Lemgo-Brake (nr). Bereits zum 28. Mal ist das Stipendium "Junge Kunst" in Lemgo ausgelobt worden. Drei junge Künstler waren in die engere Wahl gekommen. Dieses Jahr geht das Stipendium an Francisco Montoya Cázarez, der die Jury mit seinen Installationen voller Ambivalenz überzeugt hat.
Es ist längst Tradition, dass die Wettbewerbsarbeiten um das Stipendium "Junge Kunst" das neue Kunstjahr in Lemgo einläuten. 80 junge Künstler hatten sich um das Stipendium beworben. Die Arbeiten von Francisco Montoya Cázarez, Julia Schewalie und Olga Jakob haben die sechsköpfige Jury besonders beeindruckt. Die Wahl zur Vergabe des Stipendiums mag der Jury nicht leicht gefallen sein, sind die so unterschiedlichen Arbeiten der jungen Künstler doch in sich so einmalig, wie beeindruckend und kaum miteinander zu vergleichen. Die Wahl fiel letztendlich zugunsten des Mexikaners Francisco Montoya Cázarez. Er wurde 1985 in Mexiko geboren, studierte von 2004 bis 2007 an der Kunsthochschule La Esmeralda in Mexiko-Stadt und ab 2007 an der Kunsthochschule Braunschweig, wo er Meisterschüler von Candice Breitz war. Für die Dauer einer Jahres erhält er Atelier, Wohnung und für die Dauer von vier Wochen eine Einzelausstellung in der Galerie Eichenmüllerhaus. "Wir haben hier drei ganz unterschiedliche künstlerische Haltungen, Sprachen und Ausdrucksformen", erklärte Roland Nachtigäller, künstlerischer Direktor des Museums "Marta" in Herford. "Francisco Montoya Cázarez unterscheidet sich insofern von den Arbeiten der beiden Mittbewerberinnen, als dass er vorwiegend nicht auf dem Rechteck der klassischen Leinwand arbeitet, sondern Installationen präsentiert, die in den Raum hineinzuspringen scheinen." Diese, an Gewaltthematiken angelehnten Installationen lassen den Betrachter irgendwo zwischen ästhetischer Formgebung und dem Wissen um die Realität wanken. "Trümmer", "Coma" oder ein erst ungewöhnlich anmutendes Wasserspiel, das ins Auge fällt und erst bei genauerem Hinsehen sich versteckende abstruse Grausamkeiten offenbart: "Waterboarding fountain": Wasserspiel oder doch eher Folterinstrument? " Es geht um die Grausamkeiten in der Welt", verrät der Künstler. "Es ist die Konzeption einer Verbindung von etwas so Schrecklichem mit etwas Beruhigendem, Lebensspendenden und es ist spannend, was die Installation plötzlich mit dem Raum macht. Er taucht ein in eine Welt aus Geräuschen und Licht." Francisco Montoya Cázarez arbeitet gerne und überwiegend mit Materialien, die auch für den Betrachter einen hohen Wiedererkennungswert haben. Auch hier ist es das Wissen um die Realität, die seine Kunst wie eine einzige große Sinnfrage in den Raum stellt und in ihrer Ästhetik Gedanken formuliert, die in ihrer Widersprüchlichkeit schwer zu greifen sind. Die Arbeiten von Julia Schewalie sind dagegen die Übersetzung einer malerischen Haltung in Materialität. "In ihren rein schwarzen Arbeiten erkennt man schnell die Fragmentierung, die die Künstlerin durch die Verwendung so unterschiedlicher Materialien, wie Tonträger oder Schallplatten erreicht", betrachtet Roland Nachtigäller die Arbeiten. "Durch das neue Zusammensetzen unterschiedlicher Strukturen erreicht sie eine schimmernde, strukturierte Oberfläche, die das Auge anzieht, wie auch gleichzeitig abstößt." Dabei ist die unglaubliche Tiefe, die sie durch das glänzende Schwarz erhält im nächsten Moment wie ein Spiegel, der den Blick nur zu reflektieren scheint. In einem Moment fällt man in das Schwarz hinein und im nächsten Augenblick erscheint es wie eine alles reflektierende Oberfläche, schier undurchdringbar für das Auge. Die dritte, ausstellende Künstlerin, Olga Jakob, greift in ihren Arbeiten auf die Abstraktion zurück. Sie hebt die konventionellen Grenzen eines Bildes auf, indem sie durch die Materialität konterkariert werden. "Ich verwende Stoffe, Fäden oder Pappe, um reliefartige Strukturen entstehen zu lassen", erklärt sie und mit einem Blick auf die indirekte Beleuchtung führt sie weiter aus: "Meine Bilder leben mit der Beleuchtung. Manchmal verschließen sie sich, ja, entziehen sich geradezu und scheinen fast zu einer monochromen Fläche zu werden, nur um aus einem anderen Blickwinkel oder in einem anderen Licht wieder als Relief zu erscheinen." Die über eine Widersprüchlichkeit zusammenfindende Ausstellung, die in ihrer künstlerischen Ausdruckfähigkeit den Blick auf eine sich entfremdende Welt wirft, will die Eigenständigkeit der Kunst offenbaren. Kunst nicht als Ab- oder Zerrbild, sondern als künstlerisch-ästhetischer Blick auf das, was berührt. Die Ausstellung "Wettbewerbsarbeiten" zum Stipendium "Junge Kunst", werden noch bis zum 24. Januar, Donnerstag bis Sonntag jeweils von 10 bis 18 Uhr in der Städtischen Galerie Eichenmüllerhaus, Braker Mitte 39 zu sehen sein.
