Bad Salzuflen (dib). Zum diesjährigen Holocaust-Gedenktag, der seit 2005 in der Begegnungsstätte Schötmar als Stunde des Gedenkens begangen wird, haben sieben Schülerinnen und Schüler der Eduard-Hoffmann-Realschule Texte, Gedichte und Fragestellungen erarbeitet, die sich mit der Geschichte der jüdischen Familie Obermeyer aus Bad Salzuflen befasst haben. Mit ihrer Lehrerin Annette Weber haben sich Adriana Brunsiek, Lilly Wattenberg, Sophie Meise, Lea Hübner, Marco Straube, Maurice Koprek und Nils Hormuth außerhalb des regulären Unterrichts mit dem Thema beschäftigt und zum Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 durch sowjetische Truppen Antworten auf die Frage gegeben, wie sie als junge Deutsche mit den Verbrechen, die in den Konzentrationslagern begangen wurden, heute umgehen müssen. Sie haben ein Rollenspiel eingeübt, Gedichte geschrieben und die Geschichte der Bad Salzufler Familie Obermeyer erarbeitet, von der nur der jüngste Sohn Hans die Gräueltaten des Nationalsozialismus überlebt hat, weil er im Juli 1939 mit einem Kindertransport nach England geschickt wurde.
Marco Straube erinnerte daran, wie die Kinder von ihren Eltern Abschied nehmen mussten, wie viel Angst sie hatten, wie es ihnen auf dem Transport ergangen ist und wie ihnen Erinnerungsstücke an ihre Eltern genommen wurden. Ein kleines Rollenspiel hat dieses Thema dann untermauert. Bezogen auf die heutige Zeit forderten sie die Anwesenden auf, das zu tun, was England 1939 getan hat: Für Flüchtlinge einzutreten, und damit ein Zeichen gegen den Terror zu setzen, die Willkommenskultur nicht einschlafen zu lassen und Menschen aufzunehmen, die wegen ihrer Herkunft, Religion oder Überzeugung ausgegrenzt sind. Und weil die Schüler viel Herzblut und Überzeugung in die Gedenkfeier gesteckt haben, ist ihre Botschaft nicht nur in den Köpfen, sondern auch in den Herzen der Gäste angekommen. Die Schüler haben die Botschaft "Wir sind keine Generation, die vergessen will. Wir reagieren tief betroffen auf die Verbrechen an der Menschheit, bei denen Millionen Menschen ums Leben gekommen sind. Wir wollen, daß der Holocaust nicht vergessen wird. Aber wir sind nicht verantwortlich für das, was war, sondern wir übernehmen Verantwortung für das, was kommen wird", verkündet. Superintendent Andreas Gronemeier dankte den Schülern für diese Gedenkstunde. "Ihr habt euch mit euren Beiträgen dafür stark gemacht, dass der Holocaust nicht vergessen wird." Und mit einfühlsamen Musikbeiträgen haben Stephan Otters (Keyboard) und Peter Heuer (Violoncello) von der städtischen Musikschule der Feierstunde einen würdevollen Rahmen gegeben.
