1. Die letzte "Spülung"

    Das Stattgespräch setzt die Komödie "Herren" ab

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    Lemgo (ag). "Es war definitiv das letzte Mal", bekräftigte Frank Wiemann, Leiter der freien Theatergruppe "Stattgespräch" nach der Vorstellung am vergangenen Sonntagabend. Am 15. Oktober 2005 hatte die Lemgoer Theatergruppe im Kulturbahnhof ihre fulminante WC-Premiere mit der Erfolgskomödie "Herren". Zehn Jahre, 82 ausverkaufte Vorstellungen und über 10.000 begeisterte Zuschauer später soll nun Schluss sein. "Wir glauben, dass es genug ist. Das Bühnenbild löst sich bereits auf, wir brauchen den Lagerplatz und man soll aufhören, wenn es am Schönsten ist", brachte es Amateurschauspieler Stephan Gottwald auf den Punkt.

    Und es war schön. Weihnachten auf der Herrentoilette. Wer könnte sich das vorstellen? Drei Tage lang Gerüche, die man lieber niemals hätte riechen mögen, klebende und glitschige Gegenstände jeglicher Art und ein leerer Seifenspender – Herpes inklusive. Die Komödie "Herren" von Jan Ericson zeigt, wie drei Herren, eingesperrt in einem WC eines Kaufhauses, gemeinsam das Fest der Liebe feiern. Das vermeintlich Wichtigste haben sie dabei: Festmahl, Geschenk, Weihnachtsbaum und Weihnachtsmann. Schwierig: Die drei Herren arbeiten alle im selben Unternehmen, als Lagerarbeiter, Verkäufer und Geschäftsführer. Stephan Gottwald (Lagerarbeiter), Markus Mogwitz (Verkäufer) und Frank Wiemann (Geschäftsführer) haben am Sonntag auf der Bühne noch einmal alles gegeben. Sie überzeugten besonders mit bewundernswertem Timing bei den komödiantischen Höhepunkten des Stückes. Wenn das Gelächter des Publikums zunahm, konnte jeder sicher sein, dass das noch nicht alles war – diese Momente wurden ausgekostet und gekonnt auf die Spitze getrieben. Ohne große Gesten erfreute auch Katrin Brakemeier, als eilige Putzfrau das Publikum. Mit stoischer Gelassenheit, in diesem Zusammenhang kann man vielleicht außnahmsweise von bewundernswerter "Scheißegal"-Haltung sprechen, verteilte sie alles, was in der Herren-Toilette irgendwie eklig erschien mit ihrem einzigen Lappen auf Kleiderhaken, Seifenspender und Türklinken – einfach allem, was nicht bei drei auf den Bäumen war. Die wohl erfolgreichste Theaterproduktion, die je in der Alten Hansestadt inszeniert und aufgeführt wurde, verabschiedete sich unter donnerndem Applaus. Darauf sind die Stattgesprächler mächtig stolz, mit Recht. Die "Herren" Stephan Gottwald, Markus Mogwitz und Frank Wiemann werden demnächst in neuen witzigen Produktionen im Kulturbahnhof zu erleben sein.

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