Augustdorf (hö). Nicht der Inhalt alleine ist es, der den Wert der Augustdorf Weihnachtskisten ausmacht. Mitgefühl zeigen, miteinander reden, sich Aufmerksamkeit schenken, Dankbarkeit – das ist das wahre Geschenk, welches sich freiwillige Helfer, Spender und Bedürftige bei der alljährlichen Aktion der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde und des DRK-Ortsvereins gegenseitig machen. Auch bei der diesjährigen Augustdorfer Weihnachtkiste ging es um Nächstenliebe und einige Augenblicke der Zusammenkunft.
Prall gefüllt mit leckeren Produkten, Süßigkeiten, Spielzeugen für die Kinder und kleinen Überraschungen für die Erwachsenen waren die Geschenkpakete, die von Augustdorfer Bürgern, Schulen, Kindergärten und Vereinen im DRK-Haus abgegeben wurden. Aber: "Satt ist nicht genug", so das Credo der Kirchengemeinde. Denn der Mensch lebt nicht nur vom Essen. Der zwischenmenschliche Kontakt, ein Lächeln, ein Gespräch, eine Geste des Respektes – das ist es, was uns glücklich macht und auch diejenigen, die wir als Hilfebedürftig titulieren. Dafür engagieren sich die freiwilligen Helfer der Kistenaktion wie Ursula Plass (77), Elisabeth Jonas (63) und Horst Brinkmann (79). "Mir bereitet es Freude, wenn ich die leuchtenden Augen der Empfänger sehe", erklärt Ursula Plass ihre Einsatzfreudigkeit. Ein Leuchten, dass sie auch in den Augen von "Elli" gesehen hat. Ihren Namen haben wir geändert – viele Bedürftigen schämen sich für ihre Situation, auch wenn sie nichts dafür beziehungsweise dagegen tun können. "Elli" ist 56 Jahre, hat keine Kinder und hat 35 Jahre lang "Männerarbeiten" erledigt. Durch Krankheit ist sie nun Hartz- IV-Empfängerin – von der Gesellschaft "nach unten" durchgereicht worden. Die 400 Euro im Monat, die sie erhält, reichen nur für das Nötigste. Bei der Suche nach Jobs wird ihr Arbeitspensum mit denen jüngerer Kollegen verglichen, das Individuum zählt nicht, nur die Leistung. "Noch schlimmer als das finanzielle Debakel ist es, sich zu schämen um seine Situation", so "Elli". "Keinen interessiert es mehr, was ich bisher getan habe, nur was ich jetzt bin." Im DRK-Haus bekam sie nicht nur ihre Weihnachtskiste, die ein leckeres Festtagsmahl sichert und signalisiert "Jemand denkt an Dich", unter den Helfern fand die 56-Jährige auch geduldige Zuhörer, Mitgefühl und Trost.