Detmold (gh). Multiresistente Erreger (MRE) bedrohen immer häufiger die Genesung beziehungsweise die Gesundheit von Krankenhauspatienten. Die Krankenhäuser und Kliniken sind dabei allerdings nur selten das ursächliche Problem, sie sind eigentlich eher die Leidtragenden. Ein Riesenproblem stellt der drastisch angestiegene Antibiotikaeinsatz dar. Obwohl diese Gefahr bekannt ist, stellt die Ursachenbekämpfung oder auch der Schutz vor der Ausbreitung von gefährlichen Keimen, die Kliniken vor eine nicht einfach zu lösende Aufgabe. Unter anderem gehört das Eingangsscreening bei Risikopatienten zu den Präventivmaßnahmen des Klinikums. Dabei werden die Patieten bei oder vor der Aufnahme auf MRSA-Keime untersucht. Diese keinesfalls seltenen oder außergewöhlichen Bakterien namens "Methillicinresistenten Staphylococcus aureus" stellen für gesunde Menschen keine Gefahr dar. Bei immungeschwächten Patienten kann dieses Bakterium aber lebensbedrohliche Infektionen verursachen. Beim Schutz vor solchen Infektionen spielt die Hygiene eine besonders große Rolle. Insofern können alle (Ärzte, Klinik- und Servicepersonal und Patienten) zur Prävention beitragen. Aus diesem Grund stand das Thema (Krankenhaus-) Hygiene jetzt erneut im Mittelpunkt einer Veranstaltungsreihe, zu der Dr. med. Jens Gieffers, Chefarzt Institut für Mikrobiologie, Hygiene und Laboratoriumsmedizin im Klinikum Lippe, Fachkräfte aus der Region eingeladen hatte.Zu diesem Anlass hatte Dr. Gieffers renommierte Experten verpfichtet, die zum Schwerpunkt-Thema über verschiedene Strategien zur Vermeidung nosokomiale Infektionen(Krankenhausinfektionen) referierten. "Während Hygienefachkräfte und hygienebeauftragte Ärzte als Zielgruppe im Mittelpunkt stehen, so hat sich das Interesse an hygienerelevanten Themen in den letzten Jahren erfreulicherweise auf weitere Berufe im Gesundheits-und Pflegedienst erweitert", erklärte Dr. Gieffers. In den letzten 10 Jahren hat der hohe Antibiotikaverbrauch in der Behandlung von bakteriellen Infektionskrankheiten zu einer deutlichen Zunahme von multiresistenten Erregern geführt, zum Beispiel MRSA (Methicillin-resistente Staphylococcus aureus). Krankenhausinfektionen machen einen Großteil aller auftretenden Komplikationen aus und haben daher einen starken Einfluss auf die Qualität der medizinischen und krankenpflegerischen Versorgung der Patienten. Das ist ein ernstzunehmendes Problem und muss erkannt werden. Im Krankenhaus erworbene Infektionen belasten den Patienten und verlängern meist auch den Krankenhausaufenthalt, je nach Art der Infektion. Darunter sind Lungenentzündungen und Harnwegsinfekte die häufigsten Krankenhausinfektionen. Der Anteil an multiresistenten Bakterien nimmt zu. Prof. Dr. med. Walter Popp aus Dortmund erläuterte das Thema: Wie viele nosokomiale Infektionen im Krankenhaus sind vermeidbar und was muss dafür geschehen: "Die wichtigste Maßnahme zur Vermeidung ist die regelmäßige Durchführung einer hygienischen Händedesinfektion mit Händedesinfektionsmitteln (Antiseptik)", berichtete er. Von der Uniklinik Aachen referierte Dr. med. Karl Lewalter über den Einsatz von Antiseptika zur Reduktion nosokomialer Infektionen: "penible Beachtung der Händehygiene und auch die Hygiene der Krankenhausgerätschaften sind zur absoluten Priorität geworden und so können bis zu 50 Prozent Krankheitsfälle verhindert werden." Mit diesem Thema befasste sich auch Prof. Dr. med. Martin Exner von der Universität Bonn (Institut für Hygiene) in seinem Vortrag. Andere Strukturen im gesamten Gesundheitswesen sind nötig, mehr mikrobiologische Diagnostik muss betrieben werden und vor allem mehr sparsamer Einsatz von Antibiotika. Wenn die Bakterien Resistenzen gegen mehrere wichtige Antibiotika bekommen (Multiresistenz), sind sie besonders schwer zu eliminieren. Durch vermehrten Gebrauch von Antibiotika in den letzten Jahren konnten viele Keime Resistenzen gegen Antibiotika entwickeln werden. Aus Groningen (Niederlande) war Dr. Ron Hendrix zu Gast und zeigte Statistiken, Überblicke und Studien mit Vergleichen der Niederlande und Deutschland. Er erklärte: "Hygiene ist mehr als nur das Putzen! Die Anzahl der Krankenhausinfektionen sind fast gleich, nur Skandinavien ist Spitzenreiter mit weit weniger Fällen. Insgesamt ist es ein weltweites Problem. Ständig werden neue Antibiosen erforscht, um die Resistenzlage zu verringern. Im Gesundheitssystem sind die Niederlande und Deutschland Spitzenreiter. Wenn es nur einen kleinen Mangel an Hygiene gibt, sind Patienten mit Antibiotika oft die Überträger. Dennoch sind Antibiotika eine gute Sache." In der Pause konnten sich die Gäste an vielen Ständen zum Thema Hygiene informieren. Zu sehen waren Filtrationslösungen für die Wasserhygiene sowie verschiedene Desinfektionspräparate. Jeder Quadratzentimeter der Haut enthält bis zu einer Million Keime. Diese Keime gehören zur Haut und schützen sie. Eine Operation durchbricht die natürliche Schutzbarriere und dadurch können die Keime in den Körper gelangen. Abschließend erwähnte Dr. med. Jens Gieffers: "Derzeit sind fünf Hygienefachkräfte im Klinikum Lippe beschäftigt, das sind Krankenpflegekräfte mit zweijähriger Zusatzausbildung. Als Arzt kann man eine Fortbildung zum Krankenhaus-Hygieniker machen." Er fügte hinzu:" ich bin mit der großen Resonanz dieser Veranstaltung sehr zufrieden und es wird eine Fortsetzung geben." Weitere Informationen zum Thema erhält man unter der Rufnummer (05231) 72-1230 oder im Klinikum Lippe.
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Infektionsgefahren minimieren
Hygiene hat höchste Priorität – Mehr Augenmaß bei Antibiotikavergabe
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