Detmold (ck). Unter der Passionsgeschichte versteht man im Christentum den Leidensweg Jesu Christi, sein Leiden und Sterben samt der Kreuzigung durch die Römer in Jerusalem. Die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Detmolds macht es den Gläubigen nun schon zum fünften Mal möglich, in die Zeit vor rund 2.000 Jahren abzutauchen und im "Ostergarten" Jesu Weg mit allen Sinnen nachzuvollziehen. Viele der Gemeindemitglieder haben sich engagiert und haben ihre Kraft und Kreativität eingesetzt, um diesen beeindruckenden Rundgang in einem Diorama zu ermöglichen.
Christina Schalk und Manuela Diers-Schäfer begleiten die "Reisenden" in historischen Gewändern auf dem Rundgang. "Wenn sich der Vorhang öffnet, tauchen die Besucher in eine andere Welt ein, es wird eine Zeitreise 2.000 Jahre zurück", so Diers-Schäfer, die nicht die helfenden Hände im Hintergrund vergessen möchte. Los geht es mit dem Blick auf das alte Jerusalem. Bevor man durch das Stadttor tritt, bekommt jeder Besucher einen Stein ausgehändigt, den er bis zum Schluss der Führung in den Händen halten soll. Er soll die Ängste, Lasten, Nöte des Trägers symbolisieren, von denen er sich am Ende der Führung mit Ablage des Steins am Kreuz befreien kann. "Der Ostergarten arbeitet mit vielen Symbolen und macht damit vieles auch verständlicher", erklärt Schalk. Danach geht es die Stufen hinauf in den ersten Raum, wo die Teilnehmer das Passahfest feiern und ungesäuertes Brot und Bitterkräuter, die traditionell zum Passahmahl gehören kosten dürfen. "Wir nehmen dafür Chiroree, Salzwasser und Petersilie, die das entbehrungsreiche Leben darstellen", erklärt Christina Schalk. Ein Hörspiel liefert weitere Erklärungen und schildert die Szene: ein Fest mit Jesus und seinen Jüngern. Auch der bevorstehende Verrat des Judas wird angekündigt. Entsprechend düster sind die Szenarien der folgenden Räume. Wenn sich die Besuchergruppe wieder in Bewegung setzt, gelangt sie im nächsten Raum durchs "Kidrontal" in den "Garten Getsemani". Hier finden sich wieder zahlreiche Symbole, die mit viel Liebe zum Detail gestaltet wurden. So gibt es den Stein, an dem Jesus gebetet hat, eine römische Rüstung, die für die Truppe steht, die Jesus verhaftet. Um eine Kerze ist ein Drahtgeflecht errichtet. "Damit wird symbolisiert: Jesus sagt, ich bin das Licht der Welt, obwohl er gefangen ist", so Diers-Schäfer. Weitere Hörspielszenen und ein herrschaftlicher Thron mit römischer Standarte berichten von Pontius Pilatus’ Gewissenskampf und seiner Entscheidung, Jesus schließlich in den Tod zu schicken. Sehr eindrucksvoll sind die drei großen Kreuze auf der anderen Seite des Raumes; am mittleren ist eine Dornenkrone befestigt, oben prangt das Schild mit der Aufschrift "INRI", was übersetzt "Jesus von Nazareth, König der Juden" heißt. Vor dem Kreuz auf dem Boden liegen unter anderem römische Geißeln, mit denen Jesus gefoltert wurde. Zwei weitere Kreuze sind mit Spiegelglassplittern übersäht, so dass der Betrachter sich selbst erblickt: "Sie symbolisieren das Leiden der Welt", erklärt Schalk. Im Anschluss geht es durch die dunkle Grabkammer, wo nur das verwaiste Leichentuch leuchtet und der Geruch von jüdischem Salböl die Luft erfüllt. Geradezu befreiend ist das Eintreten in die grüne Oase des Gottesdienstraums. Grüne Pflanzen, Tageslicht, Vogelgezwitscher und die im kleinen Teich schwimmenden Fische sollen die Botschaft klar machen: Hier ist das Leben und Jesus ist auferstanden! Die Dreiviertelstunde der Führung vergeht wie im Flug, im Gottesdienstraum hat man Zeit, das Erlebte zu verarbeiten, sich auszutauschen oder zu beten. Sehenswert sind die Arbeiten der jüngsten Mitglieder aus dem Kindergottesdienst. Einige Setzkästen auf den Fensterbänken zeigen Szenen aus der Ostergeschichte. Ebenso haben sie einen Teppich mit Blumen auf den Boden gelegt, der mit den Worten des "Vater unser" versehen ist. "Jeder Besucher kann sich ein Kärtchen daraus nehmen und dann Anliegen und Wünsche in drei aufgestellten Körben ablegen. Wir werden sie im Hauskreis verteilen und für sie beten", erklärt Pfarrer Maik Berghaus. Bis jetzt sind fast 1.300 Besucher angemeldet. "Wir erwarten an die 2.500 Personen, das ist der Durchschnitt der letzten Jahre", erklärt der Pfarrer. Der Ostergarten befindet sich im Gemeindehaus der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde in der Siegfriedstraße 71 in Detmold. Die Schirmherrschaft hat der Bürgermeister Rainer Heller. Geöffnet ist er bis zum 28. März donnerstags bis samstags von 16 bis 19 Uhr, sowie sonn- und feiertags von 15 bis 19 Uhr. Anmeldungen außerhalb der Führungen können unter (05231) 944990 abgesprochen werden.
