WUNSTORF (mk). Die IG Metall hatte in der vergangenen Woche alle Mitglieder zu einer offenen Mitgliederversammlung eingeladen, um über das weitere Vorgehen im Rahmen der Tarifverhandlungen bei Syncreon zu diskutieren. In deren Vorfeld hatte das Unternehmen laut Thorsten Gröger, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Nienburg-Stadthagen, ein "leicht modifiziertes Angebot" vorgelegt, das "sehr weit weg von dem ist, was wir als Kompromiss für 2016 angesehen haben." Am vergangenen Donnerstag hatte die IG Metall der Werkleitung deutlich gemacht, dass dieses Angebot nicht ausreiche. Laut Gröger sei das Gespräch dann durch diese abgebrochen worden, da sie keinen weiteren Bedarf für Verhandlungen gesehen habe. Nachdem somit auch die siebte Verhandlungsrunde gescheitert war, rief die IG Metall am gestrigen Freitag zu einem Warnstreik auf. Vor dem Betriebsgelände versammelte sich fast die komplette Schicht, so dass die Arbeit im Werk ruhte. Die Leiharbeiter waren von der Werkleitung nach Hause geschickt worden. Im Rahmen einer kleinen Kundgebung machte Gröger deutlich, dass die Unternehmensleitung die Ängste der Belegschaft schüre und diese stark unter Druck setze. So hatte die Werkleitung in einem Aushang unter anderem behauptet, dass nur Mitglieder der IG Metall streiken dürfen. Das ist falsch, das Recht auf Streik ist sogar, wenn auch indirekt, im Grundgesetz verankert. Dieses Verhalten "hat die Grenze der Unanständigkeit längst überschritten", machte Gröger deutlich. Mit dem Warnstreik würde die Belegschaft auch ein Signal für einen würdigen Umgang mit den Arbeitnehmern sowie deren Vertretern setzen. Die Forderung der Belegschaft sei nicht überzogen. Wer Vollzeit arbeite könne einen entsprechenden Lohn verlangen. Bislang müssten die Mitarbeiter ihren Verdienst mit "Hartz IV" aufbessern, das könne nicht sein. Die IG Metall sei angesichts der schwebenden Vertragsverhandlungen mit dem Kunden "Audi" bereit gewesen, für das Jahr 2016 eine Zwischenlösung zu akzeptieren, aber "euer Arbeitgeber bewegt sich wie eine Schnecke im Rückwärtsgang." Der Vorschlag, das Entgelt der Staplerfahrer als Orientierung zu nehmen, 12 Euro die Stunde, und alle Löhne, die darüber beziehungsweise darunter, liegen prozentual anzupassen, sei auf Ablehnung gestoßen. Das Gegenangebot von einer Erhöhung des aktuellen Entgeltes um 4,5 Prozent ab dem 1. April sei nicht akzeptabel - der aktuelle Lohn liegt bei 9,58 Euro. Schon andere Unternehmen hätten sich auf die 12 Euro geeinigt, "wenn andere das können, warum kann Syncreon es nicht", so Gröger. Und auch an einem Schwesterstandort sei aktuell ein Tarifvertrag mit der IG Metall unterzeichnet worden, der über 13 Euro als unterstes Entgelt vorsieht und hier in Wunstorf sei das Unternehmen zu keinem Kompromiss bereit. Ruben Trautmann, Mitglied der Verhandlungskommission, forderte die Anwesenden auf, gemeinsam "für sozial gerechte Arbeitsbedingungen zu kämpfen." Trotz der Versuche, die Belegschaft einzuschüchtern, rief er dazu auf, weiterzumachen: "Für eine bessere Zukunft mit Tarifvertrag." Foto: mk
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Wie eine Schnecke im Rückwärtsgang
Warnstreik der Syncreon-Mitarbeiter legt Werk lahm / Enttäuschung über Verhalten der Arbeitgeberseite
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