1. Orientierung bei schweren Entscheidungen

    Neue Mobile Ethikberatung in Lippe ("Melip") bietet unparteiische Hilfe

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    Kreis Lippe/Detmold (tl). Wer selbst über die Art und Weise seines eigenen Sterbens entscheiden möchte, setzt bei Zeiten im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte eine schriftliche Vorsorgevollmacht und eine Patientenverfügung auf. Damit die Papiere im Ernstfall auch vorliegen, sollte man seine gewählte Vertrauensperson darüber informieren, wo die Dokumente zu finden sind. Gerade in einer emotional belastenden Situation, in der es um Leben und Tod geht, braucht es schnelle Orientierungshilfe. Sollen beispielsweise nach einem Unfall oder bei einer schweren Erkrankung lebenserhaltende Maßnahmen eingeleitet werden oder nicht? Wenn dann keine Patientenverfügung vorliegt, oder es Konflikte in der Beachtung und Durchsetzung des Patientenwillens gibt – etwa zwischen Angehörigen, Hausarzt, Heimleitung – dann ist dringend unparteiische Unterstützung vonnöten. Ein gangbarer Weg: die mobile Ethikberatung in Lippe – kurz "Melip"– einzuschalten. Seit Anfang dieses Jahres wird die mobile Ethikberatung für Menschen mit Wohnsitz in Lippe angeboten, und zwar koordiniert durch den Ambulanten Hospizdienst, der Teil des Palliativnetzes Lippe ist. Rund 30 Experten aus den Bereichen Medizin, Pflege und Rechtswissenschaft haben sich inzwischen der Arbeitsgruppe Melip angeschlossen und sich zu zertifizierten "Ethikberatern im Gesundheitswesen" ausbilden lassen. Ziel der Ethikberatung durch ein zwei- bis dreiköpfiges Fachteam ist es, den mutmaßlichen Patientenwillen zu ermitteln, und daraus für die Konfliktparteien Anregungen für eine Behandlung beziehungsweise für deren Abbruch zu geben. "Unsere Beratungsergebnisse sind dabei immer Orientierungshilfen und Empfehlungen, die den Verantwortlichen Anregungen zur Entscheidung geben sollen. Ganz wichtig: Sie entbinden die Handelnden nicht von ihrer individuellen Verantwortung", betont Professor Fred Salomon, der vor seinem Ruhestand von 2011 bis 2013 Vorsitzender des Klinischen Ethikkomitees am Klinikum Lippe war. Er leitet das neue Dienstleistungsangebot gemeinsam mit dem niedergelassenen Hausarzt, Internisten und Palliativmediziner Johannes Niemand sowie Birgit Bleibaum und Andreas Lüdeke vom Ambulanten Hospiz- und Palliativ-Beratungsdienst Lippe. Derzeit wird für die Melip eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 180 Euro erhoben. "Aber im Bedarfsfall wird eine Beratung nicht am Geld scheitern", versichert die Leitung der Melip, die für ihre gemeinnützige Arbeit gerne Spenden entgegen nimmt. Bereits in seiner Habilitationsschrift hatte sich Salomon mit dem Thema "Leben und Sterben in der Intensivmedizin – Eine Herausforderung an die ärztliche Ethik" befasst. Für die ausgewiesene Koryphäe auf dem Gebiet bedeutet Ethik, "die Beurteilung eines Tuns oder Unterlassens unter dem Gesichtspunkt, welchen Wert es für den Menschen hat." Ethikberatung soll demnach erreichen, dass sich alle Beteiligten auf ein Handeln einigen, das dem individuellen Patientenwillen im Tun oder Unterlassen mutmaßlich gerecht wird. "Durch die Ethikberatung einen Konflikt auflösen zu können, ist ein äußert dankbares Ergebnis", sagt Mediziner Niemand, "denn ein würdiges Sterben wünscht sich schließlich jeder Mensch." Weiterführende Informationen gibt es unter "www.melip.de".

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