Herford/ Kreis Lippe (nok). Nur noch wenige Tage bis zum kalendarischen Winteranfang. Meteorologisch ist die kalte und dunkle Jahreszeit bisher noch relativ spurlos an Ostwestfalen-Lippe vorüber gegangen. Im Gegensatz zu vielen anderen Menschen in der Region hält sich für Holger Krause und seine Kolleg(inn)en von der Autobahnmeisterei in Herford der Wunsch nach "Weißer Weihnacht" durchaus in Grenzen. Bei Schnee und Eis ist das 22-köpfige Team des Landesbetriebes Straßen NRW nahezu pausenlos mit dem Räum- und Streudienst auf den Autobahnen A 2 und A 30 beschäftigt. Ist es zum Jahreswechsel mild und trocken, steigen für sie die Chancen, zumindest einen der Feiertage im Kreise der Familien verbringen zu können. Sollte der Winter seinen eigentlichen Merkmalen in den nächsten zwei Wochen doch noch gerecht werden, ist der "Mobile Pflegedienst" der durch OWL verlaufenden Fern- und Reiserouten aber bestens gerüstet. Das Salzlager ist voll, die Fahrzeuge sind einsatzbereit und die Dienstpläne sind geschrieben. Rund 84 Kilometer Streckenlänge hat die Autobahnmeisterei zu betreuen. Das Einsatzgebiet erstreckt auf der A 2 vom Autobahnkreuz Bielefeld bis zur niedersächsischen Landesgrenze und auf der A30 vom Autobahnkreuz Bad Oeynhausen ebenfalls bis zur Landesgrenze. Dazu gehören auch 5 Autobahnparkplätze sowie die neuen Tank- und Rastanlagen an der A 2. Darüber hinaus werden auch die Ortsdurchfahrt Bad Oeynhausen und die B 66 rund um die Anschlussstelle Bielefeld-Ost vom Herforder Team betreut. Erstaunlich hoch (236) ist die Zahl der Brücken und Überführungen im gesamten Einsatzgebiet. Da weite Teile der Autobahnstrecken dreispurig angelegt sind, müssen die Mitarbeiter im Räum- und Streudienst weite Distanzen zurücklegen. Schnee und Eis halten die Straßenwärter im Winter zwar auf Trab, bedeuten aber nicht zwangsläufig die größten Probleme. Für diese sorgen oft und immer häufiger rücksichtslose, egoistische und wenig vorausschauende Verkehrsteilnehmer. Ob im Winterdienst, bei Absicherungsarbeiten oder anderen Einsätzen haben es die Mitarbeiter der Autobahnmeisterei trotz Gelblicht und markanter Fahrzeuge immer schwerer, sich bei einem Stau "nach vorne zu arbeiten". "Das Bilden einer Rettungsgasse ist für viele Autofahrer scheinbar an sich schon ein Problem. Das nicht nur Rettungsfahrzeuge, sondern auch wir, die Pannendienste vom ADAC oder auch Abschleppfahrzeuge diese nutzen müssen, um den Stau aufzulösen, scheint sich noch weniger Menschen zu erschließen", erklärt der stellvertretende Betriebsleiter der Autobahnmeisterei, Holger Krause, gegenüber dieser Zeitung. In höchstens einem von 10 Fällen werde den Fahrzeugen durchgängig freie Fahrt eingeräumt. "Es muss doch eigentlich jeden im Stau stehenden Autofahrer klar sein, dass wir durch die Gasse nach vorne fahren müssen, um mit daran zu helfen, den Stau aufzulösen", sagt Holger Krause. Kollege Gerd Eickmeier hat im Winterdienst der vergangenen Jahre bereits mehrfach Situationen erlebt, wo die Fahrzeuge der Autobahnmeisterei von Verkehrsteilnehmern vorsätzlich an der Durchfahrt gehindert worden sind. Ähnliches erleben immer wieder auch die Pannenhelfer des ADAC. "Ob vorsätzlich oder nur aus Gedankenlosigkeit, – das Verhalten einiger Zeitgenossen ist mehr als fragwürdig", so der ostwestfälische ADAC-Pressesprecher Ralf Collatz. "Besonders geistreich" seien auch die Autofahrer, die sich den ersten Rettungsfahrzeugen beim Durchfahren einer Gasse anschließen und somit die provisorische Spur ebenfalls versperren, sagt Pannendienstler Almir Redzic. Und auch der Standstreifen ist im Staufall tabu, egal wie weit eine mögliche Ausfahrt auch entfernt ist – es sei denn, der Streifen wird über eine Beschilderung oder über eine polizeiliche Regelung freigegeben. Ansonsten wird das unerlaubte Befahren der Standspur mit einem Bußgeld von mindestens 75 Euro und einem Punkt geahndet. Der zunehmenden Ignoranz einiger Autofahrer oder möglicherweise auch nur deren Unsicherheit und Unwissenheit, hat sich der ADAC mit einer besonderen Verkehrsinitiative angenommen. In Broschüren, Filmbeiträgen, Medienberichten und Aufklebern verdeutlicht der Club das richtige Verhalten in Pannensituationen und bei Staubildungen auf Autobahnen sowie beim Bilden einer Rettungsgasse. Bei zweispurigen Richtungsfahrbahnen sollte die Mitte als Gasse freigemacht werden. Bei dreispurigen Autobahnen wird die Gasse zwischen der mittleren und der linken Spur gebildet. Welche Regelung gilt aber bei vier- oder fünfspurigen Autobahnen? "Leider gibt es dafür immer noch keine vorgeschriebene Regel", berichtet ADAC-Vorstandsmitglied Heinz Sasse. Sinnig oder auch logisch sei die Bildung einer Gasse immer zwischen der äußerst linken Spur und dem daneben liegenden Fahrstreifen. ADAC und Straßenmeisterei werben bei den Verkehrsteilnehmern jedenfalls gemeinsam für mehr Verständnis für ihre Arbeit. Dazu gehört nicht nur das Bilden einer Rettungsgasse, sondern auch eine angepasste (niedrige) Geschwindigkeit sowie ein ausreichender Sicherheitsabstand zum Arbeitenden. Beide "Pflegedienstler" sorgen letztlich dafür, dass alle Verkehrsteilnehmer sicher und möglichst ungestört ihr Fahrziel erreichen.
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Der "Pflegedienst" von der Autobahn
Autobahnmeister und Pannendienstler sorgen nicht nur im Winter für freie Fahrt
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