtige Nieheimer, der später in Münster Humanmedizin studierte. Seit drei Jahren besuchte er seine Patienten außer in Notfällen auch nicht mehr zuhause – sozusagen ein Ausstieg auf Raten. "Vor einem Jahr ist bei mir dann die Entscheidung gereift, mich gänzlich ins Privatleben zurückzuziehen", sagt er. Mündlich und schriftlich habe er das auch den Kollegen in Lügde und Schieder-Schwalenberg mitgeteilt. Die letzten Jahre waren es immer noch 35 Wochenstunden, die für seine rund 600 Patienten pro Quartal zur Verfügung stand. In der Hochzeit bis 2013 waren es mal weit über tausend Krankenscheine. Da versorgte der Rischenauer Arzt auch noch zusätzlich die Patienten von Dr. Preston, der 2008 seine Praxis in Elbrinxen aufgegeben hatte. Das sei eine logistische Herausforderung auch für seine beiden langjährigen Mitarbeiterinnen Raffaela Trompeter und Daniela Loke gewesen, aber man habe das gut bewältigt, blickt Dr. Pott mit beiden zufrieden zurück. Natürlich kommt dieser Abschied für ihn nicht überraschend, vielmehr hat er sich seit langem Gedanken über die ärztliche Versorgung hier auf dem Land gemacht. Frühzeitig hatte er sich mit Unterstützung der Kassenärztlichen Vereinigung um Nachfolger bemüht, hatte bis zu 800 Annoncen in den einschlägigen Blättern studiert. "Ich habe jede Chance genutzt, um einen Partner oder eine Partnerin ins Boot zu holen. Aber in all den Jahren haben sich vielleicht zwei Hände voll interessiert gezeigt. Direktes Interesse mit Besuchen und Gesprächen gab es nur ganz wenige", berichtet er, der liebend gern vor allem eine Ärztin als Nachfolgerin gehabt hätte, "weil sie eine besondere Bereicherung für die Versorgung der Bevölkerung wäre." Das sei auch daran gescheitert, weil es für die Partner hier in der Region keine passenden Stellen gegeben habe. Grundsätzlich sieht Dr. Pott die Rolle des Allgemeinmediziners zu gering geschätzt. "Dabei ist der Hausarzt die Schaltstelle", betont er. "Als Hausarzt kenne ich mich in den Familiengeschichten aus, weiß wo zum Beispiel bestimmte Erkrankungen schon in den Generationen zuvor vorgelegen haben. Ich weiß, wo die passenden Fachärzte sind, die mit ihrer Apparatemedizin meinen Patienten weiterhelfen können." Als positiv bewertet er, dass am Klinikum Minden als Dependance der Ruhr-Universität Bochum nun ein Lehrstuhl für Allgemeinmedizin eingerichtet worden ist. "Das ist ein erster Schritt in die richtige Richtung", meint er, weiß aber: "Die Resultate werden wir aufgrund der Studien- und Vorbereitungszeiten frühestens in elf Jahren erleben." Die Rischenauer Patienten müssen ab jetzt aber auf ihren Hausarzt Dr. Pott verzichten. Sein Kollege Rifat praktiziert weiterhin am Ort, aber auch der Blick in die Kernstadt verheißt mit allein drei weiteren Ärzten über 60 nicht viel Zukunftsträchtiges. "Sollten sie über kurz oder lang auch noch aufhören, dann haben wir den Versorgungsnotstand, wenn niemand Neues dazukommt", befürchtet der Ortsbürgermeister. Selbst die Einschaltung des Bürgermeisters und des Landtagsabgeordneten Jürgen Berghahn haben zu keiner Lösung geführt. Für seine beiden Mitarbeiterinnen wird es nach der endgültigen Schließung der Praxis zum Monatsende weitergehen. Raffaela Trompeter wird in einer anderen Arztpraxis tätig werden und Daniela Loke in ein Krankenhaus wechseln. Bis dahin wird die Praxis noch abgewickelt. Es müssen Verwaltungsaufgaben erledigt und bisher nicht abgeholte Befunde versendet werden. Das Mobiliar der Praxis übernimmt die Stadt Lügde für ihre Flüchtlingsunterkünfte. Und Dr. Pott selbst? "Ich werde mich um meine zwei Ponys und meine Modelleisenbahn kümmern", plant er.
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Geringes Interesse an der Landarzt-Nachfolge
Dr. Bernhard Pott aus Rischenau schließt zum Monatsende seine Praxis
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