1. Das Leiden wurde gelindert

    Mitglieder einer Freikirche halfen einer jungen Patientin

    Dieser Eintrag wird bereitgestellt durch Schaumburger Wochenblatt | Impressum

    Leopoldshöhe (kd). Polina Churilova wird Weihnachten 2015 nicht so schnell vergessen. Einen Monat lang hielt sich die 23-jährige Frau aus der Ukraine in Leopoldshöhe auf. Allerdings nicht, um in Deutschland Geschenke zu kaufen. Die Krankenschwester, die andere Menschen in ihrer Freizeit medizinisch versorgt, war plötzlich selbst auf Hilfe angewiesen. In Ostwestfalen konnte ihr Leiden gelindert werden. Das ukrainische Gesundheitssystem ist mit dem deutschen Standard nicht zu vergleichen. Auch staatliche Krankenhäuser sind auf Sachspenden aus dem Ausland angewiesen. Daneben arbeiten auch private Institutionen. So hat die Christliche Medizinische Vereinigung der Ukraine landesweit Gesundheitszentren eingerichtet. Bereits seit 20 Jahren unterstützt die Evangelisch-Mennonitische Freikirche in Bielefeld eines dieser christlichen Gesundheitszentren in Kirowograd/Ukraine. Ärzte und andere medizinische Fachkräfte helfen kostenlos und ehrenamtlich. Ihre Patienten sind mittellos, einige stammen aus den umkämpften Gebieten. Die Stadt mit 232.000 Einwohnern in der Mitte des Landes hat 1.800 Flüchtlinge aus dem Osten der Ukraine aufgenommen. Auch Polina Churilova engagiert sich dort in ihrer Freizeit. Als ausgebildete Krankenschwester in einer staatlichen Poliklinik kümmert sie sich im Hauptberuf um die Nachsorge von Patienten zu Hause. Vor kurzem ist sie selbst erkrankt und leidet unter geschwollenen Beinen (Lymphödem). In ihrer Heimat konnte sie nicht adäquat versorgt werden. Die Diagnose und Therapie erwiesen sich als fehlerhaft. "Als uns ein ukrainischer Arzt darüber infomiert hat, haben wir uns sofort entschlossen zu helfen”, berichtete Peter Block von der Evangelisch-Mennonitischen Freikirche. Die 200 Mitglieder finanzierten die Anreise (18 Stunden mit dem Zug und 23 Stunden mit dem Bus) und brachten die junge Frau privat bei dem Ehepaar Katharina und Peter Block in Leopoldshöhe unter. In den zurückliegenden vier Wochen wurde die junge Frau mehrfach fachärztlich untersucht, therapeutisch behandelt und mit den erforderlichen medizinischen Hilfsmitteln ausgestattet. Vieles davon erfolgte auf ehrenamtlicher bzw. Spendenbasis. Peter Block begleitete die Patientin als Übersetzer. In einem Wuppertaler Krankenhaus konnte sogar kurzfristig ein Termin realisiert werden. Hier hat sich der Verdacht erhärtet, dass es sich um ein angeborenes Lymphödem handelt. Ein Physiotherapeut im Ruhestand, Mitglied der Kirchengemeinde, hat Polina Churilova drei Mal pro Woche mit manueller Lymphdrainage behandelt. Der Aufwand hat sich gelohnt: Inzwischen ging die Schwellung zurück. "Bei diesem chronischen Leiden ist eine Unterstützung von außen ganz wichtig. Sie muss jetzt dauerhaft Kompressionsstrümpfe tragen", erklärte Michael Wilms, Gebietsleiter der Julius Zorn GmbH aus Aichach. Als marktführender Hersteller hat sich das Unternehmen bereit erklärt, zwei Garnituren der nach Maß angefertigten Strümpfe im Wert von 1.200 Euro kostenlos zu überlassen. "In diesem Fall machen wir das gern", sagte Wilms bei der Übergabe in Bielefeld. Er entsprach damit einer Anfrage von Martin Elbracht, dem Geschäftsführer des Bielefelder Sanitätshauses Rosenhäger. Er hatte von der Patientin erfahren und seine Kontakte genutzt, um Hilfen zu vermitteln. Zwei Tage vor Weihnachten konnte Polina Churilova wieder die Heimreise antreten. Die junge Frau zeigte sich überwältigt von der großen Hilfsbereitschaft in Bielefeld. Bei ihren Gasteltern hat sie unter anderem Videos und Lehrbücher studiert. "Ich habe in den vergangenen vier Wochen in Deutschland viel über die Krankheit gelernt", sagte sie. "Ich hoffe, dass ich in meiner Heimat nun auch anderen helfen kann, die sich in einer ähnlichen Lage befinden." Bei der Heimreise nahm sie zwei zusätzliche Koffer mit. Sie enthielten Verbandszeug, chirurgische Bestecke und gebrauchte Brillen, die für das Gesundheitszentrum bestimmt sind. "Wir hoffen, dass der Busfahrer das viele Gepräck auch mitnimmt, zur Not bezahlen wir dafür", meinte Peter Block. Er hatte die medizinischen Hilfsmittel gemeinsam mit anderen Mitgliedern der Bielefelder Evangelisch-Mennonitischen Freikirche zusammengetragen.

  2. Kommentare

    Bitte melden Sie sich an