Blomberg (nr). Sechs ganz unterschiedliche Stimmen; Takte und Noten, die ineinander verschachtelt erscheinen und keine instrumentale Unterstützung weit und breit. Kann man lernen, so richtig aufeinander zu hören? So, dass daraus ein harmonisches Miteinander wird? Chapeau kann. A cappella mit sechs Stimmen und das alles in schönster Harmonie.
Jetzt zur Vorweihnachtszeit und mit dem Blick auf das Charles-Dickens-Festival in Blomberg, stehen die Proben von Chapeau ganz im Zeichen von "Winter Wonderland", "Carol of the bells" und anderen wunderbaren Weihnachtsklassikern. Was mit ungeheurer Leichtigkeit daher kommt, ist künstlerisch hoch anspruchsvoll. Die Stimmen von Claudia Freund (Sopran), Elvira Pollmann (Mezzosopran), Daniela Palma (Alt), Manuel Graß (Tenor), Thomas Freund (Bariton) und Christian Fischer (Bass) bleiben auch ohne unterstützende Instrumente ihrer Tonart treu und harmonieren ganz wunderbar miteinander. A-cappella-Formationen gibt es einige und die in wechselnder Größe. Ein A-cappella-Sextett ist aber recht ungewöhnlich und Noten für sechs Stimmen zu finden nicht ganz einfach. "Dabei singen wir eigentlich alles, was Spaß macht. Die Bandbreite ist schon groß", erzählt Thomas Freund und fügt schmunzelnd hinzu: "Stücke für Sextette sind tatsächlich rar gesät, da müssen wir viel neu arrangieren. Hin und wieder werde ich dann genötigt, etwas Neues zu komponieren." Und Daniela Palma erinnert an die denkwürdigen Augenblicke, aus denen solche Lieder entspringen: "Da steht man gemeinsam an einer Kasse und dann ist es garantiert genau die Kasse, an der es plötzlich nicht mehr weitergeht. Und dann wird daraus ein neues Lied." Die Stücke, die sie dabei singen, sind immer voller Emotionen, erzählen von Zwischenmenschlichem, Höhen und Tiefen und Lachen und Weinen. Genau das ist es auch, was sie zu ihrem Publikum transportieren wollen. Als Vokalensemble sind sie längst eine feste Größe in der Region geworden und in eine Schublade lassen sie sich ganz sicher nicht stecken. Sie lieben Musik, egal ob Volkslied, Klassik, Pop oder Jazz. "Getragen oder fetzig, lustig oder klassisch. Wir singen eben das, was uns selbst Gänsehaut den Rücken runter laufen lässt", meint Christian Fischer. "Und genau das macht unsere Konzerte auch so besonders", ergänzt Claudia Freund. "Weil wir sehen können, wie sich unser Publikum in unseren Liedern spiegelt." Ob es immer so einfach ist? "Nein." Daniela Palma überlegt kurz. "Es gibt Momente, die es nicht einfach machen. Bei Konzerten arbeiten wir mit Headphones, denn das Hören ist das A und O für uns. Singt man draußen, kann es bei Regen und starkem Wind schwierig sein, aufeinander zu hören." Immer suchen und finden sie ein Motto für ihre Auftritte: "klein aber fein", "Guten Abend, gute Nacht" und "Zwischenmenschliches". Auch für das brandneue Programm stehen schon die meisten Stücke. Von menschlichen Abgründen und emotionalen Höhenflügen soll es handeln; himmelhoch jauchzend oder zu Tode betrübt eben. Im kommenden Frühjahr werden sie ihre erste CD mit dem neuen Programm aufnehmen. Der Titel: Süß-sauer. "Es war eher ein Zufall, dass wir ein Vokalensemble wurden", blickt Daniela Palma auf die Anfänge des Ensembles zurück. "2009 sollten auf einer Kindstaufe ein paar A-cappella-Stücke gesungen werden. Wir sechs trafen uns eher spontan und sangen ein paar Lieder zusammen und das hat so viel Spaß gemacht, dass wir weitermachen wollten. So sind wir Chapeau geworden." Ganz so einfach war es dann allerdings nur, weil alle sechs Ensemble-Mitglieder durch viele Jahre Chorarbeit sehr gut geschulte Stimmen haben und viel Erfahrung sammeln konnten. Beruflich ist eigentlich nur Daniela Palma in Musik verstrickt. Als Leiterin des Meisterchores "iuvento musica" und einigen anderen Chören begleitet sie Musik eigentlich täglich, aber egal, was das Ensemble sich gemeinsam erarbeitet, es wird richtig gut. Dabei nehmen sie sich selbst gar nicht so ernst. Ihre Musik schon. Und weil sie da auch mal über die Grenzen Lippes hinauswachsen wollen, haben sie einen Imagefilm in Auftrag gegeben, der Einblicke in ihre Musik und ihre Gedanken dazu gibt. "Wir treten unglaublich gern in Lippe auf", betont Elvira Pollmann, "aber so ab und zu möchte man dann doch mal über den Tellerrand schauen und erfahren, wie man in anderen Regionen ankommt." Aber erst einmal haben sie einen ganz besonderen Part beim Charles-Dickens-Festival in Blomberg am 12. und 13. Dezember, wo sie als "Weihnachtssänger" auftreten werden.
