1. Keep going – Toccata in moto perpetuo

    Festliches Konzert zum neuen Jahr im Konzerthaus der Hochschule für Musik

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    Detmold (pgk). Wer kann schon von sich behaupten, einmal ein Konzert für Publikum, vier Solisten/Trainer, großes Schlagwerk und Orchester erlebt zu haben? Die Besucher des diesjährigen "Festlichen Konzerts zum Neuen Jahr" konnten ein solches "Aktionsfestival" unter der Leitung des Bloemeke-Nachfolgers Florian Ludwig (Professor für Dirigieren und Orchesterleitung) entdecken und mitgestalten – ein Werk, komponiert und arrangiert von dem englischen Musikvermittler Barry Russell. "Jetzt sind Sie dran" waren Ludwigs Worte zur Einleitung einer Phase in der zweiten Konzerthälfte, bei der das Publikum, eingeteilt in vier Gruppen mit den Vorsängern/Trainern Lea Maria Kruse, Doris Maria Ritter, Laurin Siebert und Fabian Kuhnen, animiert wurde, bestimmte Klatsch- und Trampelrhythmen – zum Teil durchaus anspruchsvoll - zu erzeugen. Wem gelingt es auf Anhieb, eigenwillige Urlaute wie "dubidubi dubidubi schack rekka da uu" exakt nach Rhythmus und Melodie zu rezitieren? Die Besucher des ausverkauften Konzerthauses jedenfalls konnten es – zum Teil mehr schlecht als recht - und waren dabei hör- und sichtbar bester Laune. Die anschließende Zusammenfassung aller gemeinsam erarbeiteten Einzelsequenzen und die abschließende "Toccata in moto perpetuo" (im Programmheft abgedruckt) mit Orchester- und Solisteneinsatz ließ dann letztendlich all diesen köstlichen Nonsens in einer intelligenten, quirligen musikalischen Gaudi münden, an der alle Beteiligten ihre Freude hatten. "Sie fühlen sich etwas nackt ohne Programm?"–"Das kann man so sehen" dachte sicherlich so mancher Konzertbesucher bei dieser etwas zwiespältigen Frage Ludwigs angesichts des völlig werkefreien Programmheftchens in seinen Händen. Aber diese nicht ausgedruckten Programmpunkte des Konzertabends hatten es in sich, einige in ganz besonderer Weise. Neben dem zauberhaft gesanglich musizierten "Schlittschuhläufer-Walzer" von Emil Waldteufel und der bekannten und brillanten "5000-Taler-Arie" aus Lortzings "Wildschütz"– in großartiger Tonschönheit und Agilität von Fabian Kuhnen vorgetragen – faszinierte die Zuhörer ein dreisätziges Flötenkonzert von Jules Mouquet, eigentlich für die Panflöte komponiert, hier aber von János Bálint, Professor für Flöte an der HfM Detmold, auf seiner goldenen Querflöte beeindruckend musiziert. Höchst überzeugend der abschließende "Tanz der Waldnymphen" mit seinen anspruchsvollen Staccato-Girlanden und effektvollen elegischen Einschüben, vom Hochschulorchester durch Ludwigs einfühlsames Dirigat sensibel begleitet. Zwei besondere Kleinode erwarteten den Zuhörer nach der Konzertpause, von denen das erste – warum auch immer – höchst selten in den Konzertsälen zu hören ist: Das einsätzige Werk "Waldesruh" für Violoncello und Orchester von Antonin Dvořák, ähnlich dem langsamen Satz eines Cellokonzertes, dem hier Verse von Joseph von Eichendorff als Einstimmung vorangestellt wurden. Xenia Jankovic, seit 2004 Professorin für Violoncello an der HfM Detmold, und Ludwig mit seinem Hochschulorchester gestalteten dieses wundersame hochromantische Idyll derart ausdrucksvoll und zauberhaft, dass nach seinem zarten Ausklang zunächst eine ergriffene Stille im Publikum eintrat. Nachdem die Publikumsfrage in Florian Ludwigs Anmoderation, welcher Staat die gleiche Melodie, wie Bedřich Smetanas höchst populäre "Die Moldau" in seiner Nationalhymne verwende, von einem Konzertbesucher spontan beantwortet wurde (Israel), konnten die Querflöten des Orchesters quirlig pulsierend mit der Darstellung der Moldauquellen beginnen bis schließlich zum ersten Aufblühen des großen Moldauthemas durch die Violinen. In all seinen tänzerischen, teils aber auch dramatischen und turbulenten Ausdrucksfacetten wählte Ludwig wunderbar ausgewogene Tempi und strahlte dabei immer eine gewisse Kontinuität und Gelassenheit aus, die die jungen Musiker des Hochschulorchesters aufnahmen und dieses romantische Meisterwerk vital und professionell zu einem großartigen Klangerlebnis ausgestalteten, das in Bravo-Rufen des Publikums mündete. Insgesamt konnte der Konzertbesucher aus verschiedenen Musikerreaktionen den Eindruck gewinnen, Hochschulorchester und sein neuer, relativ ausgeglichen wirkender Leiter kommen recht gut miteinander aus. Dass Kunst auch einen politischen Auftrag wahrnehmen kann, machte Ludwig mit der Gestaltung einer Zugabe deutlich, indem er den allseits bestens bekannten Radetzky-Marsch zwar originalgetreu, aber im Walzertakt spielen ließ, "... weil im letzten Jahr in der Welt zu viel marschiert wurde."

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