Oerlinghausen (kd). Seine Zeichnungen erreichen das Niveau bedeutender Karikaturisten. Und dennoch steht er erst am Anfang seiner Karriere. Jetzt wurde der 33-jährige Illustrator Martin Burgdorff aus Hamburg mit dem Dieter-Burkamp-Preis für Karikatur geehrt. Die Auszeichnung wurde in Oerlinghausen zum zweiten Mal vergeben. Sie ist mit 1.000 Euro dotiert. Bei der Premiere im vergangenen Jahr hatten 140 Kunstschaffende aus allen Teilen der Welt insgesamt 450 Arbeiten eingereicht. Die Jury vergab den Preis an Wieslaw Smetek (60), Grafikdesigner und Maler aus Danzig. Jetzt durfte er seinen Nachfolger benennen. Seine Wahl fiel auf Burgdorff, der ebenfalls für die Wochenzeitung "Die Zeit" tätig ist. Smetek, der nicht nach Oerlinghausen kommen konnte, schätzt ihn, weil er "wie ein alter Hase" einen eigenen Stil entwickelt habe. Er sei regelrecht neidisch auf die Fähigkeiten seines jungen Kollegen, teilte Smetek schriftlich mit. Er verglich ihn sogar mit dem bedeutenden Saul Steinberg: "Wahrscheinlich ist er sein Enkelkind." Bei Martin Burgdorff ersetzen Bücher einen Fesselballon und ziehen den im Korb lesenden Passagier in die Höhe. Aus einer Schreibmaschine ragt Papier, das sich in Treppenstufen verwandelt. Bei einem Rennen lastet den Läufern der Zeitdruck in Form von gewaltigen Weckern auf dem Rücken. Er habe schon früh mit dem Zeichnen begonnen, berichtete Burgdorff. Nach dem Diplom in Illustration "haben mich meine Mutter und meine Tante quasi zu einem Praktikum bei der ‚Zeit" gezwungen". Es hat sich ausgezahlt. Denn dort wurde sein Talent rasch erkannt, inzwischen ist er als Grafiker und Karikaturist fest angestellt. Mit seinen Auftrags- und seinen freien Arbeiten habe der Illustrator "ein ganz neues Alphabet der Zeichen" erfunden, lobte Gisela Burkamp, Kunsthistorikerin und Ehefrau des 2012 verstorbenen Dieter Burkamp. Die Karikaturen Burgdorffs bezeichnete sie als "Denken beziehungsweise Nachdenken in Bildern". Wenn er die redaktionellen Texte der Wochenzeitung ergänze, spiegele er nicht allein die Information, sondern treffe vielmehr den hintergründigen Kern, die Pointe. Man könne seine Arbeitsweise auch als "Schmelzvorgang" bezeichnen, denn er reduziere seine Bildideen auf die inhaltliche Quintessenz. Oft verknüpfe er in seiner Darstellung eine reale Situation mit erfundenen Szenarien. So verstehe er es, leise Ironie und unterschwelligen Humor mit hanseatischem Understatement zeichnerisch zu verbinden. Die Werke Burgdorffs anzuschauen sei geradezu ein "ästhetisches Vergnügen". Karikaturen und kritische Grafik bereiteten auch Dieter Burkamp zeit seines Lebens großes Vergnügen. Er sammelte Originale, hielt engen Kontakt zu vielen Künstlern und organisierte zahlreiche Ausstellungen. In bewegenden Worten schilderte sein Freund Alexander Gruber die Person Dieter Burkamp. Über die Auszeichnung habe er sich sehr gefreut, meinte Burgdorff. Denn es ist seine erste Ehrung dieser Art. Deshalb habe er auch gern zugesagt, "ich habe nur zur Bedingung gemacht, dass ich keine Rede halten muss."
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Nachdenken in Bildern
Martin Burgdorff erhielt den Dieter-Burkamp-Preis
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