Lügde (afk). Es ist zweifellos spannend, zwei vom Klangvolumen her sehr unterschiedliche Klangkörper in einem Konzert auftreten zu lassen. Und das dann noch in einem akustisch hoch anspruchsvollen Raumwie dem Kirchenschiff der großen Pfarrkirche St. Marien in Lügde. Das Blasorchester Lügde und der nordrhein-westfälische Meisterchor "canto Allegro" haben es zum ersten Mal gewagt.
Allein schon vom Klangvolumen her können sie kaum unterschiedlicher sein: Hier das über 40 Musiker starke Blasorchester in sinfonischer Besetzung, da der 15-stimmige A-cappella-Chor – beide mit dem Ziel, auf ihre Weise die bis auf den letzten Platz besetzte Kirche aus dem Altarraum gut hörbar mit ihrer Musik zu unterhalten. Beiden Ensembles gelang es, die anspruchsvolle Kirchenakustik für ihre Vorträge zu nutzen. Das Blasorchester unter der Leitung von Jörn Diekmann passte seine Lautstärke gefühlvoll der hallenden Umgebung an. Der "Canto Allegro" mit Dirigentin Sandra Lücke konnte in diesem Ambiente seine Stärken an Präzision und Stimmqualität in allen Stimmlagen ausspielen. Selbst Solistin Christine Dramburg konnte mit ihrem klaren kräftigen Sopran im Lied "Die Könige" die akustischen Klippen glänzend bewältigen. Das Programm dieses Kirchenkonzerts hatte natürlich einen vorweihnachtlichen Anstrich, ging aber über die üblichen Klassiker weit hinaus und wirkte nicht nur deshalb spannend. So kontrastreich die beiden Ensembles, so kontrast- und damit abwechslungsreich auch das Programm, vom Traditional bis zum Popsong. Der "Canto Allegro" wählte durchweg moderne Arrangements, auch mal mit auflockernden und unverhofften akustischen Effekten, wie bei der gesungenen Geschichte des unverkauften Schokoweihnachtsmanns, der zum Osterhasen umgeschmolzen nun lispelnd sein Schicksal beklagt. Beim "The sleigh", "Als ich bei meinen Schafen wacht" oder "Carol of the bells" bauten die Sängerinnen und Sänger selbst erzeugte Geräusche ein und gaben diesen Liedern damit einen sehr eigenen atmosphärischen Charakter als Hörerlebnis der besonderen Art. Das "Stille Nacht" erlebte das Publikum gleich zweimal: Einmal war es selbst aufgefordert mit dem Chor gemeinsam die dritte Strophe zu singen, zum anderen gab’s die englische Text-Version, die die Chorsänger Markus Tappe und Roland Kozuchowski gemeinsam für ihren "Canto" neu arrangiert haben – ein interessante Variante! Das Blasorchester eröffnete mit "Winterland" des Niederländers Kees Vlak, der unzählige Stücke für Blasorchester arrangiert hat, und präsentierte in der Folge abwechselnd mit dem Chor ein sehr feinfühlig ausgewähltes Programm, das nicht nur einen breiten Querschnitt des Repertoires sondern auch die Möglichkeiten eines sinfonischen Blasorchesters hören ließ. Auch Jörn Diekmann hatte bei der Auswahl der Stücke nicht unbedingt nur die einschlägige Advents- und Weihnachtsmusikliteratur im Auge, sondern ließ das Orchester in den Registern bei "Aschenbrödels Tanz", "Love me like you do", dem eindrucksvollen "Choral and Rock out", aber auch Kompositionen wie Walt Disneys "Eiskönigin" oder Pop-Songs von Elvis "Always on my mind" und Abba "Thank you for the music" Gelegenheit, sich zu präsentieren. Zum Schluss legten die Musiker ihre Instrumente zur Seite und sangen gemeinsam mit dem Chor den "Evening song"– ein gelungener Abschluss eines eindrucksvollen Konzerts!
