1. Die Bürger wollen mitreden

    In Oerlinghausen regt sich massiver Widerstand gegen den Lebensmittelmarkt

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    Oerlinghausen (kd). "Konkurrenz belebt das Geschäft"– nicht immer. Zahlreiche Oerlinghauser Bürger betrachten den geplanten Lebensmittelmarkt in der Südstadt sehr kritisch. Wie mehrere Gutachter befürchten sie einen massiven Verdrängungswettbewerb. Am Dienstag, 1. März, werden sie zahlreiche Listen mit Unterschriften gegen das Projekt an Bürgermeister Dirk Becker übergeben. "Seit zehn Jahren ist das Thema strittig, auf dem ehemaligen Höhne-Gelände an der Holter Straße einen Rewe-Markt anzusiedeln", sagte der Oerlinghauser Dirk Briskorn. Der Unternehmensberater verwies auf Stellungnahmen der Industrie- und Handelskammer, des Einzelhandelsverbands Ostwestfalen-Lippe und anderer Gutachten, die einen Kaufkraftabfluss aus der Kernstadt vorhersagen. "Dabei haben die Gutachter noch gar nicht die Auswirkungen auf die kleinen, inhabergeführten Läden untersucht", sagte er. "Wenn die Politiker das alles nicht wahrnehmen, haben sie ihre Aufgabe verfehlt." Briskorn ist Mitbegründer der Initiative "Pro Kernstadt". Ihr Ziel ist es, einen weiteren Lebensmittelmarkt zu verhindern. Denn das angestrebte Ziel, das Abwandern der Kunden aus Oerlinghausen zu stoppen, werde auch mit dem Rewe-Markt nicht erreicht. "Fast die gesamte Oerlinghauser Geschäftswelt sieht das genauso", stellte Briskorn fest. In kurzer Zeit erhielt er 44 Unterschriften von Gewerbetreibenden unter einen offenen Brief. Darin fordern sie den Bürgermeister auf, den Bebauungsplan zu stoppen. Denn der Bauausschuss hat sich im Dezember für den Rewe-Markt ausgesprochen. In einem Einwohnerantrag lehnen Martina Lange, Suzan und Jörg Gronemeier ebenfalls einen vierten Lebensmittelmarkt in der Südstadt ab. Bereits jetzt gebe es hier eine Überversorgung. Um die Politik zu einem Umlenken zu bewegen, müssen fünf Prozent der Bürger den Antrag unterstützen. "Wir haben schon fast doppelt so viele Unterschriften", berichtete Suzan Gronemeier. "In allen Stadtteilen und in allen Altersgruppen gab es eine starke Zustimmung. Die Frage bewegt offenbar viele Menschen und ihre Vorstellung, wie sie in Zukunft in Oerlinghausen leben werden." Die Initiatoren berufen sich zum Beispiel auf ein Gutachten der Firma BBE aus Münster. Darin heißt es, "Leidtragende wären dann gerade der Kernbereich von Oerlinghausen als auch Lipperreihe". Auch die CIMA Beratung + Management GmbH in München erwartet einen Umsatzverlust bei den vorhandenen Läden. Am stärksten wäre der LiLi-Markt betroffen, der erst kürzlich als Bürgerladen mit ehrenamtlicher Unterstützung eröffnet wurde. "Wir sind nicht einseitig politisch festgelegt, wir wollen nur das Beste für die Stadt", erklärte Martina Lange. "Denn eines steht fest: Der Rewe-Markt hätte Auswirkungen auf alle Gewerbetreibenden und auf alle Stadtteile." Am kommenden Dienstag sollen die Unterschriftenlisten um 14.45 Uhr auf dem Rathausplatz übergeben werden. Es haben sich bereits zahlreiche Unterstützer dazu angesagt. "Wir wollen den Bürgermeister beim Wort nehmen, der auf eine Beteiligung der Bürger setzen will", sagte Suzan Gronemeier. Obwohl sich das Vorhaben bereits in der Bauleitplanung befindet, sieht Dirk Briskorn gute Chancen, den Markt noch abzuwenden. "So eine Ablehnung hat es in dieser massiven Form in Oerlinghausen noch nicht gegeben", meinte er.

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