Elbrinxen (afk). Bis wenige Stunden vor der Doppelaufführung des "Dinner for one" in der Elbrinxer Marktscheune schien alles so wie immer: "The same procedure as every year" wie Miss Sophie mit verheißungsvollem Augenaufschlag ihrem Butler James anschmachtet. Aber so war’s in der inzwischen zwölften Auflage dieses Fernseh-Kultstücks dann doch nicht: Kurzfristig musste Miss-Sophie-Darstellerin Reinhild Blum krankheitsbedingt absagen. Sowas ist in der Regie nun gar nicht vorgesehen: Eigentlich ist es sogar eine Katastrophe, denn eine Zweitbesetzung hat die Elbrinxer Dorfbühne für dieses nur an Silvester zweimal gespielte Zweipersonenstück nicht eingeplant, denn beide Hauptdarsteller Reinhild Blum und Detlef von der Heide erfreuten sich trotz hohen Bühnenalters (es geht bei der imaginären Feier mit vier längst verstorbenen männlichen Freunden immerhin um den 90. Geburtstag der ehrwerten Dame) in der Realität zum Glück bisher stets bester Gesundheit. Bisher. Aber manchmal kommt eben auch mal etwas anders als geplant. Die Generalprobe Tage zuvor lief bestens – alles war eigentlich wie immer. Und dann am Silvestermorgen die unheilvolle Nachricht, die die Dorfbühne in Unruhe, aber nicht in Ratlosigkeit versetzte. Beide Aufführungen waren bereits seit langem ausverkauft, alle jeweils 172 Sitzplätze in dem schnuckeligen, urgemütlichen kleinen Theater waren besetzt. Absagen? Selbst jener Gast, der schon Stunden vor der Eröffnung des Kartenvorverkaufs angestanden hatte, wäre wohl tief enttäuscht gewesen wie eben auch all die anderen, die seit Jahren diesem Live-Erlebnis in der Marktscheune entgegenfiebern und für die "Dinner for one" auch den humorvollen Einstieg in die Feiern zum Jahreswechsel darstellt. Sie einfach nach Hause schicken? 22 Mal war alles gut gegangen – aber wie kommt man nun aus dieser Personalklemme heraus? Die Elbrinxer Dorfbühne verfügt schon über einen größeren Stamm an Schauspielern, aber mit den Rollen des Dauerbrenners "Dinner for one" hatte sich bisher niemand außer Detlef von der Heide und Reinhild Blum beschäftigt. Eine Umbesetzung (und dann noch so kurzfristig) war aus diesem Personalfundus nicht möglich. Aber dann gab’s die rettende Idee: Hinter dem Vorhang sitzt seit vielen Jahren die Souffleuse in Person der Vorsitzenden des Heimat- und Verkehrsvereins, Katrin Buhr. Sie kennt den Text beider Schauspieler in- und auswendig, kann ihn vermutlich sogar im Schlaf runterrattern. Von der ersten Probe an war sie wieder im Geschehen mitten drin, wenn auch nie auf der Bühne sondern immer im Verborgenen, wie das bei "Vorsagern" so üblich ist. Kurze Diskussion, dann die schneidige Ansage: "Gebt mir ein Kleid!" Das war dann das geringste Problem, denn davon gibt’s im Kostümfundus der Dorfbühne einige Auswahl auch in Katrin Buhrs Größe. Als sich der Vorhang über der dem TV-Original nahezu identisch nachgebauten Kulisse zur ersten Vorstellung am frühen Nachmittag in der Marktscheune hebt, dürfte die Umbesetzung zunächst wohl nur den langjährigen Besuchern der Elbrinxer "Dinner for one"-Aufführung aufgefallen sein Alles läuft reibungslos: Der gealterte Butler James stolpert beim Servieren diverser kulinarischer Spezialitäten und beim Einschenken von alkoholischen Getränken regelmäßig über den Tigerkopf und wird mit jeder Runde, in der er in alle Rollen der imaginären Geburtstagsgäste Admiral von Schneider, Mr. Pommeroy, Mr. Winterbottom und Sir Toby schlüpfen und mit der Gastgeberin anstoßen muss, in den Bewegungen unkontrollierter. Detlef von der Heide zieht alle Register seines schauspielerischen Könnens, verkörpert sein Alter Ego locker und perfekt und reißt das Publikum (das weiß natürlich ganz genau, was passieren wird und muss) immer wieder zu Lachsalven und Szenenapplaus hin. Selbst die schwierigste Situation, als er mit Schwung die Rückenlehne der dinierenden Miss Sophie erfasst und sie samt Stuhl nach hinten kippt, klappt bestens. Am Ende wie immer begeisterter Applaus, der sich dann noch steigert als Oliver Jürgens vom Heimat- und Verkehrsverein erläutert, welche Geschichte es diesmal hinter der Geschichte um das Dinner der Adelsdame gegeben hat. Das wiederholt sich auch nach der zweiten Vorstellung und schnell schicken die Schauspieler noch ein Foto von der Bühne mit dem Publikum im Hintergrund zu Reinhild Blum ins Krankenhaus. Eines ist garantiert: Über diese Ausgaben 23 und 24 von Dinner for one" werden in den nächsten Jahren noch einige viel zu erzählen haben - vor allem die "Ersatz-Miss" Katrin Buhr nach ihrer Premiere auf der Bühne. Und das Publikum? Es erlebte "Dinner for one" als "the same procedure as every year".
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Diesmal nicht dieselbe Prozedur
Zweimal "Dinner for one"– und doch mal anders
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