Detmold (ab). Heizkosten reduzieren, das eigene Wohlbefinden und die Behaglichkeit im Haus steigern, den Wert einer Immobilie erhalten – es gibt gute Gründe für die energetische Sanierung von Altbauten. Bei den Lippischen Altbau-Sanierungstagen zeigten rund 30 Aussteller aus der Region, wie man das am besten angeht.
Eine gute Planung im Vorfeld ist entscheidend für den späteren Erfolg, denn das "rechnet sich bei den Baukosten", betonte Gudrun Heitmann. In ihrem Vortrag – insgesamt gab es wieder 16 Fachvorträge – hat sie über typische Fehler bei der Gebäudesanierung referiert. Mittlerweile habe sie allerdings auch sehr viel damit zu tun, Vorurteile übers Dämmen zurecht zu rücken. Mangelnder Brandschutz bei Dämmstoffen aus Styropor, Schimmelbildung in sanierten Gebäuden, Spechte, die die Fassaden kaputt picken – so lauten die Vorwürfe. "Es ist einfach nicht so viel passiert, wie öffentlich dargestellt wurde, und ich kenne auch keinen, der gedämmt hat und damit unglücklich ist", betonte Heitmann. Im Gegenteil: Die Menschen fühlten sich in sanierten Gebäuden viel wohler, etwa weil die Außenwände nicht mehr kalt abstrahlen. Hinzu kommt das gute Gefühl, auch etwas fürs Weltklima getan zu haben. Doch wie viel Dämmung ist eigentlich ökonomisch sinnvoll? Um ihre ehrgeizigen Klimaschutzziele zu erreichen, erhöhe die Bundesregierung regelmäßig die Anforderungen für das energetische Sanieren – kurz: Die Dämmplatten, die an die Fassade kommen, werden immer dicker und damit teurer. Der Einspareffekt für den Bauherrn wachse damit aber nicht in gleichem Maße, rechnete Architekt Niels Döring vor. Für ihn sind die heutigen Dämmstoffstärken oft unwirtschaftlich. Mehr als 16 Zentimeter an der Fassade lohnten sich in der Regel nicht. Um seine These zu belegen, hat er exemplarisch ein Gebäude von 1980 berechnet. Im Modell hat das Gebäude bereits neue Fenster, ein gedämmtes Dach und weitere sanierte Bauteile. Nur die Gebäudehülle ist noch unsaniert. Döring möchte zeigen, was die Dämmung der Fassade einbringt. Packt man eine 10 Zentimeter dicke Dämmschicht ans Haus, ergeben sich deutliche Einsparungen. Steigert man dann den Wert in Schritten von 6 Zentimetern, ist "der Einspareffekt ab etwa 16 Zentimeter Gesamtstärke fast Null", sagte Döring. Weiteres Einsparpotential stecke dann in effizienterer Haustechnik, sprich: Heizungs- und Lüftungsanlagen. Er lässt in seine Berechnungen auch keine angenommenen Energiepreissteigerungen einfließen. Wie sich der Energiepreis tatsächlich entwickelt, könne niemand voraussagen. Stattdessen sollten Energieberater zeigen, dass man so oder so spart und sich eine Sanierungsmaßnahme auch bei gleichbleibenden Preisen amortisiert. In Sachen Zuschüsse und Darlehen lohnten sich vor allem Komplettsanierungen, da man hier die wirtschaftlich sinnvollsten Maßnahmen kombinieren kann. Für die Förderfähigkeit zählt dann das Gesamtergebnis, so dass unwirtschaftliche Anforderungen an Einzelmaßnahmen durch sinnvollere Maßnahmen an anderer Stelle kompensiert werden könnten. Generell sei der Zeitpunkt für Sanierungsmaßnahmen derzeit günstig, meint Sascha Wetzke, Spezialist für Baufinanzierung bei der Sparkasse Paderborn-Detmold. Bei der energetischen Sanierung gewährt die KfW derzeit Darlehenszinsen von 0,75 Prozent. Welche Einsparungen möglich sind, stellte Klaus Michael vom Niedrig-Energie-Institut (NEI) in seinem Vortrag dar. Bei einem 50er-Jahre-Haus mit 140 Quadratmetern Wohnfläche habe man durch die energetische Sanierung den Energieverbrauch von 30.000 auf 12.000 Kilowattstunden senken können. Noch deutlich aufwendiger hat das NEI sein eigenes Gebäude an der Sachsenstraße bearbeitet. Hier habe man durch eine umfangreiche Sanierung auch mit Passivhaus-Komponenten, Anschluss ans Fernwärmenetz und einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung die Energiekosten um satte 85 Prozent senken können. Dementsprechend viel Geld wurde investiert, aber es gab auch einen KfW-Zuschuss von 30 Prozent. Das Thema Altbau-Sanierung ist weiterhin im Trend. Die Messe verzeichnet einen Besucherzuwachs von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der überwiegende Teil waren Detmolder, rund 30 Prozent der Besucher kommen aber auch aus anderen lippischen Kommunen, vornehmlich aus Bad Salzuflen und Lemgo. Die nächsten Lippischen Altbau-Sanierungstage sind für das erste Septemberwochenende 2017 geplant. Das hätte auch den Vorteil, dass die Situation Anfang des Jahres entschärft wird – innerhalb weniger Wochen gibt es thematisch ähnliche Messen in Lemgo, Bad Salzuflen und Detmold. Einige Aussteller hätten bereits ihre Teilnahme zugesagt, sagte Werner Landgraf, Messeorganisator vom NEI gegenüber "Lippe aktuell". Matthias Ansbach, Energieberater bei der Verbraucherzentrale in Detmold regte an, die Messe zu erweitern. Neben der energetischen Sanierung seien im Altbau auch die Themen Barrierefreiheit und Sicherheit wichtig.
