Detmold (vfc). Manchmal bedürfen die Umstände außerordentlicher Maßnahmen. Auch die Kunst muss sich gelegentlich dann der Realität beugen. "Bei einer Produktion mit Studierenden steht man immer vor besonderen Herausforderungen", gesteht Regisseurin Birgit Kronshage. Sie bringt mit den Studierenden der Hochschule für Musik Detmold "Konstanze auf Naxos" auf die Bühne. Eine aus den gegebenen Umständen heraus neu geborene Opern-Melange: Richard Strauss’ Spiel im Spiel "Ariadne auf Naxos" und Wolfgang Amadeus Mozarts Singspiel "Die Entführung aus dem Serail". Aus zwei abendfüllenden Opern entsteht so eine: "Konstanze auf Naxos"– ein dramaturgisch experimentierfreudiges und deswegen durchaus gewagtes Opernprojekt, das am Samstag den 9. Januar im Sommertheater Premiere feiert. An einer Musikhochschule sind mit einer Opernproduktion stets auch Abschlussprüfungen der Studierenden verknüpft, die einen ihrer Prüfungsteile im Rahmen einer praktischen Operninszenierung absolvieren können. Für ihren Abschluss im derzeitigen Semester hatten sich zwei Sopranistinnen Partien aus Strauss’"Ariadne" auserkoren: die der Zerbinetta (Anaya Hubach) und des Komponisten (Rebecca Blanz). Eine dritte Kollegin, Franziska Giesemann, wählte hingegen die Partie der Konstanze aus Mozarts "Entführung". Wie nun diese drei Rollen innerhalb einer Opernproduktion auf einen dramaturgisch sinnvollen Nenner bringen? Birgit Kronshage, die einen Lehrauftrag für szenischen Unterricht an der Detmolder Hochschule inne hat, wandelte die sie ereilende Not in eine kunstvolle Tugend und erstellte aus beiden einzelnen Opernwerken kurzentschlossen eine zusammenhängende Neufassung. "Ich hatte schon seit längerem die Idee, Strauss’ großartige Oper auf die Bühne zu bringen. Allerdings ist die komplette "Ariadne" als Hochschulproduktion ungeeignet", meint die Regisseurin. Insbesondere aufgrund der Besetzung der hoch anspruchsvollen Gesangspartien ist sie im Rahmen einer Hochschulinszenierung fast nicht umsetzbar. Aber in einer reduzierten Spezialversion durchaus denkbar. Was zunächst nach einem dramaturgischen und stilistischen Fauxpas klingen mag, gelingt Birgit Kronshage durch einen simplen, aber klugen Regie-Schachzug. Strauss’ und Mozarts Opern werden miteinander verknüpft, ohne sie drastisch zu beschneiden. "Die musikalische Verknüpfung von Mozart und Strauss funktioniert, weil beide Komponisten, trotz aller stilistischen Unterschiede, diese Wiener Leichtigkeit und zugleich Ernsthaftigkeit in ihrer Musik tragen," erläutert die Regisseurin, die lange Zeit als Leiterin der Studiobühne am Theater Bielefeld tätig war. Zumal der gesamte Orchesterpart vom Flügel aus beigesteuert wird (Musikalische Leitung: Ivan Törzs) und dadurch eine klangliche Klammer zwischen der sonst recht unterschiedlichen Orchesterbesetzung beider Opern gewährleistet ist. Sämtliche Texte, ob gesungen oder gesprochen, sind Originalzitate aus beiden Partituren, allerdings stark eingekürzt. Das gilt auch für die einzelnen musikalischen Nummern aus beiden Opern, die auf eine knapp zweieinhalbstündige Spieldauer reduziert wurden. Den ersten Teil der Spezialfassung macht das "Vorspiel" aus Strauss’ Oper aus. Ein Abgesang auf den Widerstreit zwischen der Authentizität der Kunst und dem sie einschränkenden Zumutungen des realen Kunstbetriebs – eine kongeniale Szenerie, die das Duo aus Strauss und seinem Textdichter Hugo von Hofmannsthal hier schuf. Am härtesten trifft diese Unversöhnlichkeit die Figur des Komponisten. Sein Auftraggeber verlangt das Unmögliche: er soll eine Opera seria mit einer Opera buffa, die tragische mit einer komischen Komponente, zu einem schillernden Zwitterwesen verbinden und zu allem Unglück alles möglichst gestaucht binnen weniger Stunden Spieldauer über die Bühne gebracht haben. Die Theatertruppe bietet also, im originären zweiten Teil der Strauss Oper, das Spiel "Ariadne auf Naxos". Regisseurin Birgit Kronshage fügt nun an dieser Stelle ihre Kurzfassung von Mozarts "Entführung aus dem Serail" ein. Konstanze alias Ariadne ist mit ihrer Zofe Blonde und deren Liebhaber Pedrillo auf einer osmanisch-exotischen Insel gestrandet und wartet sehnsuchtsvoll und dem Tode nahe auf ihren Geliebten Belmonte. Der irrt auf der Insel, dem Reich des Bassa Selim (besetzt durch Kronshages Kollegen Thomas Mittmann, der üblicherweise bei den Hochschulproduktionen Regie führt) und allen Widrigkeiten Osmins ausgesetzt, umher, um seine Verlobte aufzufinden. Die Proben zu dieser besonderen Fassung begannen mit Semesterbeginn im Oktober 2015. Zunächst wurde musikalisch gearbeitet, dann folgten dreimal wöchentlich die szenischen Proben. "Eigentlich hätten wir das dreifache an Proben benötigt," gesteht Birgit Kronshage, für die es die erste Regie für eine Hochschulproduktion in Detmold ist. Die größte Herausforderung sei daher die Zeit gewesen, in der diese zwei Spielopern mit ihren jeweiligen umfangreichen Personnagen auf die Bühne gebracht werden mussten. "Da gebührt mein großes Lob allen Studierenden," so Kronshage. "Es ist nicht leicht, was sie bei dieser Inszenierung zu leisten haben." Die Wiener Opern-Melange aus Strauss und Mozart kann das Publikum am Samstag und Sonntag, 9. und 10. Januar jeweils um 19.30 Uhr im Sommertheater einem eigenen Geschmackstest unterziehen. Karten für beide Vorstellungen zu 7,50 Euro sind über das Haus der Musik in Detmold oder an der Abendkasse erhältlich.
-
Melange aus Mozart und Strauss
Winterproduktion der Opernschule der Hochschule für Musik
Dieser Eintrag wird bereitgestellt durch Schaumburger Wochenblatt | Impressum
