Blomberg (pro). Die klassische Rollenstruktur in der Familie verändert sich, wenn auch langsam – darin waren sich die, vornehmlich Teilnehmerinnen, des Neujahrsempfangs einig. Wieso der Umbruch stattfindet, und dass sie zweifellos längst fällig ist, erörterten die Podiumsgäste am 30. Januar der Leitfrage "Was bringt uns Frauen gute Bildung?" folgend im Marpetal einleuchtend.
Zum öffentlichen Austausch geladen hatten die Kreislandfrauen mit ihrer Vorsitzenden Ingeborg Schlawig-Struckmann vier Damen aus verschiedenen Tätigkeitsbereichen, die ihr Engagement als Landfrau eint. Dabei beschäftigte sich die Diskussion mit den Zusammenhängen von Bildung, Arbeit und Familienleben. So brachte Silke Quentmeier ihre Erfahrungen aus der Arbeit für den Verein FAIR, Frauen und Arbeit in der Region, in Detmold ein: "Ganz oft sind da Frauen, Mütter, die zehn, fünfzehn Jahre raus aus dem Betrieb waren." Leider sei es gerade auf dem Land noch verbreitet, dass nach der Geburt ausschließlich die Mütter ihre Karriere unterbrächen und sich ins Häusliche zurückzögen. Wie es anders geht, ließ sich an den Beispielen der Rednerinnen selbst betrachten. Die Tatsache, dass Dr. Patricia Aden parallel zu ihrer medizinischen Karriere ihre fünf Kinder auf ihrem Lebensweg begleitet, nahmen ihre Mitstreiterinnen mit jeweils zwei Kindern mit großem Respekt auf. Die Vorsitzende des Frauenrats Nordrhein-Westfalen stellte jedoch klar fest: "Die Bedingungen für die Rückkehr in den Beruf waren nie so gut wie heute. Das Selbstbewusstsein der Frauen muss jedoch gestärkt werden." Dies gelte auch schon in ganz frühen Jahren, wenn die Berufswahl erst anstehe. Hier stimmte auch Dr. Meike Schäffler, Geschäftsleitung der Westfalen AG, zu. "Wir haben fünfundzwanzig Werke, und davon eine einzige Werksleiterin. Und aus 20 Prozent Frauenanteil im Studium, können wir auch keine fünfzig Prozent Quote in Führungspositionen machen", fasste Schäffler den Mangel von Frauen in MINT – Berufen zusammen. Sie selbst erlangte einen Studienabschluss in Mathematik und bildete sich bis zu ihrer jetzigen Position mit Schwerpunkten unter anderem in der Informationstechnik und den Werken im Stahl- und Rohrbereich fort. Für ihr Engagement in dieser Männerdomäne erhielt sie 2015 zudem den Titel "Managerin des Jahres". Wie einstimmig deutlich wurde, sind die Betreuungssituation und flexible Arbeitszeitgestaltung für eine langfristige Veränderung der familiären Arbeitsteilung unabdingbar. Die Tatsache, dass Frauen selbst mit einem ranghohen Arbeitsplatz im Lohn deutlich hinter männlichen Kollegen zurückliegen, prangert Meike Stühmeier-Freese als Equal-Pay-Beraterin des Deutschen Landfrauenverbands an. Das Gehalt werde allerdings auch durch geschlechtlich unterscheidbare Verhandlungsstrategien beeinflusst: "Frauen neigen dazu, ihr Gehaltsniveau nur halten zu wollen, wo Männer sich gerne mal bis zu 30 Prozent über ihrem Vorgänger ansetzen." Der Mut, für die eigene Leistung die angemessene Entlohnung einzufordern, fehle derzeit noch regelmäßig.
