Lemgo (pro). Noch schöner als die Taube auf dem Dach ist der Turmfalke über dem Bürofenster, findet Familie Noltekuhlmann in Lemgo-Wittighöferheide: Schon seit 2011 beobachtet Martin-Kuhlmann alles rund um den Brutverlauf in seiner Nisthilfe mit großer Genauigkeit. Im Ortsverband Lemgo ist er außerdem Ansprechpartner für das Projekt "Schwalbenfreundliches Haus" und wusste auf der Monatsversammlung am 11. Januar auch dazu einiges aus 2015 zu berichten. Die rund 40 Zuhörer im Saal des Stadtpalais kamen in den Genuss ausführlichen Bild- und sogar Videomaterials, das sich über Dreiviertel des vergangenen Jahres erstreckte. Für besondere Erheiterung sorgten Bewegtbildaufnahmen des Falkenweibchens, das mit großem Geschick bei jeder noch so kleinen Regung in der Umgebung wachsam aus der Nisthilfe aufsprang. "Natürliche Nistgelegenheiten werden immer rarer, beispielsweise Felswände und Nischen in Gebäuden. Das Anbieten von Nisthilfen ist also unbedingt erwünscht", stellte Noltekuhlmann fest. Im vergangenen Jahr zog das vermutlich noch junge Turmfalkenpaar an seinem Zuhause zwei Jungvögel groß: "Einige Verhaltensweisen sprachen dafür, dass die Vögel zum ersten Mal gebrütet haben." Der Nachwuchs hatte dieses Mal vergleichsweise viel Platz für erstes Flügelspannen, denn "es gab auch schon Jahre, da hatten wir sechs Junge auf einmal da oben drin. Da haben manche immer nur hinten drin gesessen, und konnten gar nicht vorne rausgucken." Martin Noltekuhlmann stellte zudem die zeitlichen Abläufe der Fortpflanzung genau dar. Demnach habe sich das Ausspähen einer geeigneten Brutstätte über die Jahre vom üblichen März teilweise schon in den Januar vorverlagert. Nur mit Glück konnte sich das finale Brutpaar gegen zwei andere gefiederte Gespanne durchsetzen, die um die Nisthilfe der Noltekuhlmanns bis März konkurrierten. Ende April zeigten sich die ersten Eier auf den Bildern der über dem Nest angebrachten Kameras, nach einem weiteren Monat schlüpften die Jungvögel. Bis Ende Mai wandelte sich das Flausch- in Erwachsenenfederkleid, was die Zuhörerschaft auf Bildern im Zeitraffer bestaunte. "2015 haben wir sogar beobachten können, dass der Nachwuchs nach der Nestflucht zur Brutstätte zurückkehrte – was absolut kein Muss ist, manchmal waren die Tiere dann auf und davon". Passend schloss sich Dietmar Lerche, Sprecher der Lemgoer Nabu-Gruppe, mit einem Bericht über den Brutkastenbau im Liemer Schulgarten im Juli an. Die Verbringung bereits fertig gestellter "Luxuskästen" in den Staffpark wurde ebenso erfreut zur Kenntnis genommen. Aus vier ornithologischen Wanderungen ergaben sich unter anderem am Schloss Brake und im Bereich des Gut Büllinghausen erfreuliche Ergebnisse: Allerorts überstiegen die gesichteten Arten den Mittelwert der vergangenen Jahre. "Für wissenschaftliche Auswertungen sind die Daten nicht unbedingt geeignet", fügte Lerche schmunzelnd hinzu, "vielleicht waren wir manchmal einfach besser im Entdecken, als in anderen Momenten". Aus dem Projekt "Lebensraum Kirchturm" berichtete Ingo Briegel vom Nabu Lemgo über die wichtige Unterstützung der Gemeindeküster in St. Pauli, St. Johann, St. Georg und St. Nicolai. Die steigende Zahl der Nistkästen sei durch gutes Annehmen verschiedener Arten, auch einmal unerwarteter Dohlen auf dem Vorjahresnistplatz der Schleiereulen, bestätigt worden. BUZ
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Federvielfalt und Falken in Lemgo
Nabu blickte beim Monats-Treff auf 2015 zurück
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