1. "Sie ist immer für uns da gewesen"

    Anna Liepelt feiert 100. Geburtstag im "Haus Viktoria Luise" / Ein bewegtes Leben das in Niederschlesien begann

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    BAD REHBURG (jan). Im Ersten Weltkrieg ist Anne Liepelt in Niederschlesien geboren worden. Im Zweiten Weltkrieg bekam sie zwei Söhne – und wurde Witwe. Nun hat sie ihren 100. Geburtstag gefeiert.

    "Sie ist immer für uns da gewesen", sagt Anna Liepelts Sohn Rudolf, "da müssen wir doch auch etwas zurückgeben." Was er damit meint, ist etwa die Familienfeier, die er für seine Mutter im eigenen Haus in Bad Rehburg an ihrem Geburtstag ausgerichtet hat, oder auch, dass er sie mehrmals pro Woche im Pflegeheim "Haus Viktoria Luise" besucht – es seien schließlich nur 700 Meter von seinem Haus bis zu seiner Mutter, sagt er. Manchmal fährt er sie dann im Ort spazieren, an anderen Tagen machen sie gemeinsam Ausflüge in die Umgebung. Selbstverständlich ist er auch dabei, als seine Mutter zwei Tage nach ihrem Geburtstag im "Haus Viktoria Luise" eine Kaffeetafel mit Bewohnern und Mitarbeitern als Gästen geschenkt bekommt. In Bad Rehburg lebt Anna Liepelt seit sieben Jahren. Davor war sie einige Zeit in einem Seniorenheim in Loccum – dorthin kam sie, nachdem sie mit mehr als 90 Jahren in ihrer eigenen Wohnung in Nienburg schwer gestürzt war. Was ihr danach lediglich fehlte, waren die Feiern, zu denen sie gerne ihre beiden Söhne mit deren Familien einlud. Viele Gäste, die sie vorzugsweise mit Schmorbraten und Klößen bewirtete – das war ihr immer eine Freude gewesen. In den vielen Jahrzehnten davor hat sie oft den Wohnort gewechselt. Zuerst gemeinsam mit ihrem Mann nach Steinau an der Oder, von wo sie mit ihren Söhnen 1945 floh. Teilweise mit Bollerwagen, wie sich Rudolf Liepelt noch erinnert. "Wir haben Dresden von weitem brennen sehen", erzählt er. Ursprünglich sei das ihr Ziel gewesen, aber seine Mutter habe dann doch beschlossen, mit den Kindern anderswohin zu gehen – so landeten sie zunächst in Bautzen. Da Anna Liepelts Eltern in Vechta untergekommen waren, zog die kleine Familie 1952 auch dorthin. "Im Zuge der Familienzusammenführung ging das damals auch zu DDR-Zeiten noch", sagt ihr Sohn. In der Landwirtschaft hat sie in den vielen Jahren oft gearbeitet. Als Kind eines Landwirts, das sich mit solchen Arbeiten auskannte, war das für sie nur folgerichtig. An ihren Vater muss sie auch immer zu ihrem Geburtstag denken. Dann, wenn die Adventszeit beginnt. Dann ist schließlich Silvester nicht mehr weit. Jedes Jahr zur Jahreswende, erzählt sie, habe ihr Vater auf der Trompete gespielt "Nun danket alle Gott". Auf die Frage einer Mitarbeiterin des "Haus Viktoria Luise", ob ihr Vater das den gut habe spielen können, sagt Anna Liepelt: "Sonst hätte er es ja nicht gemacht." Foto: jan

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