GARBSEN (mk). Das Jahr geht zu Ende, Zeit inne zu halten und zurückzublicken. 2015 war ein Jahr, das vor allem durch ein Thema geprägt wurde – die Flüchtlingskrise. Darüber hinaus hatten die Städte und Gemeinden noch andere Aufgaben zu bewältigen. Dr. Christian Grahl, Bürgermeister der Stadt Garbsen, zieht in einem Gespräch mit dem Wunstorfer Stadtanzeiger Bilanz. Wunstorfer Stadtanzeiger: Herr Dr. Grahl, das Thema Flüchtlinge beschäftigt auch die Stadt Garbsen und ihre Gemeinden. Wie viele hat die Stadt bislang aufgenommen und wie wurden diese verteilt? Dr. Christian Grahl: Seit Ende 2014 bis heute hat Garbsen 720 Personen aufgenommen. Davon konnten 516 Personen dezentral in Wohnungen verteilt werden. 204 Flüchtlinge sind in Gemeinschafts- und Notunterkünften in Berenbostel, Stelingen und Frielingen. WS: Wurden Flüchtlinge in Schloß Ricklingen untergebracht? Wenn ja – wo? Dr. Grahl: Ja, drei Personen. Sie sind dezentral in Wohnungen untergebracht. WS: Wie schätzen Sie die Stimmung der Bürgerinnen und Bürger ein, wenn es um dieses Thema geht? Dr. Grahl: In Garbsen gibt es ein großes ehrenamtliches Engagement und eine ausgeprägte Hilfsbereitschaft. Die Bürger zeigen sich aufgeschlossen und reagieren, trotz unterschiedlicher Meinungen, besonnen. Es gibt aber auch Sorgen und Ängste vor zukünftigen Entwicklungen. Wir setzen auf größtmögliche Transparenz – mit frühzeitiger und ausführlicher Information. So haben wir beispielsweise den Bürgern die Möglichkeit gegeben, die Gemeinschaftseinrichtungen vor Einzug der Flüchtlinge zu besichtigen. Die Resonanz war groß. Auf der Homepage der Stadt gibt es eine umfangreiche Seite zur Hilfe für Flüchtlinge mit wichtigen Ansprechpartnern, Kontaktadressen und vielen weiteren Informationen. WS: An wen können sich freiwillige Helfer, Unterstützer wenden? Wer koordiniert die Angebote? Dr. Grahl: Wir haben als Stadtverwaltung schon sehr früh ein Netzwerk mit den Kirchengemeinden, dem Diakonischen Werk und vielen Ehrenamtlichen geknüpft. Mit unserer Mitarbeiterin Yesim Celik haben wir eine Stabsstelle für Flüchtlingsangelegenheiten eingerichtet. Das Garbsener "Netzwerk Willkommen" wird zentral durch die Stadt gesteuert. Beteiligt sind Vertreter von Kirchengemeinden, das Projekt Neuland, Mitglieder des Integrationsbeirats, DRK und Johanniter als Betreiber von Flüchtlingsunterkünften und Mitarbeiter der Stadt aus der Freiwilligenagentur, der Abteilung Jugend und Integration sowie der Öffentlichkeitsarbeit. Weitere Informationen zum Netzwerk gibt es im Internet auf herzlich-will.com und auf der Homepage der Stadt auf garbsen.de. WS: Vor welchen Herausforderungen, neben der Flüchtlingsproblematik, stehen Garbsen, beziehungsweise Schloß Ricklingen, in 2016? Welche Pläne stehen auf der Agenda? Dr: Grahl: Grundschule Schloß Ricklingen: Nach der Schulentwicklungsplanung gibt es dort Handlungsbedarf im Zuge der Inklusion und bei der Entwicklung zur Ganztagsschule. Dem wird die Stadt im Rahmen eines stufenweisen Ausbaus in den nächsten Jahren Rechnung tragen – auch in Abstimmung mit der Schulleitung. Möglicherweise sind vorgezogen Differenzierungsräume und Schallschutzmaßnahmen notwendig. Dies ist immer auch von den Schülerzahlen abhängig. WS: Was wünschen Sie sich von der Bundespolitik? Dr. Grahl: Zügige Fortschritte bei den Verhandlungen über die Sicherung der EU-Außengrenzen. WS: Vielen Dank für das Gespräch. Foto: privat/mk
Kita Schloß Ricklingen: In diesem Jahr ist der Neubau/Umbau der Kita Schloß Ricklingen am Pfarrkamp beendet worden. Die Investitionskosten betrugen 1,8 Millionen Euro. Verkehr: Nach der Sanierung der Leinebrücke hat die Region Hannover das zulässige LKW-Gesamtgewicht auf 30 Tonnen begrenzt. Ich gehe davon aus, dass Schloß Ricklingen somit von einem Teil der Lkw-Verkehre – insbesondere bei Stau auf der A2 - entlastet wird. Stadtentwicklung: Die Verwaltung unterstützt den Dorf- und Traditionsverein in Schloß Ricklingen bei diversen Projektideen, vor allem bei der Schaffung eines attraktiven Dorfmittelpunktes bei der Barockkirche. Auf dem unbebauten Flurstück an der Burgstraße 27 plant die Eigentümerin den Bau eines mehrgeschossigen Wohngebäudes mit barrierefreien, altengerechten Wohnungen. Es gibt in Schloß Ricklingen einen Bedarf an Wohnungen für ältere Menschen, die nicht mehr uneingeschränkt mobil sind und aus ihren größeren Häusern in eine barrierefreie Wohnung umziehen möchten. Viele möchten gern in ihrem gewohnten Umfeld wohnen bleiben. Das geplante Gebäude soll einen ortstypischen Charakter erhalten. Zu Garbsen: Eine große Herausforderung und Chance für Garbsen ist die Entwicklung des Maschinenbaucampus der Leibniz-Universität in Garbsen-Mitte. Mit der Bündelung aller Institute in einem modernen Campus, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Produktionstechnischen Zentrum, zu zahlreichen innovativen Unternehmen, vom Autobauer über die Conti bis zum Laserspezialisten und dem Wissenschaftspark Marienwerder, steht der Maschinenbau hier am Standort Garbsen vor einer verheißungsvollen Zukunft. Das ist ein Quantensprung in der Wissenschaftsgeschichte Garbsens. Acht Gebäude, angeordnet um eine grüne Mitte, für Forschung und Lehre elf Institute. 142 Millionen Euro Investitionssumme, ausgelegt für rund 5.000 Studierende und Mitarbeiter. Geschätzte Bauzeit: vier Jahre. Erster Spatenstich war am 4. Dezember. Uns geht es jetzt darum, den Wissenschaftsstandort zu entwickeln und gute Lebensbedingungen für Uni-Mitarbeiter und Studenten zu schaffen. Wir wollen Platz bieten für studentisches Wohnen, Wohnraum schaffen für Hochschulpersonal. Wir müssen auch den Zuwachs für Krippen, Kindertagesstätten und Schulen in den Blick nehmen.
