BAD REHBURG (jan). Mehr noch als der mit Federn geschmückte Gehrock, als die Vogel-Maske, als die gebeugte Haltung mit dem ruckartig nickenden Kopf, ist es das gelegentlich leise und verhalten ertönende "Krah", das die Wirkung des Raben lebendig macht. Marcus Veith ist dieser Rabe – für einen Abend in der "Romantik Bad Rehburg". Welche Figur aus dem Werk von Edgar Allan Poe hätte er auch sonst wählen sollen, um sie als Erzähler des Lebens dieses Dichters zu verwenden?
Verwoben hat der Schauspieler beides: Werk und Leben des Poeten und hat daraus ein Schauspiel gemacht, das er allein auf die Bühne brachte und diese Bühne dennoch mit vielen Figuren füllte. Wortgewaltig ist das gewesen. Was sicherlich ein Verdienst Poes ist. Andererseits aber auch der Verdienst von Veith – denn dieses Theaterstück stammt aus seiner Feder und wortgewaltig kann auch er sein. Alleine Veith zuzuschreiben ist indes die Inszenierung, das Spiel mit wenigen Requisiten, die jedes für sich umso eindrucksvoller sind, mit Auftritten und Abgängen, mit Verwandlungen auf der Bühne und mit beeindruckender Schauspielkunst – Verzweiflung kann er spielen, kann sich der Trauer hingeben, den Trunkenbold mimen, dem Wahnsinn nahe sein. Lediglich das einzige Wort, das der Rabe beherrscht, krächzt aus dem Off: "Nimmermehr!" Schaudern rufen die Erzählungen Poes hervor und das konnte auch das Publikum im Saal der "Romantik" spüren. Tragisch ist die Geschichte – und hat auch komödiantische Züge. Die Frage einer Besucherin an Marcus Veith, ob sie sich denn nach dem Stück jemanden suchen müsse, der sie zum Auto begleite, beantwortete dieser mit dem Angebot, das selbst zu tun. Das Angebot wurde ausgeschlagen – wer will schon mit Edgar Allan Poe und seinen dusteren Gestalten auf nächtlichen Wegen wandeln?Foto: jan
