WUNSTORF (tau). Der gebürtige Flensburger und in Hannover und Wien lebende Pianist Tim Ovens hat im Gemeindehaus der Corvinuskirche ein Konzert gegeben. "Bilder einer Ausstellung" hieß ein Teil des musikalischen Abends. Darin brachte der Künstler Stücke von Modest Mussorgski zu Gehör, die nicht nur in den Ohren ihren Klang entfalteten, sondern vor dem inneren Auge Szenen entstehen ließen. Die Bilder der Ausstellung sind nach Zeichnungen des mit Mussorgski befreundeten Malers Victor Hartmann entstanden. Die Bilder sind verloren gegangen, aber die Musik ist überliefert. Sie spiegelt anhand musikalischer Zeichen für Objekte die Eindrücke recht deutlich wider, so Ovens.
Da ist zum Beispiel die "Promenade". In einem 5/4-Takt wird die Bewegung des Betrachters als eher schlendernd inszeniert. In "Das Bohatyr Tor" ist vieles direkt verständlich. Bewegungen werden durch die Musik nachgeahmt. Auch die Glocken sind dort leicht zu erkennen. Ein Choral, der zuerst leise, später nochmals lauter erklingt, deutet auf eine Prozession hin, die immer näher kommend durch das Tor zieht. Das Publikum goutierte den ausgeprägten Klangsinn des Künstlers, der dem leisesten Ton wie auch der größten musikalischen Linie Leben und Spannung verleihen konnte. Tim Ovens lebte von 1987 bis 1988 in China, wo er sich intensiv mit asiatischer Kultur beschäftigte. Die bedeutendsten Musikhochschulen Chinas luden ihn ein, Klaviermeisterkurse zu geben und Vorlesungen zu halten. Im Laufe seiner umfangreichen Konzerttätigkeit hat Ovens mit einer Reihe von Orchestern zusammengearbeitet. So spielte er für verschiedene Rundfunksender sowie nationale und internationale Fernsehanstalten. Bei bedeutenden Musikfestivals war er zu Gast. Außerdem hat Ovens zahlreiche CDs als Solist und Kammermusikpartner eingespielt. Seit 2009 ist er Professor für Klavier an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien. Aber auch am China Conservatory of Music in Peking ist er als Visiting Professor tätig. Im Jahr 2010 gründete er in China die Vienna Academy of Music, deren künstlerischer Leiter er ist. Foto: tau
