Kreis Lippe/Detmold (gh). Der Detmolder Kardiologe Prof. Dr. Ulrich Tebbe hat das Klinikum Lippe geprägt wie kaum ein anderer. Am vergangenen Freitag wurde er feierlich in den Ruhestand verabschiedet und dazu waren über 150 Gäste in den Sitzungssaal des Kreishauses in Detmold gekommen, darunter Familie, Freunde, das Mitarbeiter-Team und Kollegen. Einige Kardiologie-Experten aus ganz Deutschland ließen in einer abwechslungsreichen Vortragsrunde die Laufbahn von Professor Tebbe Revue passieren und gaben ebenso einen Blick in die Zukunft der Kardiologie. Außerdem wurde der zukünftige Chefarzt Prof. Dr. med. Stephan Gielen vorgestellt. Die Moderation machte Uwe Borchers (Geschäftsführung ZIG – Zentrum für Innovation in der Gesundheitswirtschaft OWL). Landrat Dr. Axel Lehmann erzählte in seiner Laudatio: "25 Jahre lang hat Prof. Dr. Tebbe als Chefarzt der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin, als ärztlicher Direktor und als Vorsitzender des ärztlichen Beirates ganz wesentlich das Klinikum Lippe geprägt. Viele wichtige Meilensteine haben sein Wirken flankiert. Als der gebürtige Holzmindener 1990 nach zwölf Jahren an der Uniklinik Göttingen als Chefarzt nach Detmold wechselte, konnte er den ärztlichen Direktor und später auch den Kreistag schnell von seinen visionären Ideen überzeugen. Durch seine Erfahrungen, Wissen und Ideen war er maßgeblich daran beteiligt, dass das ehemalige Kreiskrankenhaus in Klinikum Lippe umbenannt wurde." Einen kurzen Überblick zur Entwicklung seiner Arbeit am Klinikum Lippe gab Uwe Borchers im Talk mit Prof. Tebbe. "Mit seinem Team hat er in den vergangenen 25 Jahren mehr als 70.000 Eingriffe im Bereich des Herz-Kreislaufsystems durchgeführt, und rund 600 Herzinfarkte pro Jahr behandelt. Unter seiner Führung wurden er und seine Mitarbeiter regelmäßig als beste Ärzte und Kardiologen durch das Magazin FOCUS geehrt; eine große Anerkennung für die Arbeit Tebbes." Sichtlich stolz erzählt der 65-Jährige: "Der Aufbau eines Linksherzkathetermeßplatzes, die Etablierung von Methoden zur Implantationen von Herzklappen und automatischen Defibrillatoren sowie die Einweihung des Hybrid-OP (in 2013) sind nur einige Highlights. Die Einweihung des Hybrid-OPs war ein tolles Erlebnis". Ein Hybrid-OP ist ein Operationssaal, der mit medizinischer Bildgebung in Form von Angiografieanlagen, Computertomographen oder Magnetresonanztomographen ausgestattet ist. Diese bildgebenden Techniken ermöglichen minimal-invasive Eingriffe. Prof. Dr. Karl Werdan (Sekretär der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, Halle) referierte zu Themen der Weiterbildung, Leitlinien und interdisziplinäre Zusammenarbeit. Prof. Dr. Matthias Pauschinger (Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft leitender kardiologischer Krankenhausärzte (ALKK), Nürnberg) erklärte derzeitige und zukünftige stationäre kardiologische Versorgung. Dr. Theodor Windhorst (Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Münster) referierte zum Thema Qualität durch Qualifikation. Abschließend wurde "der Neue" vorgestellt, durch Uwe Borchers im Talk mit Ingo Breitmeier (Hauptgeschäftsführer) und Prof. Dr. Stephan Gielen. Der 48-jährige Kardiologe ist ab sofort neuer Chefarzt der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin. Prof. Gielen begann nach dem Medizinstudium an der Ruhr-Universität Bochum, der Harvard Medical School, Boston/USA und dem Baylor College of Medicine, Houston/USA, seine klinische Ausbildung 1994 an der Universität Heidelberg in der Medizinischen Klinik III (Kardiologie, Angiologie, Pneumologie). Nach umfassender klinischer Ausbildung am Universitätsklinikum Heidelberg und der Habilitation 2006 arbeitete der Kardiologe zunächst als interventioneller Oberarzt und Leiter der Herzinsuffizienzambulanz am Herzzentrum Leipzig, bevor er im Januar 2012 nach Halle/Saale in die Position des leitenden Oberarztes wechselte. "Ich trete in riesige Fußstapfen und der Plan ist, die "Tebbe-Vorlage" gezielt zu verfolgen und auszubauen. Auch die gezielte Vorbeugungsarbeit, mit Sportprogrammen muss verstärkt werden", äußerte Gielen. Ein Vierteljahrhundert für die Kardiologie in Lippe, in dieser Zeit hat der Herzspezialist Tebbe seiner eigenen Abteilung zum bundesweiten Renommee verholfen, die inzwischen zu den modernen Top 10 Kardiologien in Deutschland gehört. Heute arbeiten 29 Ärzte in der Detmolder Kardiologie, insgesamt 115 Mitarbeiter für durchschnittlich 5200 Patienten pro Jahr. Sechs Kollegen aus seinem Team sind mittlerweile anderswo Chefärzte geworden. Gefragt nach seinen schönsten Erlebnissen antwortete Herzexperte: "Das waren die Begegnungen mit den vielen Patienten, denen wir in akuter Not helfen konnten". Sein Ruhestand scheint eher ein Unruhestand zu werden: weiterhin möchte er Patienten in seiner Sprechstunde betreuen, als Gutachter für die Schlichtungsstellen von Ärztekammern und für Gerichte arbeiten und ein Gutachten zur Messung des Blutdrucks in Herzkranzgefäßen erstellen. "Nun komme ich wohl bald dazu, mal ein paar der vielen Bücher zu lesen, die ich im Laufe der Jahre gesammelt habe, außerdem möchte ich mit meiner Frau größere Reisen unternehmen und weiterhin mit Freunden Tennis spielen", erzählte Tebbe zum Abschluss.
-
Der Arzt mit einem Herz für Herzen
Prof. Dr. Tebbe, Chefarzt der Kardiologie am Klinikum, geht in den Ruhestand
Dieser Eintrag wird bereitgestellt durch Schaumburger Wochenblatt | Impressum
