Oerlinghausen (kd). Saisonstart auf dem Flughafen Oerlinghausen: Allerdings waren die Maschinen, die am vergangenen Samstag in die Luft gingen, wesentlich kleiner als das Original. Bereits zum neunten Mal trafen sich hier 60 Modellbauer aus der gesamten Region zu einer beeindruckenden Flugshow.
Ganz langsam schiebt sich die rot-weiße McDonnell Douglas MD 11 auf die Startposition. Dann heulen die Triebwerke auf, die zahlreichen Zuschauer am Rand des Rollfeldes könnten glauben, das echte Großraum-Langstreckenflugzeug zu hören. Wie das Original benötigt auch der Nachbau im Maßstab 1:16 eine längere Strecke zur Beschleunigung, um dann allmählich abzuheben. In sanften Kurven kreist das Modell minutenlang über die Köpfe des Publikums hinweg. Als das Flugzeug so vorsichtig wie möglich wieder aufsetzt, wird spontan applaudiert. Norbert Hesse aus Rietberg ist zufrieden. Gemeinsam mit seinem Sohn Dennis hat er in den Wintermonaten die fast vier Meter lange die MD 11 gebaut. Nun konnte er das Ergebnis erstmals öffentlich vorstellen. Der Premiere sahen Vater und Sohn mit Spannung entgegen. Vor dem Start mussten sie noch viel einstellen, denn sie setzen ausschließlich auf Eigenkonstruktionen, nicht auf Bausätze. "Es gibt nur wenig vorgefertigte Teile, das meiste muss man aus Styropor schneiden und mit Balsaholz beplanken", erläuterte Norbert Hesse. Die MD 11 wird heute nicht mehr hergestellt. Allerdings hat sich Norbert Hesse die Originalpläne beschafft und viel Literatur studiert. "Einen so großen Airliner kann man gar nicht alleine zusammenbauen. Da braucht man schon eine dritte und vierte Hand", erläuterte der Modellflieger. Er freut sich, dass sein Sohn dieselbe Begeisterung für das Hobby entwickelt hat. Auch ihre weiße Concorde haben sie mitgebracht. Nach dem Absturz im Jahr 2000 ist das Original nicht mehr am Himmel zu sehen. In Oerlinghausen lebt die Geschichte der berühmten Flugzeuge noch einmal auf. Den Platz bezeichnete Norbert Hesse als ideal. "Hier haben wir tolle Bedingungen", sagte er. "Er ist vor allem groß genug, zu Hause in Rietberg können wir unsere Modell gar nicht ausprobieren." Seit seinem fünften Lebensjahr ist Gerhard Reinsch (60) aus Lübbecke bereits vom Modellbau fasziniert. Selber zu fliegen bereitet ihm nicht annähernd dasselbe Vergnügen. "Dann sehe ich die Welt von oben, beim Modellflug sehe ich das Flugzeug", sagte er. Denn ihm kommt es vor allem auf die Technik an. Daraus entwickelte sich sogar ein Berufswunsch. Gerhard Reinsch studierte Flugzeugbau und ist als Ingenieur tätig. Sein Hobby hat er beibehalten. Nach Oerlinghausen brachte er das Modell eines japanischen Sturzkampfbombers aus dem zweiten Weltkrieg mit – 67 Kilogramm schwer, 4,48 Meter Spannweite. Das Fluggerät benötigt eine offizielle Zulassung. Reinsch muss sie sich sogar jedes Jahr erneut bestätigen lassen. Um die Maschine so realistisch wie möglich zu präsentieren, flog Reinsch nur mit Halbgas und recht flach, ohne allzu waghalsige Manöver. Den Flugtag in Oerlinghausen hat er noch nie verpasst. "Es ist die erste Veranstaltung im Jahr und darum konkurrenzlos", sagte der Lübbecker. "Im Mai sind an jedem Wochenende immer mehrere Flugtage gleichzeitig." Über die gute Resonanz und das Flugwetter freute sich auch der Ausrichter Wolfgang Müller von der Modellbauabteilung des Segelflugvereins Oerlinghausen. "Im nächsten Jahr findet der Flugtag zum zehnten Mal statt. Dann lassen wir uns etwas Besonderes einfallen", kündigte er an.
