Detmold/Kreis Lippe (pro). Im Kreishaus Detmold haben am 10. März verschiedene Vertreter aus Bildung, Wirtschaft und Politik zum Thema "Beschäftigungschancen junger Menschen im ländlichen Raum” diskutiert und Ideen zur Verbesserung der Ausbildungssituation eingebracht. Rainer Schmeltzer, Minister für Arbeit, Integration und Soziales in Nordrhein-Westfalen, war aus Düsseldorf angereist. Die europäische Ebene brachte der gebürtige Lemgoer Ingmar Jürgens, Senior Economic Advisor der Europäischen Kommission, in einer Budget-Präsentation des europäischen Sozialfonds ein. Auffällig dabei: Nach einem Höhepunkt in 2007 klafft seit Beginn der Finanzkrise in 2008 eine milliardenschwere Investitionslücke, die Maßnahmen ausbremst und die lokalen Möglichkeiten einschränkt. Relevant sei das Geld, das in den Kommunen ankäme, da diese Projekte nur zu fünfzig Prozent selbst stemmen. Landrat Dr. Axel Lehmann betonte dazu: "Nur wenn alle Seiten – von Europa bis zur Kommune – zusammenarbeiten und Maßnahmen ineinandergreifen, kann Verbesserung gelingen. Am Ende sind es die Kommunen, die Projekte wie seit 2011 "Kein Abschluss ohne Anschluss” ausführen”.
Walter Kern, Vorsitzender des Vereins "...An die Arbeit e.V.” und Mitglied des Landtags, berichtete seine Erfahrungen von der Berufsmesse "myjob OWL" in Bad Salzuflen: "Es ist erstaunlich, wie viele junge Abiturienten dort erscheinen und orientierungslos sind.” Michael Wennemann, Geschäftsführer der IHK Lippe-Detmold, sah hier die Lehrer in der Pflicht und gab zu bedenken, dass konsequente Berufsvorbereitung ab der 8. Klasse über 300 Ausbildungsberufe eröffnen könne. Minister Schmeltzer vertrat hingegen den Standpunkt, dass Jugendliche selbst in der Pflicht seien und klagte über Vorfälle in Schulen in Nordrhein-Westfalen, in denen Schülervertreter den Besuch von Unternehmen in ihrem Unterricht prinzipiell ablehnen würden: "Die Schüler dürfen sich nicht verweigern - wenn ein Unternehmen in der Schule erscheint, vertritt es seine Branche und wirbt nicht für sich selbst!" In dem Ziel, jungen Menschen in der Region einen reibungslosen Übergang von Schule in einen Beruf zu ermöglichen, zeigte man sich einstimmig einverstanden. Walter Kern bekräftigte "Beschäftigung ist Teilhabe an der Demokratie – wer nicht arbeitet, nimmt nicht teil." Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ohne abgeschlossene Berufsausbildung liege im Kreis Lippe derzeit bei 80 Prozent, wie Minister Schmeltzer hierzu eine eindrückliche Information ergänzte. Zur Situation der Jugendlichen äußerte sich Markus Rempe, Leiter des Stabsbereichs Bildung der Lippe Bildung EG. "Die Strukturen haben sich verändert, und auch die Welt der Schüler, ihr Kontakt zu Berufen. Jedoch dürfen wir nicht den Fehler machen, diese Veränderung negativ zu bewerten." Wie gut sich Berufsanfänger in einer dualen Ausbildung eingewöhnen, betonte Peter Gödde, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe, in der Diskussion durch die Tatsache, dass statistisch mehr Studiengänge als Ausbildungen abgebrochen würden.
