MÜNCHEHAGEN (jan). Wie aufwändig das Schreiben einer Orts-Chronik ist, wie viele Unterlagen und Erzählungen noch vorhanden sind und auch, wie viele Lücken noch geschlossen werden müssen – davon hat die Sparte des Mönkehäger Dörpvereins, die solch eine Chronik zusammenstellt, mittlerweile ziemlich genaue Vorstellungen. Große Fortschritte hat sie gemacht, seit sie vor mehr als einem Jahr mit ihrer Arbeit begann, aber eben auch noch viel Arbeit vor sich.
Ein Zeitstrahl zieht sich über eine ganze Wand des Raumes, den die Chronik-Sparte im Haus von Ute Dahlke für seine Arbeit nutzen kann. Dass solch ein Zeitstrahl in Münchehagen bei den Dinosauriern anfängt, versteht sich von selbst – eine Geschichte, die sich über Millionen von Jahren hinzieht, soll also in der Chronik erzählt werden. Das ist sicherlich eine Herausforderung, der sich nicht allzu viele Chronisten stellen müssen. Die weit zurückliegende Geschichte ist momentan aber gar nicht das, was die kleine Gruppe in erster Linie umtreibt. Sie wollen sich derzeit vielmehr auf die jüngere Geschichte konzentrieren. Wie war das damals im Zweiten Weltkrieg in Münchehagen? Wie in den Jahren danach? Diejenigen, die für diese Zeit noch als Zeugen zur Verfügung stehen, zu interviewen ist ihr vorrangiges Anliegen. Mit Aufnahmegerät sind manche von ihnen unterwegs und sitzen bei älteren Münchehägern, um sich alles erzählen zu lassen, was diese wissen. Geradlinige Zeitabläufe und allgemeine Geschehnisse können das ebenso sein, wie auch kleine Anekdoten oder tragische Erzählungen. Erst wird alles gesammelt, später dann sortiert und dann entschieden, was tatsächlich in die Chronik kommen soll. Etliches haben die Chronisten schon in den Regalen und Schubkästen stehen und liegen. Carsten Schellig wühlt in Papieren, Wolfgang Deppermann erzählt von seinem jüngsten Interview, Annett Beitz hat den Teil der Geschichte Münchehagens mit Juden fertig gestellt und Ute Dahlke holt alte Filmaufnahmen hervor, die ihr Vater vor Jahrzehnten gemacht hat. Da stellt sich die Frage, wie diese Filme heutzutage noch abgespielt und womöglich digitalisiert werden können. Was Dahlke außerdem noch beigesteuert hat, sind alte Fotos. Eines zeigt ihre Großmutter in Arbeitskleidung. Vermutlich nach einem Tag, an dem sie viele Stunden auf den Beinen war, sitzt die alte Frau im Hof und hat ihre angeschwollenen Füße in eine Schale mit Wasser gestellt. Ruhe und Zufriedenheit strahlt das Bild aus und ist ein kleines, sehr lebendiges Zeugnis von dem Leben im Dorf Münchehagen. Solche und andere Fotos wünschten sie sich noch von vielen Münchehägern, sagt Spartenleiterin Christiane Kruse. Selbstverständlich würden alle Fotos umgehend zurückgegeben. Was aber noch vorhanden sei, wollten sie gerne digitalisieren und ihrer Sammlung hinzufügen. Wer Unterlagen zur Verfügung stellen oder der Chronik-Sparte erzählen möchte, kann sich bei Christiane Kruse unter der Nummer (0 50 37) 57 59 oder bei Wolfgang Deppermann unter (0 50 37) 14 49 melden. Oder den Briefkasten der Chronik-Sparte nutzen, der an der Tür zu ihrem Arbeitsraum, Hauptstraße 34 in Münchehagen, hängt. Auf viele weitere Zeugnisse der Münchehäger Geschichte freut sich die Sparte bereits.Foto: jan
