1. Zwei Nordlichter malträtieren die Lachmuskeln der Zuschauer

    Kabarett-Gäste des Augustdorfer Kulturkreises überzeugen

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    Augustdorf (ck). "Und sonst?" Totenstille. Erst nach etlichen Sekunden die Antwort: "Och…" Trockensten nordischen Humor par excellence haben Kabarett-Fans in der vergangenen Woche in Augustdorf erlebt. Mit dem Programm "Och... Zwei Nordlichter sprechen sich aus" malträtierten die bekennenden Nordlichter Detlef Wutschick alias Werner Momsen und Matthias Brodowy die Lachmuskeln der Zuschauer in der Realschule. Geladen hatte der Augustdorfer Kulturkreis, der sich freute, die vor Ort bestens bekannten Kabarettisten erneut in der Sennegemeinde begrüßen zu dürfen. Streng genommen stehen Matthias Brodowy und "Klappmaulkomiker" Werner Momsen nicht zu zweit, sondern zu dritt auf der Bühne: Doch Wutschick verleiht seiner lebensgroßen Klappmaulfigur Momsen durch Gestik, Mimik und unglaublichen Charme so viel Lebendigkeit und Seele, dass man den ganz in schwarz gekleideten Mann dahinter ganz schnell vergisst. Im stilechten Ambiente mit Friesennerz und Hafenpollern nahmen sie das Publikum mit auf eine Reise in den Norden. Doch wo beginnt der eigentlich, so rein geographisch? Werner Momsen weiß: "Das ist eine Frage des Standpunktes. Von Marokko aus gesehen liegt Bayern im Norden." Norden sei da, wo sich jeder Kompass sich zu Hause fühle. Von Norden aus wurde England besiedelt, die Wikinger kamen ins Land und Störtebeker verlor nicht nur seinen Kopf. Und was braucht es, um ein Norddeutscher zu sein?, will der Hannoveraner Brodowy wissen. "Norddeutscher bist Du, wenn du dich als Norddeutscher fühlst", erklärt Momsen. Dieses Gefühl "fängt im Bauch an und puckert so durch den Körper." Berge machen einem Norddeutschen Angst, denn dann wisse man ja nicht, wer morgen zu Besuch kommt.

    Das Publikum spendet Applaus und hält sich die Bäuche. Aber darauf nehmen die beiden keine Rücksicht. Direkt geht es mit norddeutscher Gemütlichkeit weiter. Norden ist auch da, wo die Sprache entschleunigt ist. Ein "Und sonst – och…" kann da schon mal eine vierstündige Rede ersetzen. Plattdeutsch sei eine beseelte Sprache, ein "Schiet" sei nicht so schlimm wie ein "Scheiße". Und wenn es auf das Lebensende zugeht, da heißt es auf Platt: "Er ist totgeblieben." Er lebt also noch ein bisschen. "Die Weltwirtschaftskrise wäre auf Plattdeutsch nicht passiert", resümiert Momsen, den auf Platt nehme man alles so, wie es kommt. "Plattdeutsch, das ist das Universum, eine Lebenseinstellung, eine Haltung." Literarisch und musikalisch geht es weiter mit "Ja ich bin dafür, aber nicht vor meiner Tür". Brodowy spielt am Klavier und singt über aktuelle Themen: Stromtrasse zum Haus, aber nicht vor der eigenen Tür. Flüchtlinge im Land, aber nicht vor der eigenen Tür. "Jetzt haben wir die Stimmung aber gut in den Keller gesungen", verkündet Momsen und bringt es auf den Punkt: "Ja, Spontanität will gut überlegt sein." Das Augustdorfer Publikum musste dagegen am Ende der Show nicht lang überlegen: Es krönte diesen ein wenig melancholischen, ein bisschen musikalischen und durchweg humorvollen Abend mit verdientem Applaus.

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