Bad Salzuflen-Retzen (dib). Auch mit ihrem diesjährigen Stück hat die Retzer Bühne am vergangenen Wochenende das Publikum auf dem Rickmeyer-Saal begeistert und unter der seit zwölf Jahren bewährten Regie von Susanne Habenicht die Komödie in zwei Akten "In geheimer Mission" von Michael Parker - deutsch von Heinz Marecek - auf die Bühne gebracht.
Auch diesmal wieder kein komisches Bauerntheater mit viel Klamauk, sondern ein überaus modernes Stück, das der Zeit angepaßt ist und in dem es nicht nur um Liebe, sondern auch um viele Verwirrungen mit totalem Chaos geht, das sich zum Schluß dennoch entwirrt. Eine Komödie mit viel Action und Spannung, aber auch mit zündenden Pointen, die die Lachmuskeln der Zuschauer von Anfang an ganz schön strapaziert haben. Im Haus des amerikanischen Botschafters in London steht das Wochenende bevor. Weil Elaine Douglas (Manuela Karsch), Ehefrau des Botschafters, angeblich auf eine Schönheitsfarm fährt, will seine Exzellenz Botschafter Harry Douglas (Mathias Weber) zum Golfen nach Schottland fahren - ebenfalls nur angeblich, und Tochter Debbie (Vanessa Peter) will eine Freundin besuchen. Weil jedoch jeder von ihnen denkt, die anderen sind nicht zu Hause, träumt jeder von einem sturmfreien Wochenende und von erotischen Liebesabenteuern. Sie verpflichten Butler Perkins zur Diskretion, die dieser jedem sehr wortreich versichert. Debbie kommt mit ihrem neuen Freund Joe (Miguel Krysmann) zurück ins Haus, und der Botschafter trifft sich mit seiner Geliebten Marion Murdoch (Sabine Weber), ohne daß sie sich zunächst im Haus begegnen. Diese schenkt ihm ein Tarzankostüm, das sie ihm bei den Liebesspielen ausziehen möchte und präsentiert sich ihrem Geliebten im sexy Outfit eines französischen Dienstmädchens, damit dieser ebenfalls etwas zum Ausziehen hat. Doch es kommt alles ganz anders, als erhofft… In der Londoner Botschaft gibt es eine Bombendrohung. Der überaus dienstbeflissene und leicht durchgeknallte Chef des Sicherheitsdienstes Captain South (Heiko Welsche) verlegt die Botschaft deshalb in das Haus des Botschafters und riegelt es hermetisch ab. Niemand darf rein oder raus. Mit der ungeschickten und leicht schusseligen Sekretärin Faye Baker (Nina Josephs), die mit in das Haus des Botschafters umzieht, beginnt dann das Chaos. Erst wirft sie eine Freiheitsstatue um, die zerbricht. Die will sie mit Sekundenkleber zusammenfügen und kleckert den Klebstoff auf Butler Perkins Hand, der damit an ihrem Rock kleben bleibt. Also muß der Rock ausgezogen werden, dann macht sie dem Butler auch noch schöne Augen. Und weil Botschafter Douglas seiner Tochter im Haus begegnet, wird Debbies Freund Joe zu Josephine umgestylt. Da wittert der Botschafter doch sofort ein neues Liebesabenteuer. In all dem Durcheinander hat es Sicherheitsoffizier South schwer, seinen Plan "M" umzusetzen. Erst bekommt er eine Tür vor den Kopf geknallt, später stolpert er über einen auf dem Boden liegenden Laptop und ist jedesmal für eine Weile kampfunfähig. Nur Botschaftergattin Elaine scheint von den Ereignissen nichts mitzubekommen. Sie kehrt erst ins Haus zurück, als der Bombenalarm aufgehoben ist und kommt hinter die amourösen Abenteuer ihrer Tochter und ihres Mannes. Doch es gibt ein happy End, wenn auch anders als gedacht. Der Botschafter rennt zu seiner Geliebten, die Tochter bekommt ihren Freund Joe und Butler Perkins Sekretärin Faye. Und wen bekommt Elaine? Die sorgt am Ende für eine Riesenüberraschung, mit der keiner gerechnet hat... Insgesamt bot das gesamte Ensemble eine großartige schauspielerische Leistung, die das begeistert mitgehende Publikum im voll besetzten Rickmeyer-Saal mit sehr viel Beifall, auch zwischendurch auf offener Spielszene, belohnt hat. Absolut überzeugend in ihren Rollen waren Vanessa Peter als Tochter Debbie und Nina Josephs als Sekretärin Faye, die beide zum ersten Mal in Retzen auf der Bühne standen. Besonders großartig waren Sekretärin Fayes exzellente Mimik und tolle Gestik, welche ein großes Lob und sehr viel Anerkennung verdienen. Sie war der Star auf der Bühne und hatte die Handlung voll im Griff - auch wenn es manchmal nicht so aussah. Ebenso ein großes Lob verdient Andreas Landau, der nicht nur die meisten Texte zu sprechen, sondern auch die schwierigste Rolle zu spielen hatte. Und auch Sabine Weber wußte sich als Geliebte des Botschafters gekonnt in Szene zu setzen und hat die Rolle der Geliebten überzeugend gespielt. Die Vorstellungen bei Rickmeyer sind restlos ausverkauft. Für die Vorstellungen im Kur- und Stadttheater am Freitag, 8., Sonnabend, 9. und Sonntag 10. April gibt es aber noch Karten. Wer das geheime Missionsdurcheinander im Haus des Botschafters noch erleben möchte, sollte sich jedoch beeilen. Es lohnt sich!
