Lemgo. Rund 1.700 Menschen, Schüler, das Kollegium und alle weiteren Mitarbeiter mussten einzeln angesprochen und überzeugt werden, ihre Unterschrift für die gute Sache zu geben – eine wochenlange Arbeit, die am Ende belohnt wurde: Das Hanse-Berufskolleg ist Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage.
"Wir haben es geschafft – sie haben es geschafft", mit diesen Worten zeigte Schulleiterin Susanne Tietje-Groß ihre Freude einerseits über die Anerkennung des Berufskollegs als Schule ohne Rassismus und andererseits über die gelungene Zusammenarbeit mit der Schülervertretung (SV). Sie dankte explizit der SV und den SV-Lehrern für ihr Engagement. "Nordrhein-Westfalen hat von Zuwanderung profitiert, ohne wäre das Land nie so stark geworden, wie es ist", betonte der Schulpate, Staatssekretär für Integration Thorsten Klute, in seinem Kurzreferat die Bedeutung von gelungener Integration. Er dankte der Schule für das Engagement im Bereich des friedlichen Zusammenlebens vieler Kulturen und stellte fest, dass das Hanse-Berufskolleg sich mit der Plakette zum Projekt nicht nur schmücken wolle, "sondern sie arbeiten auch damit". Klute hob die Eingliederung der Schüler der internationalen Flüchtlingsklassen ebenso hervor wir das Engagement in der Organisation "noch bevor sie überhaupt die Anerkennung bekommen haben." Die Veranstaltung umfasste neben der offiziellen Urkundenübergabe auch inhaltliche Arbeit zum Thema Rassismus. Unter den Titeln "Das Leben der Flüchtlinge", " alltäglicher Rassismus", "Benachteiligungen im Bewerbungsverfahren" und der Frage "was bedeutet Integration" arbeiteten die Klassensprecherteams aller Klassen in vier Gruppen Fragen Ideen und Statements heraus, die dann mit dem Staatssekretär, mit Armin Schauf und Iris Pleitner als Vertreter des kommunalen Integrationsbüros und dem Leiter der Bundesagentur für Arbeit in Detmold, Heinz Thiele, gemeinsam diskutiert wurden. Dabei stellte sich heraus, dass trotz aller Nachteile, wie eine fehlende Lernumgebung im Heim, den Sprachproblemen und fehlenden Kontakten viele Gemeinsamkeiten zwischen den Schülergruppen herrschen, wie es Jette Cuypers mit "Wir sind näher an den Flüchtlingen, als wir denken", auf den Punkt brachte. Da die Auszeichnung, wie Klute heraushob, eben auch Aufforderung ist, " da steht auch Schule mit Courage", zeige das auch einen Weg um dem alltäglichen Rassismus zu begegnen. "Wenn unser Klassenkamerad nicht mit in die Disco hinein darf, dann meiden wir eben alle diesen Club", so der Staatssekretär. Bei all den Problemen, wie den Benachteiligungen von Schülern mit Migrationshintergrund im Bewerbungsverfahren, die SV-Lehrer Ernst-Hermann Finkemeier anprangerte, wurden aber auch die Beispiele gelungener Integration und Zusammenarbeit von Schauf und Thiele verdeutlicht. Neben den vielen inhaltlichen Aspekten der Integration machte der Staatssekretär zum Ende der Diskussion auf einen weiteren Vorteil aufmerksam, "Integration ist immer billiger als Nichtintegration."
