Lemgo (pro). Der Hallenboden im Innenraum vibriert leicht im Rhythmus hunderter Füße, die im Gleichtakt den Schlagzeugbeat wiedergeben, Hände klatschen synchron, Augen strahlen voller Erinnerungen und Münder singen mit: "The Italian Bee Gees" sind in der Stadt, und heben mit ihrem Musical "Massachussetts" sogar die sonst eher verhaltenen Ostwestfalen und Lipper aus ihren Sitzen – so geschehen am vergangenen Wochenende in der Lemgoer Lipperlandhalle.
Dass der Platz noch für deutlich mehr Tänzer und Diskofans gereicht hätte, tat der Stimmung jedoch keinen Abbruch. "Wunderbar! Jede Minute eine Freude, gerne wieder", lautet nach drei Stunden das Fazit eines Detmolder Ehepaars. Vielen fehlen die Worte, schwelgen in den Bildern der vergangenen Jahrzehnte – die Mehrheit des Publikums hat die dargebotenen Stücke noch zuerst im Original erlebt, die Brüder Maurice, Robin und Barry Gibb, die 2001 ihr letztes Studioalbum herausbrachten und offiziell erst 2006, bereits nach dem Tod von Maurice, ihre Trennung bekannt gaben. Dementsprechend bewundernswert ist das anerkennende Nicken, was sich während der Show vielfach beobachten lässt, wenn die Brüder Davide, Walter und Pasquale Egiziano Hits wie das sanfte "Words" anstimmen und ihren Vorbildern damit alle Ehre erweisen. Vom ersten Auftritt im italienischen Fernsehen im Jahr 2000 bis heute haben sie hunderte Shows gespielt. Begleitet von Tänzern, Background- sowie zwei Gastsängerinnen haben sie eine mitreißende, über drei Stunden hinweg spannende Show konzipiert: Für jüngere Zuschauer perfekt ist die Machart des Musicals, dass seinen roten Faden um eine Gruppe Teenager spinnt, die mit ihrem Auto "mitten in der Pampa" liegen bleiben – und an der Tür des einzigen Hauses in der Nähe klingeln. Der kauzige, schon betagte Hausbesitzer entpuppt sich als Bee Gees-Experte mit umfangreichem Privatarchiv, der aus dem Nähkästchen plaudert und schließlich sogar Besuch von seinen langjährigen Freunden Dennis und Blue bekommt: Nun beleben Dennis Bryon und Blue Weaver, die in den Siebzigern an Schlagzeug und Keyboard den Sound der Bee Gees mitprägten, die Show mit zusätzlichem Originalflair. Als sich Teenager und Musiker kennengelernt haben, zelebrieren sie nach einer Pause weitere Welthits. Als Schauspieler Björn Gerks, in seiner Rolle als langjähriger Fan und Wegbegleiter seiner Lieblingsband die Italian Bee Gees, fragt, warum ihr Musical denn "Massachussetts" heiße, rührt die Antwort den Saal: "Das war der Hochzeitssong unserer Eltern!" Nachhaltig berührt sind auch Karin Werner und Pamela Sommer, die als Nachbarn aus dem Landkreis Schaumburg angereist und zum dritten Mal dabei sind: "Immer wieder etwas Besonderes – und die neue Show ist mit mehr Tänzerinnen und dem frischen Erzählkonzept noch dynamischer geworden. Wir kommen wieder!"
