Detmold (ab). Nun werden im Rathaus schon Auszeichnungen für Holzköpfe verliehen! Klingt komisch? Ist aber so. Und ist gar nicht so schlimm, wie es auf den ersten Blick aussieht. Denn es geht um herausragende kreative Arbeiten. Die Stadt Detmold hat fünf Studenten der Hochschule OWL mit ihrem Preis für Bauen und Gestalten ausgezeichnet. Zu ihnen gehört auch Eike Scheps, Masterstudent der Innenarchitektur. Er hat den besagten "Holzkopf"– einen Duschkopf aus Holz – entworfen.
Holz und Wasser, das passt irgendwie nicht, mag man denken, aber Eike Schelps sei es gelungen, beides zu verbinden, lobte Laudator Professor Ulrich Nether, der die Arbeit betreut hat. Der eigentliche Clou sei aber die Befestigung des Duschkopfes per Magnet. So lässt sich der Griff beliebig auf einer großen Fläche positionieren. "Warum ist da noch niemand vorher drauf gekommen?", lobte Jurymitglied Thorsten Brinkmann von der Gilde-Wirtschaftsförderung. Marcel Cardinali wurde für seine Bachelor-Abschlussarbeit im Fachbereich Stadtplanung geehrt. Unter dem Titel "Netzwerk – eine städtebauliche Machbarkeitsstudie" zeigt er neue Perspektiven für ein Areal und das Umfeld eines ehemaligen großen Möbelhauses in Essen auf. Die sehr eigenständige und eigenwillige Arbeit habe im Fachbereich Maßstäbe gesetzt, betonte Professorin Kathrin Volk. Cardinali ist der erste Absolvent der Stadtplanung, der diesen Preis bekommt. "Es ist kein fertiges Stadtbild, das er entwirft, sondern ein Vorschlag, wie Stadt im besten Falle werden kann." "Graffiti ist selten Kunst", sagte Professor Rütt Schultz-Matthiesen etwas lakonisch zu Beginn seiner Laudatio auf den dritten Preisträger, Philipp Hiller. Es habe einige Zeit gedauert, bis Hiller ihn doch vom Gegenteil überzeugt hat. Ausgezeichnet wurde der Student für seine "Reisedokumente". Diese Sammlung von Zeichnungen zeigen Hillers persönliche Reise vom Graffiti-Sprayer zum Zeichner, Künstler und Innenarchitekten. Mit einem Sonderpreis wurden die Master-Absolventin Ingrid Mackinger und ihr Kommilitone Florian Tolksdorf ausgezeichnet. Sie haben in diesem Jahr den "Designzirkus" ins Leben gerufen. Auf diesem "Markt für Handgemachtes" gaben sie bereits zweimal Studenten, Absolventen und Designlabels eine attraktive Verkaufsplattform und zeigen gleichzeitig, wie viel Potential in dem seit eineinhalb Jahren leerstehenden ehemaligen Modehaus Finke steckt. Als "bisher bestes Konzept für den Standort" lobte Bürgermeister Rainer Heller den Designzirkus. Seit 2007 wird der Preis der Stadt Detmold für Bauen und Gestalten alle zwei Jahre verliehen. Er ist mit je 800 Euro dotiert, für den Sonderpreis gibt es 600 Euro. Prämiert werden damit herausragende studentische Arbeiten der Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur, wie Claudia Fries, Vizepräsidentin der Hochschule betonte. In diesem Jahr musste die Jury – Bürgermeister Rainer Heller, Hochschulpräsident Dr. Oliver Herrmann, Elke Maria Alberts (alberts.architekten bda), Christian Gallei (zwischen_raum), Dekanin Uta Pottgiesser, Professor Martin Hoelscher (beide Hochschule OWL) und Thorsten Brinkmann von der GILDE-Wirtschaftsförderung aus 59 eingereichten Arbeiten die Sieger ermitteln. Die Preisverleihung fand erstmals nicht in der Hochschule, sondern im Rathaus statt.
