1. "Wir machen auf jeden Fall weiter"

    MGV "Eintracht" Rischenau lässt sich nicht unterkriegen

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    Rischenau (afk). An den Wänden des Übungsraums im Dorfgemeinschaftshaus hängen die Erinnerungsfotos aus goldenen Zeiten, als der MGV "Eintracht" noch eine stimmliche Macht war. Alle elf Aktiven, die sich jetzt noch um den Tisch zur Jahreshauptversammlung treffen, gehörten auch schon dazu, als man zahlenmäßig und vierstimmig eindrucksvoll auftrat und musikalische Akzente setzte. Heute besetzt der Männerchor nur noch zwei Stimmlagen und hat dennoch viel Spaß am Singen. "Wir machen weiter, solange es geht", ist mehrfach an diesem Abend fast schon trotzig zu hören, als die um zwei passive Mitglieder verstärkte Runde um den Vorsitzenden Willi Müller ihre Regularien abarbeitet.

    Immerhin: Selbst in dieser kleinen Besetzung legte die "Eintracht" im vergangenen Jahr noch elf öffentliche Konzertauftritte hin, häufig unterstützt durch Musikfreunde aus Heiligenkirchen, die ähnliche Probleme wie die Rischenauer haben. Gemeinsam aber kann man seiner Liebe zum Chorgesang noch frönen. Trotz der altersbedingten Malessen treffen sich die Sänger regelmäßig in fast kompletter Zahl unter der musikalischen Leitung von Alfred Schildmann zu den Übungsabenden, darunter auch die beiden Ältesten Willi Gnade und Gustav Meyer mit ihren 91 Jahren. Sie gehören dazu und sind froh und stolz dabei zu sein. Gustav Meyer wird an diesem Abend zum Ehrenmitglied ernannt. Einen Chorleiter leistet sich der MGV nicht mehr – das gibt die Vereinskasse nicht mehr her. Aus dem Lippischen Sängerbund sind die Rischenauer auch ausgetreten, letztlich ebenfalls aus finanziellen Erwägungen. Zur Sängergruppe Köterberg aber hält man die Treue und der Gesangverein wird auch beim Traditionskonzert "Lügde singt", das der NRW Meisterchor "Canto allegro" in diesem Jahr am 11. März im Klostersaal ausrichtet, wieder auf der Bühne stehen. Seit vielen Jahren erhoffen sich die "Eintrachtler" Zuwachs – bisher allerdings vergebens. "Etwas mehr Volumen muss her", fordert Alfred Schildmann, wohlwissend, dass der Chor mit seiner meist Volkslieder-Literatur bei Jüngeren kaum mehr landen kann. "Da müssten wir schon mal was Englisches singen", vermutet Willi Müller und weiß, dass das mit seinen Aktiven kaum mehr möglich sein würde. Bei Konzerten sind die Rischenauer aber durchaus gern gesehen und bringen unterstützt von den Freunden der Steierischen Harmonika auch Stimmung, so beim Sängergruppenfest in Elbrinxen, beim Parkfest am Burgberg oder bei der 1.000-Jahrfeier in Heilgenkirchen. Beim Gemeindefest in Elbrinxen war die "Eintracht" ebenso vertreten wie auf der Weihnachtsfeier des DRK Rischenau und im Paulinenstift in Detmold und zum 63. Mal in ununterbrochener Reihenfolge bei der musikalischen Gestaltung des Gottesdienstes in der Falkenhagener Kirche am 1. Weihnachtsfeiertag. Dieses Programm will die "Eintracht" wohl auch 2016 wieder angehen und hofft darauf, dass die Sangesbrüder weiterhin zur Verfügung stehen. Manchmal hilft auch Sarkasmus, um sich Mut zu machen. "Totgesagte leben länger", lacht Alfred Schildmann mit Blick auf den Chor, der eigentlich nur noch das 150-jährige Bestehen feiern wollte. Aber das liegt jetzt auch schon wieder zwei Jahre zurück, und die "Eintrachtler" singen immer noch mit Freude weiter.

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