Lügde (afk). "Ich habe einen Schock bekommen, als ich hier zufällig vorbeikam und die alte Friedenseiche nur noch in Stücken vor mir lag", beschreibt der Lügder Heimatforscher Manfred Willeke seine Gefühle im Herbst 2011. Dieser symbolische Baum, der 1871 gepflanzt worden war, musste damals notgedrungen dem Neubau des Kreisels weichen. Aber bereits im Mai 2012 wurde dieser Baum ein paar Meter versetzt in unmittelbarer Nachbarschaft zum Lügder Kloster ersetzt. Er ist inzwischen angewachsen und hat auch bereits ausgetrieben. Jetzt ist auch die dazugehörige Gedenktafel offiziell im Beisein von Landrat Dr. Axel Lehmann, Bürgermeister Heinz Reker und geladenen Gästen aus Lügde und Bad Pyrmont übergeben worden. Die Kosten für den Ersatz der bei den Bauarbeiten abhanden gekommenen Hinweistafel hat der Landesbetrieb Straßen NRW übernommen. Zur Vorgeschichte: Nahezu überall in den Städten und Dörfern, so auch in der Großgemeinde Lügde, sind nahezu zeitgleich Friedenseichen gepflanzt worden, als die Menschen sich danach sehnten, die Kleinstaaterei in Deutschland zu beenden. "Wer zu jener Zeit von Lügde nach Hameln wollte, der musste beispielsweise viermal Wegezoll zahlen", erinnerte Willeke.1870 war zwischen Deutschland und Frankreich ein Streit um die spanische Krone entbrannt. Die "Emser Depesche" bracht dann das Fass zum Überlaufen, als am 19. Juli 1870 Frankreich Preußen den Krieg erklärte. Die Kriegsbegeisterung in Deutschland war riesig, auch im Fürstentum Waldeck-Pyrmont. Aus dem dreitausend Einwohner zählenden Lügde zogen einhundert Männer ins Feld. Die Deutschen besiegten im September die Franzosen. Um die deutsche Einheit nun verwirklichen zu können, musste Bismarck mit den Königen von Württemberg und Bayern mehrfach verhandeln, denn diese wollten sich nicht dem Deutschen Reich anschließen. Schließlich einigte man sich. Das gipfelte dann im Versailler Vertrag vom 18. Januar 1871, bei dem 22 deutsche Fürsten und Vertreter der Reichsstädte das neue deutsche Reich gründeten. Kaiser wurde Wilhelm I. von Preußen. Diese Reichsgründung war dann der Anlass dazu, dass in vielen Städten "Friedenseichen" gepflanzt wurden. "Kaum aber jemand weiß heute noch, warum es dazu gekommen war", sagt Manfred Willeke. In Lügde wurde der Baum 1871 am Niederen Tor gesetzt. Er sollte an die beiden gefallenen Lügder Soldaten Carl Schrader und Ignatz August Knedeisen und an den offiziellen Friedensschluss vom 10. Mai 1871 erinnern. Landrat Axel Lehmann, promovierter Historiker, nahm die Gelegenheit wahr und schlug einen Bogen zu den gegenwärtigen kriegerischen und terroristischen Ereignissen. Das Thema Frieden sei aktueller denn je, meinte er und zog Parallelen. Bürgermeister Heinz Reker, in dessen Heimatdorf Wörderfeld auch eine Friedenseiche steht und sogar eine Straße danach benannt worden ist, forderte auf, sich mit dem Thema Frieden intensiv auseinanderzusetzen. Zum Erinnerungsfoto gruppierten sich die Besucher unter der jungen Friedenseiche, die nun auch mit der neuen kleinen Erläuterungstafel mit wesentlichen Informationen zu ihren Füßen aufwarten kann.
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Erinnerungstafel an der Friedenseiche
Straßen NRW ersetzt das Info-Schild am Niederen Tor
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