Lügde (afk). "Keine Frau daheim" interpretierte Moderatorin Andrea Loke die Abkürzung für die katholische Frauengemeinschaft "KFD", die wie in jedem Jahr gleich an zwei Tagen hintereinander zu Karnevalssitzungen ausschließlich die Damenwelt in den altehrwürdigen Klostersaal in Lügde eingeladen hatte. "Multi Kulti" hatte frau sich als Motto für diese Session auserwählt und feierte zusammen mit rund 300 Frauen närrisch ausgelassen, farbenfroh und unbeschwert an beiden Tagen viele Stunden lang.
Es ist unbestritten: der Karneval in Lügde ist vor allem Frauensache. Die Theatergruppe der Kfd war wieder in den letzten Monaten wieder äußerst kreativ gewesen, um den beiden Veranstaltungen um Weiberfastnacht auch in diesem Jahr einen attraktiven Rahmen zu geben. Kurze Sketche und Büttenreden und natürlich die Tanzeinlagen der Theatergruppe sowie der Mini "Funky Maries" bildeten dann ein höchst unterhaltsames, kurzweiliges Programm mit insgesamt zwölf Aufführungen. Das Publikum tat schon vorher sein Übriges hinzu: Der Phantasie waren wieder Tür und Tor geöffnet, denn keine Besucherin kam unkostümiert! Viele hatten sich aus dem Kleiderschrank querbeet individuell bedient, andere kamen in Mottogruppen. Selbst die gehörnten Teufelinchen und auch die Punks hatten keine Probleme zum Klostersaal Zutritt zu bekommen. Für die vielen weißgekleideten Engel war es dann schon eher ein Heimspiel an kirchlicher Stätte. Aber auch Figuren aus Märchen oder Fantasie-Geschichten waren zu sehen. In diesem von Lichtorgeln unterstützten Farbenspiel der schrillen Kostüme fiel dann Helga Rottmann aus Bad Pyrmont regelrecht auf. Sie hatte sich als einfache Oma verkleidet – eine Superidee! Top aktuell war der Einstieg in die Feiern, als Irene Scholz, Irene Hönerbach, Freya Wennemann, Annegret und Stefanie Blome, Silke Lödige, Marion Standarre, Elisabeth Lang, Monika Schlüter, Andrea Loke, Anette Drescher, Tina Kliche, Manuela Mundhenk, Helga Herter und Miriam Kantzoglou in typische folkloristische Kleidung unterschiedlichster Länder der Welt gehüllt "Multi Kulti" unter Lügder Aspekten buchstabierten und interpretierten. So stellten sie beispielsweise unter "I" fest, dass die Integration in Lügde funktioniere. Ein bemerkenswerter und viel umjubelter Einstieg in eine Veranstaltung, in der die ernste Politik und auch das Lokale ansonsten außen vor blieben. Vielmehr befassten sich die Damen in ihren Beiträgen mit Allgemeinem, so zum Beispiel mit den Verständnisproblemen, die ein Laie (Silke Lödige) im Dialog mit dem Fachverkäufer (Freya Wennemann) im Baumarkt haben kann. Marion Standarre lieferte den Beweis, dass, wenn zwei miteinander reden, sie längst nicht dasselbe verstehen. Keiner hat je Szenen eines Alltags so treffend karikiert wie Loriot. Eine seiner bekannten Szenen, in der ein Ehepaar vor dem Fernseher wegen eines Programmausfalls in Rage gerät, spielten Pastor Marc Stücker gemeinsam mit der Gemeindereferentin Claudia Henke im Schlabberlook treffend. Ein Höhepunkt zweifelsohne eine Szene ohne Worte, in der die Vorstellungen den Reiz ausmachten: Mehrere Schützen treffen sich im Männerklo beim Schützenfest, um sich des genossenen Bieres zu entledigen. Wie man dabei noch mit seinem Holzgewehr, Handy und Zigarette umgehen kann, sich gleichzeitig erleichtert und dann seine Kleidung wieder richtet – es war ein Meisterstück der Mimik und Gestik, das die Damen hier vorführten ohne schlüpfrig zu werden! "Wollen wir sie reinlassen?"- diese Frage von Moderatorin Andrea Loke war eigentlich überflüssig, denn darauf wartete der Saal längst: die "Rohrflöten" sollten kommen, jene acht Kfd-Aktivistinnen, die sich unter der Leitung von Cordula Tillmanns seit Wochen mit Ballett beschäftigt hatten. Der Einzug in den Saal vollzog sich in geheimnisvoll verdeckenden Bademänteln, dann der Strip, und plötzlich standen sie im weißen Tütü und mit Chrysantheme im Haar auf der Bühne und zeigten beim Spitzentanz, garniert mit Hebe- und sonstigen Figuren, welche Grazie in ihnen steckt. Die närrische Rakete war der Lohn und die Zugabe selbstverständlich. Gleiches erlebten die Mini-Funky-Marys, der Nachwuchs der "Funky Marys", die sich in einem tempogeladenen Auftritt schon ziemlich perfekt präsentierten und viel hochverdienten Beifall bekamen. Zwischen den Bühnenauftritten suchte Hans Honscheid wie seit vielen Jahren schon die Tanzmusik aus, bei der so gut wie kein Gassenhauer zum Abtanzen und Mitsingen in bester Disco-Manier fehlte. Der Elbrinxer Jan Meyer sorgte dafür, dass der Klostersaal gut beschallt und effektvoll ausgeleuchtet war. Das Bühnenbild kreierte ein Kreativ-Team um Claudia Wolf, Elke Kröger und Andrea Macke. Sie hatte auch ihre Nähmaschine wieder glühen lassen, denn wie in jedem Jahr stammten aus ihrer Hand die zahlreichen Kostüme für die Aktiven. Hinter den Kulissen sorgten die umsichtigen und eifrigen Kfd-Damen dafür, dass die Gäste an beiden Tagen bestens bewirtet wurden. Es wäre nicht die Frauengemeinschaft, wenn sie nicht auch in diesen Stunden des Frohsinns an andere denken würden: Wie in jedem Jahr ließen sie das bekannte Spendenschwein durch die Reihen der Feiernde kreisen. Der Erlös wird dem Aktionskreis Lügder Freibad (ALF) und der Kinderkrebsstation am Detmolder Krankenhaus übergeben.
