Detmold (ab). Die Stadtwerke Detmold möchten einen 24 Meter hohen Wärmespeicher mit 10 Metern Durchmesser am Kronenplatz errichten. Mit dem imposanten Bauwerk soll einerseits die Auslastung des Fernwärmenetzes verbessert werden, zum anderen soll es ein touristisches Ziel sein.
"Das ist nichts anderes als eine große Thermoskanne", sagte Diplom-Ingenieur Matthias Wallner, Leiter Wärmenetz bei den Stadtwerken. Heißes Wasser aus dem Fernwärmenetz würde hier zwischengespeichert, um es bei Bedarf abzurufen. Damit sollen die Phasen zwischen hoher und geringer Netzauslastung harmonisiert werden. Wenn es morgens noch bitterkalt ist, ist der Bedarf an Wärme entsprechend hoch. Kommt dann gegen Mittag die Sonne raus und es wird deutlich wärmer, geht auch der Bedarf stark zurück. Gerade aktuell erleben wir solche Tage. Auch an Wochenenden ist der Bedarf niedriger, weil Großverbraucher wie Betriebe und Unternehmen pausieren. Die Unterschiede seien sehr groß und die Spanne für die Netze damit problematisch, betont Wallner. Grundsätzlich könne man auf zweifache Weise reagieren: Entweder fährt man ein Kraftwerk herunter, wenn der Bedarf sinkt – dann müssen anschließend die Kessel in Gas- oder Holzkraftwerken wieder kräftiger befeuert werden, um Energie zu erzeugen – oder man speichert die überschüssige Energie. Das habe einerseits einen ökologischen Vorteil, denn der CO2-Ausstoß könne damit um bis zu 4.000 Tonnen pro Jahr gesenkt werden (zum Vergleich: Ein durchschnittliches Einfamilienhaus stoße jährlich etwa 3 Tonnen CO2 aus). Anderseits spart das auch Geld, 100.000 Euro jährlich, wie Stadtwerke-Geschäftsführer Christoph Hüls erklärte. Daher wolle man so schnell wie möglich bauen. Rund 1,5 Millionen Euro soll der Wärmespeicher kosten. Er würde aufgrund seines 3 Meter hohen Sockels rund 27 Meter Höhe erreichen. In ihm könne der jährliche Wärmebedarf von acht Einfamilienhäusern gespeichert werden, vier bis fünf Stunden dauert es, den Speicher komplett aufzufüllen. Prinzipiell lasse sich das maximal 110° Grad heiße Wasser aufgrund der starken Dämmung mehrere Tage nahezu verlustfrei speichern, sagte Wallner. Damit es wirtschaftlich bleibt, müsse der Turm in unmittelbarer Nähe zum Fernwärmenetz aufgebaut werden. Sprich: an der Trasse Wotanstraße/Wittekindstraße. Daher kam die Idee, im Zuge des Baus am Bahnhof (siehe Kasten) den Turm am Kronenplatz anzusiedeln. Wie dieses technische Bauwerk städtebaulich eingebunden werden kann, damit hat sich das "Urban Lab" der Hochschule OWL beschäftigt. Die Idee: Es bleibt nicht rein technisch! Über eine Treppe wird der Turm begehbar und soll von einer Aussichtsplattform einen guten Blick über Detmold bieten. So könnte der Speicher zum Leuchtturmprojekt für die Stadt werden. Und zwar buchstäblich: Denn der studentische Entwurf sieht außerdem vor, dem Turm ein "beleuchtetes Kleid" zu verpassen. Das könnte seine Farbe je nach Füllstand ändern, erläuterte Professor Oliver Hall. Das "Kleid", ein rötliches Metallgitter stellt auch den Bezug zur Umgebung des Bahnhofs her, etwa zur rötlichen Metallfassade der neuen Fahrradabstellanlage und den Elementen aus Cortenstahl am Bahnhofsgebäude. Direkt am Ausgang des Durchstichs, in der Sichtachse zur Thusneldastraße, könnte der Turm stehen, so der Vorschlag von Hall und seinen Studenten. Damit könne der Speicher zu einem Vorzeigeobjekt in der Stadt werden. Als Teil der Energiewende sollte man ihn auch nicht verstecken, meinte Hall. Die Vorschläge kamen bei den Mitgliedern der Ausschüsse für Tiefbau und Immobilienmanagement und für Stadtentwicklung allgemein gut an. Die Verwaltung wolle die Pläne nun näher ausarbeiten, erklärte Technischer Beigeordneter Thomas Lammering. So ist noch offen, ob der Turm links oder rechts stehen soll und ob man ihn tiefer in den Boden einlassen kann. Das würde die Baukosten drastisch erhöhen, sagte Hüls.
