LOCCUM (jan). Perspektiven der Flüchtlingsarbeit in Rehburg-Loccum sind in offener Runde auf Einladung von der Stadt und der Evangelischen Akademie Loccum diskutiert worden. Der "harte Kern der Engagierten" und solche, die in diese Arbeit noch einsteigen wollten, seien gekommen, sagte Akademiedirektor Stephan Schaede zur Begrüßung.
"Wir nennen die Flüchtlinge in unserer Unterkunft ‚unsere Gäste’." Dem Termini, den Jens Sewohl, Leiter des Nienburger ASB-Kreisverbandes, in der ersten Runde der Statements an diesem Abend prägte, schlossen sich etliche Nachredner an. Als Gäste bezeichne der ASB diejenigen, die in der Erstaufnahme-Einrichtung angekommen seien, die der ASB seit September 2015 in Langendamm betreibe. Gäste freundlich und freudig aufnehmen, statt die Probleme der massenhaften Ankunft von Flüchtlingen in den Mittelpunkt zu stellen, ist für die mehr als 100 Rehburg-Loccumer ein vorrangiger Ansatzpunkt gewesen, der Einladung von Stadt und Akademie zu folgen. 26 geflüchtete Familien und vier Alleinreisende seien momentan in Rehburg-Loccum, führte Bürgermeister Martin Franke aus und skizzierte, was die Stadt sich wünscht. Einer der vorrangigen Punkte sind noch mehr Angebote von Wohnraum. Bislang seien alle dezentral untergebracht worden und das solle auch so bleiben. Die Belegung der Loccumer "Halle für alle" habe eine Zeitlang zur Diskussion gestanden. Das sei aber vom Tisch. Notfalls werde die Stadt Immobilien kaufen – darauf hätten die politischen Gremien sich verständigt. Dass mehr Geflüchtete auch nach Rehburg-Loccum kommen in den folgenden Wochen und Monaten, steht auf jeden Fall fest. Karsten Buchholz vom Landkreis berichtete, dass für die kommenden Wochen mit 100 Flüchtlingen pro Woche im Landkreis gerechnet werde, von denen zehn Prozent nach Rehburg-Loccum kommen würden. Sinn und Zweck des Abends sollte jedoch die Diskussion darüber sein, was benötigt wird, um Integration gelingen zu lassen und die Frage, wie diese Anforderungen im Zusammenspiel von Haupt- und Ehrenamt gemeistert werden können. An zahlreichen Tischen saßen nach den ersten Informations-Stunden Rehburg-Loccumer in kleinen Gruppen zusammen und diskutierten intensiv zu einzelnen Punkten. Welche Voraussetzungen sind für Sprachunterricht nötig? Wie können Ehrenamtliche qualifiziert werden? Wie bekommen sie interkulturelle Kompetenzen? Was ist in Schulen und Kindergärten notwendig? Was können Vereine tun? Wie wird Flüchtlingen im ländlichen Raum zu Mobilität verholfen? Wie können sie zu Arbeit kommen? Und wen können diejenigen ansprechen, die unterstützend wirken wollen? Den Sprachunterricht in den einzelnen Ortsteilen zu vereinheitlichen ist einer der Wünsche gewesen, die schließlich im Plenum vorgetragen wurden. Das Angebot, Flüchtlingen zu Fahrrad-Touren einzuladen, bei denen sie auch Verkehrsregeln lernen, war ein konkretes Ergebnis. Ein "Talent-Pool" soll von der Stadt in anonymisierter Form für Betriebe, die Praktika oder Arbeit anbieten, zusammengestellt werden. Im Loccumer Handwerker- und Gewerbeverein wird demnächst besprochen, ob Betriebe zu einem Stammtisch einladen, bei dem sich potentielle Arbeitgeber und Arbeitnehmer kennen lernen können. Neben allen Ideen und Einwürfen, in der Diskussion um alle Chancen, Möglichkeiten und Probleme, kam in sämtlichen Arbeitsgruppen aber auch zum Ausdruck, dass eine gute Kommunikation dessen notwendig ist, was an Anforderungen und an Hilfsangeboten besteht. Die Schnittstelle zwischen Ehrenamtlichen und der Stadt müsse sicherlich noch eindeutiger identifiziert werden, sagte Franke in seinem Schlusswort. Einen Vorschlag in dieser Beziehung hatte zuvor eine der Arbeitsgruppen gemacht. "Netzwerke neben den Netzwerken" müssten aufgebaut werden. Im Klartext meinte das, dass Ute Grolms, die im Rathaus für die Integrationsarbeit zuständig ist, Ansprechpartner für einzelne Bereiche brauche, die wiederum ein Netzwerk für ihren jeweiligen Bereich aufbauten. Klar definierte Aufgabenverteilungen, bei denen sie koordinierend wirken kann, wünscht sich Grolms – so etwa mit jeweiligen Ansprechpartnern zu den Themenfeldern "Arbeit", "Willkommensstruktur", "Mobilität, Einkauf und Vereine" oder auch "Schulen und Kindergärten". Etliche der angesprochenen Punkte werde die Stadt schnellstmöglich umsetzen, sagte Franke. Andrea Grimm, die gemeinsam mit ihrer Akademie-Kollegin Simone Schad-Smith und Ute Grolms die Veranstaltung vorbereitet hatte, brachte die künftige Arbeit auf den Punkt: "Packen wir es weiter an!" Dazu scheinen diejenigen, die der Einladung gefolgt waren, bereit zu sein. Solche, die sich ehrenamtlich engagieren wollen, können erste Informationen über die Website der Stadt www.rehburg-loccum.de bekommen. Dort ist ein Button "Flüchtlingshilfe" auf der Startseite angelegt, der Orientierung bietet. Foto: jan
