1. Die Wahrnehmung schärfen

    Kunstverein sowohl zurück als auch in die Zukunft

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    Oerlinghausen (kd). Der Kunstverein Oerlinghausen besteht seit 40 Jahren. Zum Jubiläum sind hochkarätige Ausstellungen sowie ein Kunstpreis geplant. Junge Meisterschüler sind eingeladen, eine Woche lang in Oerlinghausen zu arbeiten. Von ihnen erwartet der Kunstverein Auskunft über künstlerische Positionen der Zukunft "Wir wollen nicht nur ein gutes Programm anbieten, wir brauchen ein sehr gutes Programm", sagte der künstlerische Leiter des Vereins, Fred Schierenbeck. Gemeinsam mit weiteren Vorstandsmitgliedern erläuterte er die Vorhaben. Bei der Auswahl der Künstler, die in der ehemaligen Synagoge ausstellen werden, wurde versucht, die zurückliegenden 40 Jahre zu spiegeln. Gleichzeitig soll an die frühere Nutzung des Gebäudes als Bethaus angeknüpft werden. Zu Beginn werden recht zarte Landschaftsbilder der Malerin Käthe Loewenthal (1878 bis 1942) gezeigt. Sie stammte aus einer jüdischen Familie und wurde in einem Lager in Polen ermordet. Der Historiker Jürgen Hartmann hatte den Kunstverein auf Käthe Loewenthal aufmerksam gemacht. Eine Schwester und ihre Mutter hatten zeitweilig in Lipperreihe gelebt. Zur Eröffnung der Ausstellung am 24. Januar werden zwei Großneffen der Malerin erwartet. Einer von ihnen, Prof. Dr. Wulf Herzogenrath, Direktor der Sektion Bildende Kunst der Akademie der Künste in Berlin, wird die einführenden Worte sprechen. Am 11. Februar wird Alfons Haselhorst in der Kirche St. Michael ein Orgelkonzert mit Synagogalmusik geben, in einer Lesung werden Texte der Künstlerin vorgestellt. Zu einem Gesprächsabend am 6. März hat der Kunstverein den Vorsitzenden des Vereins "Lebenswerk Käthe Loewenthal", Jürgen Friedrich aus Emden, eingeladen. Zu allen Ausstellungen bietet Dorothee Sommer einen Nachmittag "Kinder als Kunst-Entdecker" an, ebenso wird es wieder das "Kunstgespräch am Donnerstag" geben. Als Vertreter der polnischen Kunst, die der Kunstverein schon häufig präsentiert hat, wird Wieslaw Smetek nach Oerlinghausen kommen. Seine Malerei und Illustrationen sind vom 10. April an zu sehen. Mit seinen "Kopffüßlern" wurde der Maler, Grafiker und Bildhauer Horst Antes international bekannt. Es sei daher ein wahrer Glücksfall, sagte Schierenbeck, dass er ab August aktuelle Werke in Oerlinghausen ausstellen wird. "Es ist interessant zu sehen, wie sich seine Arbeit entwickelt hat." Antes, Mitbegründer der neuen figurativen Malerei und Bildhauerei in Deutschland, wird im Oktober 80 Jahre alt. Er war einer der Protagonisten der Aufbruchstimmung in den sechziger und siebziger Jahren. Das Jubiläumsjahr beschließt Hellmut Bruch mit der Ausstellung "Licht und Proportion". Der Österreicher Bruch (geboren 1936) knüpft an die Tradition der gegenstandslosen, abstrakten Kunst an. Ein weiteres herausragendes Ereignis ist der Kunstpreis mit dem Titel "Sieben Künstler, sieben Tage". In einer Ausschreibung lädt der Kunstverein junge Künstlerinnen und Künstler ein, sich zu bewerben. Eine Jury wird ermitteln, wer sieben Tage lang ein künstlerisches Projekt gestalten kann. "Die künstlerischen Interventionen werden unsere Wahrnehmung schärfen und eventuell verändern", sagte Schierenbeck. Der Kunstpreis ist mit 1.000 Euro dotiert. Darüber hinaus wagt Kunstverein Oerlinghausen einen weiteren Blick nach vorn. Mit einem Symposium soll eine Standortbestimmung erfolgen: "Kunstverein(t) – gestern – heute – morgen" lautet das Thema.

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