1. Als Lügde in den Emmerfluten versank

    Dieter Stumpe erinnert an das folgenreiche Hochwasser vom 8.Februar 1946

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    Lügde (afk). Lügde war seit Gründung der befestigten Stadt um 1240 immer wieder von Hochwasserkatastrophen betroffen. Die tiefe Lage der Stadt im Talkessel und ihrer Anlage als mittelalterliche Festung mit Wasserumfluss durch die Emmer und den Wallgraben, brachten für Lügde schon immer die Gefahr, dass die Emmer mehrmals im Jahr über ihre Ufer tritt und dann weite Gebiete überschwemmt. Urkunden und Stadtbücher berichten von den vielen Überschwemmungen vergangener Jahrhunderte. Am 8. Februar jährte sich zum 70. Male der Tag und die Nacht, an der Lügde von einer Hochwasserkatastrophe größten Ausmaßes heimgesucht wurde. Der Lügder Heimatforscher Dieter Stumpe hat die Ereignisse aufgearbeitet. Der Januar 1946 war sehr frostreich. Später fiel auf den gefrorenen Boden eine nicht unbeträchtliche Schneemenge. Anfang Februar aber setzte Tauwetter ein und brachte die Schneemassen zum Schmelzen. Innerhalb weniger Tage führten alle Bäche und Nebenflüsse der Emmer so viel Wasser zu, dass sie über die Ufer trat und weite Flächen überschwemmte. Bei Beginn der zweiten Woche des Februars standen die bekannten Überschwemmungsgebiete innerhalb der Stadt und die anderen tiefer gelegenen Flächen wie meist alljährlich unter Wasser. Der Regen dauerte an: Am Montagabend war über die Hälfte der Stadt von einer Wasserfläche bedeckt. Starker Regen ließ dann am Freitag, 8. Februar, die Emmer wieder weiter anschwellen, so stark, dass am Mühlenhoftor große Wassermassen in die Stadt eindrangen und zunächst den unteren Teil der Hinteren und Mittleren Straße bedeckten. Die bei drohenden Hochwasser üblichen Absperrungen und Abdichtungen an den Toren und Mauerdurchlässen waren rechtzeitig vorgenommen worden und wurden nun laufend überprüft und wenn nötig ergänzt. Bei Einbruch der Dunkelheit stand zwar überall Wasser in der Stadt, aber man konnte die meisten Straßen mit Stiefeln noch ohne Schwierigkeiten überqueren. Doch draußen, außerhalb der Stadtmauer wuchs die Gefahr, das Wasser stieg immer höher. Dann allerdings nahm das Schicksal seinen Lauf, als das Wasser von Süden her, vor und hinter dem Gasthaus Spilker, über den alten Wall in die "Kleine Emmer" floß und diese rasch auffüllte. Nun war die Altstadt wie eine Insel von allen Seiten vom Hochwasser eingeschlossen. Die bange Frage war: Hält die Stadtmauer? Zunächst floss das Wasser am Hägischen Tor über die Mauer, die hier am niedrigsten war. Um 18 Uhr brachen Teile der Stadtmauer unter dem Druck der Wassermassen in der Nähe des Wichernhaus ein. Das Wasser ergoss sich nun ungehindert in die Stadt und überstieg am Oberen Tor den vermeintlich genügend hohen Damm. Auch der Damm am Brückentor wurde überspült. Nun bekamen die tiefer gelegenen Stadtteile das erste Wasser in die Häuser. Innerhalb einer halben Stunde war die gesamte Innenstadt stellenweise bis zu 2,40 Meter in eine einzige Wasserflut getaucht. Gegen 23 Uhr erreichte das Hochwasser den Höchststand. Als das Wasser der Emmer und somit überall außerhalb der Stadtmauer fiel, suchte sich das Wasser, das nun innerhalb der Stadt, bedingt durch die Stadtmauer, höher stand, selbst einen Abfluss. Die Stadtmauer in der Nähe der Vikarie hielt nun dem Druck des "Stadtwassers" nicht stand und brach ein. So konnte der größte Teil des Wassers, ab zirka 1 Uhr des 9. Februars, unter Getöse abfließen. Bei Tagesanbruch sah man das Ausmaß der Verwüstungen. Auf Kähnen, alten Badewannen und Holztrögen nahm man die ersten Kontakte mit den Nachbarn und den Straßenanliegern auf und versorgte sich gegenseitig mit Lebensmitteln. Erst im Laufe des Spätnachmittags waren die Straßen teilweise wieder frei. In der Innenstadt lagen über 200 Stück Großvieh tot in den Ställen bzw. auf den Straßen, dazu eine große Anzahl von Schweinen und Kleinvieh. Sämtliche Räume der unteren Etagen von den rund 300 Häusern der Innenstadt waren zunächst unbewohnbar geworden. In vielen Häusern waren die Fachwerkwände eingedrückt. Die Straßen waren übersät mit Steinen, Schlamm, Unrat, Holz, Balken und Kadavern von Vieh. Das Beseitigen des Schlammes, der sich überall abgesetzt hatte, machte die meiste Arbeit. Unermesslich auch der Schaden an Kleidungsstücken und Inventar. Die Ersatzbeschaffung war sehr schwer, denn man litt ja noch an den Folgen des letzten Weltkrieges. Aus der Katastrophe des 8. Februar 1946 zog der Rat der Stadt schnell Lehren. Man baute 1952 eine neue Brücke am Brückentor. Die alte Wehranlage wurde gleichzeitig mit dem Brückenbau um 45 Meter verlängert und einen halben Meter tiefer gelegt, verbunden mit einer Verbreiterung des Flussbettes. Die neuen Anlagen begünstigten wesentlich das Abfließen der Wassermassen, so dass die Hochwassergefahr an dieser Stelle wesentlich eingedämmt wurde. "Durch den Neubau der Lügder Ortsumgehung mit einem 800 Meter Tunnelbauwerk erhielt der Emmerbereich durch die Anlage eines Hochwasserschutzes mit entspechenden Dämmen, hoffentlich die Gewährleistung, dass sich eine solche Katastrophe nicht wiederholt", so Dieter Stumpe.

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