Augustdorf (ck). Ein spannendes Märchen über Freundschaft, Freiheit und Hilfsbereitschaft hörten letzten Dienstag Schülern und Eltern während des Lesecafés in der Bücherei der Grundschule. Sumerya Kesken und ihre Tochter Nesibe nehmen schon von Anfang an den regelmäßig stattfindenden Vorlesenachmittagen teil. "Ich lese schon seit dem Beginn des Lesecafés vor. Ich spreche so gut die deutsche wie auch die türkische Sprache, weil meine Mutter Deutsche und mein Vater Türke ist", erzählt sie. Auch sie habe versucht mit ihrem türkischen Mann die Sprachen zu trennen. "Ich habe mit unserer ersten Tochter deutsch gesprochen und mein Mann nur türkisch. Beim zweiten Kind haben wir es ein wenig vernachlässigt. Aber auch Nesibe spricht mittlerweile fließend beide Sprachen."
Ute Krause war die Ideengeberin des Lesecafés. "Damals haben wir das Lesecafé nur innerhalb der Schule betrieben. Aber dann haben sich bald die Kindergärten des Ortes eingebracht", so Krause. Mittlerweile sind die Lesenachmittage auch in der Moschee ausgehängt. "Jeder ist an diesen Nachmittagen herzlich willkommen", so Krause. Gelesen wird im Wechsel, das Märchenbuch vom letzten Nachmittag ist von Melike Günyüz und heißt "Keloglan – Im Land der Stummen". Beide Vorleserinnen lesen aus einem Buch – jede Seite ist sowohl in deutscher als auch in türkischer Sprache verfasst. Nebenbei können die Kinder zum Thema "Eine orientalische Stadt" basteln oder einer Beamershow mit Bildern aus dem Märchenbuch verfolgen. "Wir lesen momentan nur in drei Sprachen, Deutsch, Türkisch und Russisch", so Krause, der es sehr wichtig ist, den Spaß an der eigenen und auch an fremden Sprachen bei den Teilnehmern zu wecken. Sie hofft, dass so ein Vorlesenachmittag die Freude am Lesen entfacht. "Nur wer die Muttersprache beherrscht, der kann auch eine neue Sprache erlernen", sagt die Schulleiterin. Mittlerweile gibt es schon einige zweisprachige Bücher in der Schulbücherei, die auch regelmäßig ausgeliehen werden. 245 Kinder besuchen die Augustdorfer Grundschule. "Seit dieser Woche haben wir eine Internationale Klasse. Die Kinder sind einer Stammklasse zugeordnet, erhalten aber durch eine neue Kollegin, die gleichzeitig auch an der Grundschule auf der Insel unterrichtet, regelmäßig Deutschunterricht", erzählt Ute Krause.
