Lügde (afk). Der Heimat- und Museumsverein hatte zu einem Grimm-Vortrag von Jürgen Hinrichs aus Falkenhagen ins Heimatmuseum eingeladen. Und das aus aktuellem Anlass: Lügde ist seit dem letzten Jahr in die Deutsche Märchenstraße aufgenommen worden. Der Historiker lieferte die Hintergründe dazu, befasste sich mit den Märchen und Sagen vom Köterberg und mit der Arbeit der Gebrüder Grimm. Hinrichs räumte zunächst mit den gängigen Klischees über die Arbeit der Gebrüder Grimm auf. Es sei ein Irrtum, dass die beiden über die hessischen Dörfer zogen und Märchen sammelten. Die Frauen und Männer, die ihnen ihre Märchen zutrugen, sind zu ihnen gekommen. Jacob und Wilhelm Grimm haben sich fast alle Märchen in ihrer Kasseler Wohnung erzählen lassen. Die Märchen auf dem Köterberg bilden eine Ausnahme. Hier hat Wilhelm Grimm tatsächlich vor Ort gesammelt und das in einem Brief an August von Haxthausen dokumentiert. Das ist besonders bedeutungsvoll und sollte intensiv in die Grimm-Forschung eingebracht werden! Wichtig für den Lügder Raum auch seine Beziehungen nach Bökendorf, einem Ortsteil von Brakel. Jürgen Hinrichs zeigte die Begegnungen mit den Haxthausens, Jenny (der Wilhelm Grimm zugeneigt war) und Annette von Dost-Hülshoff auf, die er eher ablehnte. Unermüdlich waren die Grimms im Überarbeiten, renovieren, neu entwickeln, umschreiben. Ihr Motto: Nur wer die Details beachtet, das Kleine, das Unscheinbare, der versteht das Ganze. "Das ist eine Weisheit, eine Mahnung in unserer Zeit, wo das Spektakuläre, das Auffällige im Vordergrund steht und Beachtung findet", stellte Jürgen Hinrichs heraus. Positiv wurde diskutiert, eine Statue von Wilhelm Grimm mit einem erzählenden Schäfer auf dem Köterberg zu errichten. Eine Tafel könne angefügt werden, aus der hervorgeht, dass das Märchen von den drei Vögelchen, das der Schäfer Wilhelm Grimm vor Ort erzählt hat, in 15 Sprachen übersetzt worden ist. Hinrichs Vorschläge: "Zur Einweihung der Köterberg-Plastik sollten die Kulturattachés oder Konsuln der Länder eingeladen werden, in deren Sprache das Grimm-Märchen übersetzt worden ist. Vielleicht kreieren die Brands vom Köterberg dafür ein Gericht, wie es Dorte Grimm ihrem Mann serviert hat." Einen Vorgeschmack mit Grimm-Gebäck aus dem kürzlich entdeckten Haushaltsbuch von Dorte Grimm bot auf der Veranstaltung bereits Hubert Klenner vom Café Liuhidi an. "Die Internationalität von Lügde und seine Bedeutung an der Märchenstraße wären dann perfekt", schwärmt Jürgen Hinrichs.
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Märchenrolle intensiver nutzen
Hinrichs referierte: Neue Erkenntnisse der Grimm-Forschung
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