1. Kabarett und Literatur

    Malmsheimer liest "Der König auf Camelot"

    Dieser Eintrag wird bereitgestellt durch Schaumburger Wochenblatt | Impressum

    Detmold (js). "Lesungen sind doch eigentlich grausam" beginnt der Kabarettist Jochen Malmsheimer den Leseabend im voll besetzten Sommertheater nachdem er, um etwas romantischere Stimmung zu schaffen, eine Kerze angezündet hat, um schon gleich im nächsten Moment das Buch von T. H. White aufzuschlagen und aus dem "König auf Camelot" zu lesen. Natürlich wusste jeder der Besucher, dass dies keine normale Lesung werden würde, nicht mit einem Jochen Malmsheimer, der für seinen besonderen, zumeist derben und schroffen Humor bekannt ist. Mit Begeisterung erzählt nun Malmsheimer die Geschichte des jungen Wart (die Warze) dem späteren König Arthur, dies natürlich nicht ohne die Dinge aus seiner Sicht zu kommentieren.

    Wart wächst bei Sir Ector und dessen Sohn Kay auf. Arthur ist ein wissbegieriger Junge, der wie jeder in seinem Alter und zu seiner Zeit, dem Mittelalter, davon träumt ein großer Ritter zu werden. Eines Tages bricht der Habicht Cully aus und Arthur nimmt die Verfolgung auf. Dabei verirrt er sich im Wald, wo er nach kurzer Zeit auf König Pellinor trifft, den er zunächst für einen Geist hält. Schön, wie Malmsheimer diesen König, der eine dicke Hornbrille trägt und dessen Visier einfach immer wieder zuklappt, mit seiner Stimme und Gestik einen ganz eigenen Charakter verschafft. Pellinor ist auf der Jagd nach dem Biest "Glatisant" und als es dann plötzlich auftaucht ist er auch schnell wieder verschwunden. Kurz darauf trifft Arthur auf den alten Zauberer Merlin und seine sprechende Eule Archimedes, der Malmsheimer mit seiner Lautmalerei eine sehr amüsante Stimme verleiht. Merlin erklärt sich bereit Arthurs Lehrer zu werden. Zurück bei Sir Ector begibt sich Wart also in Merlins "Auswilderungsjahre", wie Malmsheimer sie so schön nennt, denn von nun an wird der junge Arthur in die verschiedenen Tiere verwandelt, um sie besser verstehen zu können. In der zweiten Hälfte des Abends, die laut Malmsheimer rein mathematisch keine Hälfte ist, da kürzer, erreicht die Geschichte um Arthur ihren Höhepunkt. Zunächst erlebt Wart seinen ersten Ritterkampf, den Jochen Malmsheimer mit seiner Wort- und Stimmgewandtheit sehr ausführlich und urkomisch wiedergibt. Am Ende findet der junge Wart dann das berüchtigte Schwert "Excalibur", das er ohne Mühe aus dem Stein herausziehen kann. Arthur ist, wie wir aus der Sage wissen, nun der neue König. Nein, historisch ist sie nicht, diese Gestalt des König Arthur. Und gerade das macht ja den Reiz aus, dass die nüchternen Fakten um diese Figur nach Belieben ausgeschmückt werden dürfen, wobei der überschäumenden Phantasie keine Grenzen gesetzt sind. Und dass diese pseudogeschichtliche Biographie alles andere ist als eine trockene Aneinanderreihung von Lebensstationen, durften die begeisterten Zuschauer an diesem Abend erleben. Jochen Malmsheimer schafft es mit viel Humor, seinen eigenen Interpretationen und natürlich seiner Stimme, mit denen er den Figuren einen ganz eigenen Charakter verleiht, auch trockenen, eher langweiligen Geschichtsstoff spannend und unterhaltsam zu machen. Lesungen sind also doch nicht immer grausam!

  2. Kommentare

    Bitte melden Sie sich an