Detmold (ab). Am 27. Januar 1945 hat die Rote Armee das Konzentrationslager Auschwitz befreit. Seit 1996 ist der 27. Januar der "Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus" ein bundesweiter, gesetzlich verankerter Gedenktag. Seit 20 Jahren gestalten die weiterführenden Schulen Detmolds alljährlich im Wechsel mit großem Engagement die zentrale städtische Gedenkfeier. Eine Ausstellung im Rathaus blickt nun zurück auf die eindrucksvollen und einfühlsamen Arbeiten der Schüler. Im Rahmen der Eröffnung wurde am Mittwoch auch die Frage der Zukunft des Erinnerns und Gedenkens diskutiert.
1997 hat die Geschwister-Scholl-Gesamtschule die erste zentrale Gedenkfeier gestaltet. In diesem Jahr, bei der 20. Auflage, übernehmen Gesamtschüler bereits zum vierten Mal die Verantwortung. Im Zentrum steht ein Theaterstück, das die letzten Tage im Leben der Sophie Scholl zeigt. Grundlage ist der Film "Sophie Scholl – Die letzten Tage" (2005). Obgleich Namensgeberin der Schule habe man die Widerstandskämpferin der Gruppe "Weiße Rose" bisher nie ins Zentrum eines solchen Stücks gestellt, erläutert Lehrerin Micheline Prüter-Müller, die Regie führt. Drei Schülerinnen teilen sich die Rolle. Dabei sei man vom Charakter und Temperament der jeweiligen Schauspielerin ausgegangen und habe die Szenen entsprechend verteilt. "Ich bin jemand der auch mal auf den Tisch haut", sagt Alicia Paepke-Schling, daher spiele sie auch eine Szene mit einer starken Sophie Scholl. "Ich bin der Böse", sagt Kimberly Schnitzmeier – sie spielt den Gestapo-Ermittler Robert Mohr. Zum weiteren Programm gehören musikalische Beiträge, eine Lesung und Choreographien zu den Themen Vielfalt und Freiheit. Außerdem berichtet die junge Syrerin Katren Aljajin, Schülerin der internationalen Vorbereitungsklasse, von ihren Erlebnissen auf der Flucht und ihr jetziges Leben in Detmold. Auch das diesjährige Motto –"Zukunft hat Vergangenheit"– geht auf eine Schülerin zurück und nimmt Bezug auf die Rede Roman Herzogs am 19. Januar 1996. "Zukunft hat Vergangenheit" Der damalige Bundespräsident hatte den Gedenktag ausgerufen und gemahnt: "Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen. Es ist deshalb wichtig, nun eine Form des Erinnerns zu finden, die in die Zukunft wirkt." Die alljährliche Gedenkveranstaltung sei eine Selbstverständlichkeit in Detmold, betont Stadtarchivarin Dr. Bärbel Sunderbrink. Damals hatte Pfarrer Peter Wagner die Idee dazu gehabt. In Bürgermeister Friedrich Brakemeier fand er seinerzeit einen engagierten Mitstreiter. Schnell sei klar gewesen: Man wolle keine "herkömmliche" Gedenkfeier mit einem Redner, sondern Jugendliche sollen eingebunden werden. Denn die Auseinandersetzung mit den Gräueltaten des Faschismus sei wichtig. "Über die Nazizeit haben wir in der Schule nichts erfahren", erinnert sich Brakemeier. Wer sich so intensiv mit dem Thema beschäftigt, nehme davon immer etwas mit, ist sich Brakemeier sicher. Heute sei die NS-Geschichte kein Tabu mehr, aber es stelle sich die Frage, "wie wir mit dem Erinnern und Gedenken in Zukunft umgehen", betont Sunderbrink. "Es ist wichtig, dass wir nicht mit der Moralkeule kommen", meint Micheline Prüter-Müller. Gedenken dürfe nicht zum bloßen Ritual verkommen. "Spannend wird es, wenn öffentliches Gedenken Diskussionen anregt", meint Bürgermeister Rainer Heller und verweist auf die Debatte um die Umbenennung der Hindenburgstraße in Hiddesen. Es gehe um die Frage, welche Meinungen wir aushalten können. Gerade angesichts der aktuellen Flüchtlingsproblematik. Heute müsse über Grundsätzliches wie das Thema Demokratie gesprochen werden. Die Erinnerungskultur sei das Fundament für die heutige gute Streitkultur in Detmold, so Heller weiter. Ausstellung und weitere Veranstaltungen Auftakt zur diesjährigen Reihe "Erinnern und Gedenken" ist eine Ausstellung im ersten Stockwerk des Rathauses. Sie zeigt die Plakate zu den jeweiligen Veranstaltungen der Jahre 2001 bis 2016. "Die Schüler haben bei jeder Veranstaltung Zeichen gesetzt", sagt Petra Schröder-Heidrich, Pressesprecherin der Stadt Detmold. Das zeige sich auch in den unterschiedlichen Plakaten. Die Ausstellung ist noch bis zum 29. Februar montags bis donnerstags von 8 bis 17 Uhr und freitags von 8 bis 13 Uhr im Rathaus zu sehen. Das vollständige Programm zur Gedenkreihe gibt es als Flyer oder zum Herunterladen auf "www.detmold.de". Ankündigungen zu den einzelnen Vorträgen, Lesungen und Konzerten gibt es auch in "Lippe aktuell". Zu den Highlights gehört ein Doppel-Konzert mit den Detmolder Künstlern Ulrike Wahren und Peter Stolle und dem Andreas-Hofschneider-Quintett aus Berlin. Sie treten am Samstag, 6. Februar, um 19.30 Uhr in der Stadthalle auf. Eintrittskarten gibt es im Vorverkauf für 18,50 Euro in der Tourist-Information im Rathaus. Ermäßigte Karten kosten 10 Euro. An der Abendkasse kostet der Eintritt 21,50 Euro. Die zentrale Gedenkfeier beginnt am Mittwoch, 27. Januar, um 17 Uhr in der Aula der Gesamtschule, Sprottauer Straße 9.